Keine freien Plätze in Urnenwand

Keine freien Plätze in Urnenwand

Stirbt ein lieber Mensch, gerät für die Hinterbliebenen die Welt aus den Fugen. Umso schlimmer, wenn es dann auch noch Probleme mit der Beisetzung gibt. So geschehen jetzt in der Gemeinde Illingen.

. Ende Mai ist die Mutter von SZ-Leserin Helga Monz aus Illingen gestorben. Sie wurde eingeäschert und sollte dann ihre letzte Ruhestätte in einer Urnenwand auf dem Illinger Friedhof finden. Doch, wie die Familie von der Gemeindeverwaltung erfahren musste, gibt es zurzeit keinen freien Platz mehr in einer Urnenwand. Eine zusätzliche Wand sei bestellt, man rechne mit September/Oktober, bis diese für Beisetzungen zur Verfügung stehe. Da für Familie Monz keine andere Bestattungsart, die in Illingen angeboten wird, in Frage kommt, muss die Urne der Verstorbenen bis dahin, wie es die Gesetzeslage vorschreibt, beim Bestatter bleiben. Eine für die Trauernden sehr unbefriedigende und belastende Situation.

Der Illinger Bürgermeister und promovierte Verwaltungswissenschaftler Armin König weiß um die Sorgen der Familie. Dennoch bezieht er auf Anfrage der SZ klare Position: "Es gibt keinen Rechtsanspruch auf eine Bestattung in der Urnenwand. Es können nur die Wände und Kammern belegt werden, die auch vorhanden beziehungsweise verfügbar sind. Alternativen sind auf dem Illinger Friedhof genügend vorhanden." Unabhängig von dem Fall der Familie Monz kritisiert König die hohen Kosten für Urnenwände. "An der Urnenwand verdienen einige wenige Firmen, für die Gemeinden ist dies eine teure und schwierige Angelegenheit, weil es besondere Haushaltsanforderungen mit sich bringt. Es handelt sich um Bauten mit relativ wenigen Grabkammern. Finanziert werden sie aus dem Investitionshaushalt, nicht wie alle anderen Grabarten über den Ergebnishaushalt. Das hat Auswirkungen. Sie fallen damit in die gleiche Kategorie wie Straßenausbau, Gehwege, Schulen, Ortskernentwicklung, Geräteankäufe, Feuerwehrgeräte, Wirtschaftsgüter. Dafür gilt eine Kreditobergrenze. Wenn man - wie in Illingen - plötzlich drei Urnenwände zusätzlich für 50 000 Euro bauen muss, braucht man erst die Haushalts- und Kreditgenehmigung - und man kann dann für Straßen, Gehwege, Schulen oder Feuerwehr weniger investieren", so König. Deswegen könne die Gemeinde auch nicht einfach Urnenwände "auf Vorrat" bauen. Wenn der Gemeinderat im Juli den Beschluss fassen sollte, die für 2017 vorgesehenen Urnenwände vorzuziehen, wie es von der Verwaltung und der CDU vorgeschlagen wird, so König, dann sei dies in einem Doppelhaushalt möglich. Es könnten aber dann im Jahr 2017 keine weiteren Urnenwände mehr gebaut werden.

Für König sind diese Wände "keine regionaltypische Bestattungsart". Und er macht darauf aufmerksam, das die Liegezeit meist nach 15 Jahren ende. Außerdem hätten die Angehörigen keine Möglichkeit, Kerzen oder Blumen abzulegen, was für viele Trauernde sehr wichtig sei. König denkt an die Anlage von ästhetisch gestalteten Erd-Urnenfeldern, wie er sie in Köln-Melaten gesehen hat. Er schlägt Ortsräten und der Friedhofs-Kommission vor, dorthin eine Besichtigungstour zu unternehmen.

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