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Kindern ein Zuhause auf Zeit geben

Mechthild Hoffmann (Prokuristin, von links), Iris Leyendecker (pädagogische Leiterin und Jugend- und Heimerzieherin) sowie Sascha Ultes, Kinder- und Jugendheimerzieher bei ihrem kleinen Frühlingsfest am Mittwoch. Foto: Marny Meyer-Haberer
Mechthild Hoffmann (Prokuristin, von links), Iris Leyendecker (pädagogische Leiterin und Jugend- und Heimerzieherin) sowie Sascha Ultes, Kinder- und Jugendheimerzieher bei ihrem kleinen Frühlingsfest am Mittwoch. Foto: Marny Meyer-Haberer FOTO: Marny Meyer-Haberer
Hirzweiler. Das Auenland in Hirzweiler ist eine Wohngruppe für Kinder und Jugendliche des Trägerwerks Soziale Dienste. Marny Meyer-Haberer

Das Zimmer wirkt ordentlich, fast ein wenig leer. Wenige Spielsachen sind zu sehen. Vereinzelt hängen Fotos an der Wand. Mama, Papa und Geschwister lachen fröhlich in die Kamera. Der Schein trügt. Der Junge, der in diesem Zimmer wohnt, hat einiges mitmachen müssen. Sein neues Heim befindet sich in der Einrichtung des Trägerwerks Soziale Dienste Rheinland-Pfalz und Saarland (twsd) in Hirzweiler. Das Jugendamt hat ihn in Obhut genommen. Seinen Geburtstag feiert er mit Mechthild Hoffmann, Iris Leyendecker sowie weiteren Helfern und Mitarbeitern der KJWG (Kinder- und Jugend-Wohn-Gruppe) Auenland. Er bekommt ein Geschenk, es gibt Kuchen, Luftballons. Fast so, als wäre alles normal. "Wir versuchen, das, was in intakten Familien geboten wird, mit den uns anvertrauten Kindern zu unternehmen", erklärt Sascha Ultes, Jugend- und Heimerzieher. Das kann auch mal ein Ausflug ins Grüne oder in den Freizeitpark sein.


In dem kleinen Haus, das gerade Frühlingsfest gefeiert hat, stehen acht Plätze zur Verfügung. Darunter zwei Doppelzimmer für Geschwister. Seit Februar 2016 werden hier Kinder zum Schutz vor der eigenen Familie aufgenommen. Aktuell sind alle Betten belegt. Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis elf Jahren leben hier zusammen. Die Gründe, warum die Kinder in Gruppen wie dem Auenland leben, sind unterschiedlich. Das reicht vom fehlenden Strom zu Hause über Alkoholprobleme bis hin zur Mutter, die das eigene Kind zur Prostitution zwingt. Die Kinder und Jugendlichen werden auf Geheiß des Jugendamtes oft aus der Schule oder dem Kindergarten abgeholt. "Die Kinder kommen bei uns an, haben nur die Kleider am Leib und wissen gar nicht, was los ist", erklärt Iris Leyendecker, pädagogische Leiterin, "dann kommen das Heimweh und die Fragen. Mit viel Ruhe, vor allem ohne Schreien, sollen die Kinder lernen, sich hier wohlzufühlen. Unsere Arbeit benötigt Zeit und Vertrauen. Die Kinder müssen erst lernen, dass die ihnen zugedachte Bezugsperson wirklich verlässlich ist."

Geboten wird eine 24-Stunden- Betreuung. Morgens wird im geräumigen Wohn- und Essbereich gefrühstückt, bevor es in die Schule geht. "Das gemeinsame Essen ist sehr wichtig. Gleichzeitig ist es auch sehr schwierig. Die Kinder kennen vieles von Zuhause nicht, sind oft nur Fast Food gewöhnt. Wir wollen eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung vermitteln", erklärt Sascha Ultes, "wir Erzieher müssen einiges aufarbeiten. Am Tisch sitzen bleiben, mit Messer und Gabel essen und vor allem klar machen, dass es immer genügend zum Essen gibt und niemand hungern muss." Unterstützung gibt es dabei von der Hauswirtschafterin Christine Schmitt.



Die Kinder finden hier Schutz und ein Zuhause auf unbestimmte Zeit. Wenn das Jugendamt es erlaubt, bekommen Eltern ein Umgangsrecht in Begleitung oder dürfen nach Absprache telefonieren. Durch gezielte Angebote und einen strukturierten Alltag wird den Kindern ein familienähnliches Zusammenleben ermöglicht. "Dabei liegt unser Hauptziel darin, die Kinder und Jugendlichen und vor allem ihre Eltern auf die Rückführung in ihr Bezugs- und Familiensystem vorzubereiten, oder Jugendliche auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu begleiten", macht Mechthild Hoffmann, Prokuristin und Anwältin für Familienrecht, deutlich.

Gefördert wird das twsd durch die Jugendämter. Der Tagessatz pro Kind liegt unter 150 Euro. Sachspenden sind gern gesehen.