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Kunst im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen

Kunst im öffentlichen Raum : Der Brunnen, der keiner mehr ist

Kunst muss sichtbar sein. Das Paradoxe an der „Kunst im öffentlichen Raum“ ist, dass sie deutlich sichtbar ist, und sie dennoch unsichtbar bleibt, denn kaum jemand nimmt Notiz von ihr. In einer Serie stellen wir Kunstwerke im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen vor. Heute: der Brunnen und die Zweiergruppe in Illingen von Martin Steinert.

„Der Mann kann sich auch ärgern“ schrieb vor einigen Jahren der SZ-Redakteur Peter Wagner über den in Sulzbach lebenden Bildhauer Martin Steinert. 1987 hat der Künstler, der inzwischen mit seinem „Wooden-Cloud“ Projekt europaweit für Aufmerksamkeit sorgt, in der belebten Ortsmitte in Illingen einen übermannshohen Brunnen aus weißem Jura-Marmor geschaffen. In sechs Wochen harter Arbeit entstand unter Steinerts Händen ein monolithischer Quader, der trotz seiner Wucht angenehm zart erscheint. Dieser Eindruck wird durch die Linienführung und die Art ihrer Ausarbeitung erzeugt. Wie weiche Wellen durchziehen sie den Block und verleihen dem Tonnen schweren Kunstwerk eine ungeahnte Leichtigkeit. Vor der Brunnenanlage herum sind sechs kleinere Marmorblöcke gruppiert, die die Ortsteile symbolisieren. Den Brunnen fertigte Steinert Auftrag des Architekten Prof. Gunther Benkert im Rahmen der Illinger Ortskernsanierung 1987.

Das Konzept, in langen Gesprächen mit der Kommunalpolitik vereinbart, beinhaltete, dass dieser organische Block der Natur überlassen werden und sich verändern können sollte, erinnert sich Steinert. Das Werk sollte grün werden dürfen durch Algenbewuchs und im Winter bizarre Eis-Anhaftungen tragen. Es kam aber anders. Steinert berichtet, dass sich zuerst die Marktfrauen über das Spritzwasser des Brunnens beschwerten, „dann wurde das Wasser abgestellt“.

Als nächstes kam „Frevel und Hohn zugleich“, heute schmunzelt der Künstler darüber, in Augenhöhe ein Schild an das Kunstwerk, dass hier „kein Trinkwasser“ zu erwarten sei. Um das Konzept vollends zu verwässern, sei die Skulptur mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und nanobeschichtet, damit es auf ewig weiß erstrahle. Martin Steinert ist froh, dass der Brunnen überhaupt noch steht, immerhin „funktioniert“ er ja auch als Skulptur, ohne Wasser, „nur so“.

Im Illinger Burgpark steht eine weitere Skulptur von Steinert aus dem Jahr 1982, die „Zweiergruppe“. Dieser Arbeit besteht aus einem in der Mitte glatt durchgeschnittenen Sandstein. Die Glätte und Akkuratesse des Schnittes kontrastiert mit der amorphen äußeren Form, die der Bildhauer Steinert in wulstige Rundungen gezwungen hat. Die Plastik kann als die Dualität der materiellen Welt mit ihren Polaritäten von hell und dunkel, männlich und weiblich, schön und hässlich verstanden werden. Auf einer höheren Ebene ist im Leben allerdings alles eins. Und so verschmilzt die durchtrennte Figur im Burgpark wieder zu einem Block. Steinert stört es wenig, wenn die Menschen Kunst im öffentlichen Raum nicht bewusst wahrnehmen. Er sagt, dass die Leute mit der Kunst leben sollen, und dass sie Teil ihres Lebens und Alltags werden. Dass die Kunst im öffentlichen Raum quasi unsichtbar werde, könne Bestandteil der Konzeption sein.

 1982 schuf Martin Steinert die „Zweiergruppe“, die im Burgpark Illingen zu sehen ist.
1982 schuf Martin Steinert die „Zweiergruppe“, die im Burgpark Illingen zu sehen ist.

Steinert wurde 1959 in Saarbrücken geboren. Er lernte das Bildhauerhandwerk und studierte Kunstgeschichte in Saarbrücken. Seit 1988 arbeitet er als freischaffender Künstler.