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Kaninchenzuchtvereine im Kreis Neunkirchen suchen Nachwuchs

Hasenzeit : Für den richtigen Rammler kein Weg zu weit

Wenn es mit dem menschlichen Nachwuchs so gut klappen würde wie mit dem der Kaninchen, dann litten die Vereine keine Not.

Mindestens einen Grund zur Freude gibt es für Margit Jochem zurzeit. Die Vorsitzende des Kreisverbandes Neunkirchen der Rassekaninchenzüchter Saar hat ein ganz seltenes Exemplar ergattert für ihren örtlichen Verein, den SR 33 Uchtelfangen. Einen Jungzüchter. 20 Jahre alt ist der junge Mann, kam letztes Jahr, so erzählt Jochem der SZ im Telefonat, auf die Kreisschau und hat sich in das Hobby verliebt. „Er hat sich eine Rasse ausgesucht, die Castor Rex (ein kurzhaariges braunes Wildkaninchen, aus Frankreich stammend, Anm. d. Red.) und hat inzwischen schon sieben Junge gezüchtet.“ Mit diesem jungen Mann, sagt Jochem, „da haben wir mal Glück gehabt.“

Denn ansonsten ist es schlecht bestellt um den menschlichen Nachwuchs im Bereich der Kaninchenzucht. Zwölf Vereine hat der Kreis Neunkirchen, noch 171 Mitglieder sind aktiv, davon gerade mal sieben Jugendliche oder junge Menschen. „Das heißt, in acht Vereinen gibt es gar keine jungen Leute mehr.“ Auf den Schauen, da finden alle die Kaninchen süß. „Wenn es dann aber ums Stall säubern geht, dann ist die Lust schnell vorbei“, weiß Jochem. Manchmal seien es auch die Eltern, die die Kinder einbremsen.

Dabei ist es nicht so, dass man nicht alles probiert. So gab es ein paar Jahre mal das so genannte Kaninhop, Kinder konnten ihre Kaninchen über Hindernisse springen lassen. „Das hat denen dann schon Spaß gemacht“, erinnert sich Jochem. Seit der Mann, der dafür verantwortlich zeichnete, nicht mehr da ist, ist auch das Hoppen eingeschlafen. Aber nicht nur im Jugendbereich fehlt es den Kaninchenzuchtvereinen. Weggebrochen sind auch die Frauengruppen. Sie haben früher aus dem Fell der Tiere Handarbeiten gefertigt. „Mittlerweile sind die Damen alle über 70, da macht von denen auch niemand mehr was.“ Unter den Züchtern ist Margit Jochem selbst eine Seltenheit. Das Hobby wird überwiegend von Männern betrieben.

Jochem ist bereits seit 1982 im Verein in Uchtelfangen aktiv. Seit 26 Jahren hat sie den Vorsitz. Seit drei Jahren steht sie dem Kreisvorstand vor, seit zehn Jahren ist sie auch Landesgeschäftsführerin. In all den Jahren, in denen sie selbst Kaninchen züchtet, gehört ihre besondere Liebe den Hasenkaninchen. Von Anfang an züchtet sie die langohrigen, rot-braunen Tiere. „Und die gebe ich auch nicht mehr her.“ Insgesamt züchtet Jochem drei Rassen. Zehn Junge hat sie bisher in diesem Jahr. Ihr Mann hat sechs Mal Nachwuchs bei seinen Rassen. Dessen Rassen sind noch ausgefallener. Denn Karl-Josef Jochem ist Sprecher der Gesellschaft für alte und gefährdete Haustierrassen, GEH. Und so findet man bei ihm nicht nur das Skudden-Schaf oder das Brakel-Huhn, sondern eben auch das braune Maderkaninchen und die Englische Schecke Schwarz-Weiß. 20 bis 30 Kaninchen gibt es bei Jochems pro Jahr.

Den Nachwuchs, den kann man in normalen Jahren bei den Jungtierausstellungen bewundern. Die sollte in diesem Jahr am 9. Mai in Landsweiler stattfinden und ist – wie zurzeit so vieles – abgesagt. Einmal im Jahr ist auch Landesschau und Kreisschau. Die Landesschau im Januar fiel allerdings auch aus. Die Halle in Bliesen, wo sie stattfinden sollte, war kurzfristig nicht mehr nutzbar, Ersatz so schnell nicht zu beschaffen. Ende des Jahres im November soll nun die Kreisschau sein. Seit geraumer Zeit richtet man die schon zusammen mit dem Kreisverband Saarbrücken Ost aus. Die Schauen dienen dazu, dass sich die Züchter umgucken, frisches Blut für die eigene Zucht kaufen und verkaufen. Und was nicht für die Zucht gebraucht wird? „Das wird geschlachtet“, sagt Jochem. „Man kann nicht alle aufheben.“ Zwei Mal im Jahr, Weihnachten und eben Ostern, ist das so. Das trifft nicht nur die Hasen. „Das gilt auch für die Lämmchen, die jetzt gerade noch draußen rumhopsen.“ So ist das nun mal eben.

Frisches Blut in die Zucht zu bekommen, das funktioniert dann einfach, wenn man die gängigsten Rassen züchtet. Zu denen gehören beispielsweise Weiße Wiener, Rot-Weiße Neuseeländer oder Deutsche Riesen. Die gibt es oft, man kann gut durchmischen. Und für die Bewertungen, die bei den Schauen stattfinden, gibt es auch viele Vergleichsmöglichkeiten und so auch viele Punkte. Wer das Züchten der Pokale wegen macht: Die bringen deshalb auch eher die gängigen Rassen. Bei selteneren, wie den vom Aussterben bedrohten von Karl-Josef Jochem, muss man schon mal ein paar Kilometer weiter fahren. Im Dezember erst waren die Jochems in der Eifel, um einen Rammler zu holen.

Gezeigt werden die Tiere vermutlich noch einmal im September, Oktober bei der Alttierschau. Zur Alttierschau hat sich Jochem zur ihrem Uchtelfanger Verein noch die Eppelborner und Schiffweiler Kollegen dazu geholt. Für eine Schau alleine hat ein Verein meist nicht mehr genug Tiere und auch nicht mehr genug Helfer, erzählt sie. In der Zukunft, so glaubt Jochem, werden deshalb auch mehr Vereine zusammengehen. Oft hängt das Engagement eben auch an Einzelnen. So erinnert die Kreisvorsitzende an die Tierkinderschau vor drei, vier Jahren in Wiesbach. „Die lief zwei Jahre super. Als dann der Verantwortliche weg war, war auch die Aktion beendet, der Verein fertig.“

In Jochems Uchtelfanger Verein werden übrigens elf verschiedene Rassen gezüchtet. Interessenten empfiehlt Jochem den Besuch der Kreisschau, da sind rund 30 Rassen alleine aus dem Neunkircher Kreisverband zu sehen, die Saarbrücker kommen noch dazu. Ein schöner Überblick über das, was die Zuchtvereine zu bieten haben. Und vielleicht ja auch ein Anreiz, der das ein oder andre seltene menschliche Exemplar in einen der zwölf Kreisvereine bringt.

Erst ein paar Tage alt sind die Hasenkaninchen der Familie Jochem. Nicht nur Tobias Jochem ist begeistert. Foto: Engel
Erst ein paar Tage alt sind die Englischen Schecken der Familie Jochem aus Uchtelfangen. Foto: Andreas Engel Foto: Engel

www.rassekaninchen-lv-saar.de