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Landluft schnuppern am Girls' Day

Landluft schnuppern am Girls' Day

Einblicke in den Beruf des Landwirts, der keineswegs nur ein typischer Männerberuf ist, bekamen Pauline, Anna, Vanessa und Tabea. Sie durften auch selbst mit anpacken und die Tiere versorgen.

. Die Landwirtschaft hat Potenzial und gerade in Zeiten des Preisdumpings können sich für kleine Betriebe neue Chancen eröffnen. Im Saarland lassen sich zurzeit 27 junge Männer zum Landwirt ausbilden, bei den Frauen jedoch sind es nur sechs - noch deutlich Luft nach oben also. Deshalb hat die Landwirtschaftskammer des Saarlandes den gestrigen Girls' Day, den bundesweiten Berufsorientierungstag für Mädchen , genutzt, um selbigen einen Einblick in die Landwirtschaft zu geben. Ausbildungsberaterin Simone Schlicker hatte für vier Teilnehmerinnen zwischen 14 und 15 Jahren (aus organisatorischen Gründen war die Zahl begrenzt) einen Tag auf dem Hubertushof in Welschbach organisiert, bei Landwirtschaftsmeister Hans-Peter Meiser und Juniorchef Eric Meiser.

Auch das Umweltministerium beteiligte sich: Minister Reinhold Jost und weitere Vertreter begleiteten die Mädchen . "Die Landwirtschaft wird immer als klassischer Männerberuf dargestellt, dabei trifft das gar nicht zu", sagte Jost. Das Berufsfeld sei selbstverständlich auch für Frauen mit landwirtschaftlichem, handwerklichem oder tierärztlichem Interesse geeignet.

Pauline Schlicker, Anna Dal-heimer, Vanessa Nehrbaß und Tabea Leborn, alle mit genau diesen Interessen ausgestattet, durften gestern nicht nur gucken, sondern auch selbst mitanpacken: Sie brachten den Kälbchen frisches Stroh und verteilten es mit der Heugabel. Dabei sorgten die Jungtiere für allgemeines Entzücken, gleichzeitig aber wurden die Mädchen damit konfrontiert, dass es in der "Nutztier"-Haltung immer ethische Probleme gibt, die viel Feingefühl erfordern.

So müssen in der Milchwirtschaft die Kälber bald nach der Geburt von den Müttern getrennt werden. Meiser versucht, den Zeitpunkt abzupassen, an dem das Kalb nicht mehr ganz so oft trinken muss, die Bindung zur Mutter aber noch möglichst wenig Zeit hatte, sich zu festigen. "Am liebsten würde ich die Kälber acht Tage bei der Mutter lassen", erklärte er. "Aber das geht nicht, weil der Trennungsschmerz immer größer wird. Die Kühe rufen dann tagelang nach ihren Kälbern."

Auch der Nachwuchs einer Pferdestute wurde bewundert. Pferde gibt es auf dem Hubertushof übrigens viele, 23 leben zurzeit in der Pension. Und sie genießen alle Annehmlichkeiten: "Das hier ist ein Solarium", erklärte Meiser mit Fingerzeig auf eine Lampen-Vorrichtung. Wenn die Pferde nach dem Ausritt geschwitzt seien, könnten sie dort trocknen. Die Wärme sei zudem gut für die Muskeln der Tiere.

Auch den Zuchtbullen lernten Minister Jost und die Mädchen kennen und auch der war äußerst interessiert am Besuch. Immer wieder streckte er den Kopf durch das Gitter und als Jost es schließlich wagte, ihn zu kraulen, genoss er es auf die ihm eigene stürmische Art.

Die Mädchen ließen sich alles genau erklären, selbst die eisigen Temperaturen ließen sie nicht auf den Theorieteil in der warmen Stube, der dem Praxisteil folgen sollte, drängen. Sie laufe sowieso oft bei kalten Temperaturen im T-Shirt herum, sagte Tabea Lebron schulterzuckend. Beste Voraussetzungen also für einen Beruf in der Landwirtschaft. "Es ist toll, dass wir hier mal den ganz normalen Alltag miterleben und auch selbst die Arbeit ausprobieren dürfen", sagte Pauline Schlicker. Vanessa Nehrbaß will später einmal lieber als Tierärztin, vor allem für Pferde , auf den Höfen unterwegs sein, Anna Dalheimer will auf jeden Fall "irgendwas mit Tieren" machen.