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Käse im Keller, neues Quartier oben

Käse im Keller, neues Quartier oben

Diesmal wird es klappen mit der neuen Illinger Ortsmitte, da sind sich Verwaltung, Fraktionen und Investoren einig. Am Mittwochabend wurden im Gemeinderat die Weichen gestellt für die Umgestaltung der Höll-Brache. 2016 sollen die Brauturm-Galerie und die Senioren- und Pflegeeinrichtung fertig sein.

. Der Illinger Ratssaal war diesmal voller Zuschauer. Vor allem Kaufleute und Dienstleister aus der Hauptstraße wollten wissen, was jetzt wieder für das Höll-Gelände ausgeheckt worden ist. Erster Eindruck: eine ganz große Nummer! Das sieht auch Bürgermeister Armin König so, ebenso alle Ratsfraktionen, die einen einstimmigen Grundsatzbeschluss für die Planungen zur Brauturm-Galerie von Investor Jörg Michael Fries und seinen Partnern auf einem Teil der bisherigen Brache und zum Wohnen für Senioren und Menschen mit Behinderungen des ASB fassten.

Das städtebauliche Gesamtkonzept stellte Michael Frielinghaus vom Friedberger Büro BLFP Frielinghaus Architekten vor. Die schwierige Hanglage stellte die Planer vor Herausforderungen, denen sie jetzt mit breiter Flanier- und Sitztreppe, Aufzug zum Bahnhof, einen großen Marktplatz, einem Weiher, einer Terrasse vor der Bahnhofs-Rotunde, Sitzgelegenheiten unter Bäumen begegnen wollen. Dazu viele, aber optisch nie dominierende Parkplatz-Flächen. "Die neue Mitte ist ein Gewinn für die Stadt", sagte Frielinghaus. Der hat übrigens auch den architektonisch viel gelobten Limburger Bischofssitz gebaut.

24 Pflegewohnungen, hell, barrierefrei, und zirka 35 Quadratmeter groß, plant der Arbeiter-Samariter-Bund. Dazu Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderungen, die profitieren sollen von den Angeboten des neuen Illinger Zentrums. ASB-Geschäftsführer Bernhard Roth und der Landesvorsitzende Guido Jost stellten das Projekt vor.

Das absolute Sahnestückchen lieferte dann aber Jörg Fries, vielen bekannt als "der mit dem Käse ", wobei die aufstrebende Käserei Hirztaler allerdings von Gattin Petra Fries geführt wird. Sein Geld verdient Fries nach eigenem Bekunden mit der Firma Bahnlog und einer Spedition. Auf der Suche nach Lagermöglichkeiten für seinen Käse stieß der ehemalige Saarberg-Altlasten-Sanierer Fries dann über Armin König auf das Höll-Gelände mit seinen unterirdischen Gängen aus Brauereitagen. Fries ließ das Gelände und die Gebäude akribisch untersuchen, fand Gefallen am alten Brauturm und lieferte nun den Plan für einen multifunktionalen Großkomplex. Einen großen Einkaufsmarkt soll es geben (Verhandlungen laufen mit den Vollsortimentern Rewe und Edeka), Praxis-, Büro- und Gewerberäume, Gastronomie, eine Parkgarage, eine Art Markthalle und 30 bis 35 hochwertige Lofts und Penthouse-Wohnungen mit "Blick über ganz Illingen ". Die Käufer sollen in die Detail-Planung einbezogen werden. Dank des Status als Sanierungsgebiet, dem Bauen im Bestand und des Bürger-Beteilungsmodells soll das Ganze auch steuerlich eine schöne Sache werden.

Schätzungsweise 35 Millionen Euro soll das ganz große Illinger Face-Lifting kosten, davon kommen rund neun Millionen auf die Gemeinde zu, die diese aber größtenteils über Landes- und Bundesmittel abzudecken gedenkt. Die Gemeinde muss sich beispielsweise um die Verkehrsanbindung des neuen Quartiers (etwa eine neue Straße von der Poststraße aus) kümmern.

Meinung:

HausgemachteLösung

Von SZ-RedakteurinSolveig Lenz-Engel

Noch sind die Ideen in Illingen nicht in Beton gegossen, Veränderungen sind noch möglich. Die Investoren drängen jetzt auf das rasche Schaffen von Baurecht, damit es losgehen kann. Ziel ist 2016 als Bau-Ende.

Das Illinger Beispiel zeigt, dass das Gute wirklich nahe liegen kann: Investor Fries ist Illinger Bürger, sein Steuerberater Manfred Steimer hat sein Büro in der Poststraße, der ASB-Landesvorsitzende Guido Jost ist Hüttigweiler Ortsvorsteher und SPD-Fraktionssprecher im Gemeinderat. Und auch Bernd Therre , der für die Landesregierung im Spiel ist, hat seinen Lebensmittelpunkt in der Gemeinde. Dass sich alle Akteure nach der Sitzung mit Lyoner von einem örtlichen Metzger stärkten, passt da ins harmonische Bild.

Zum Thema:

Auf einen BlickIm Jahr 2001 verließ die alteingessene Fleischwarenfirma Höll, damals der größte Arbeitgeber in der Gemeinde, den Standort im Herzen vom Illingen . Das Unternehmen siedelte sich in Saarbrücken an. Zuvor war erfolglos versucht worden, das Unternehmen auf ein Uchtelfanger Gewerbegebiet umzusiedeln. Zurück blieb eine rund vier Hektar große Brache, deren neue Nutzung lange durch die hohen Forderungen der Firma beim Grundstücksverkauf blockiert wurde. Im Zuge der Insolvenz von Höll hat das Land über seine Tochter SBB, Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft, mit deren Geschäftsführer Bernd Therre , die Illinger Höll-Brache und auch das Saarbrücker Firmengelände von Höll erworben.Neuer Drive kam in das Höll-Projekt, an dem sich mehrere Investoren vergeblich versucht hatten, durch ExWost. Die Gemeinde Illingen war 2011 eine von acht Siegerkommunen, die ins Projekt "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWost), Forschungsfeld "Innovationen für Innenstädte", des Bundes aufgenommen wurden. Illingen erhielt eine finanzielle Förderung von insgesamt 300 000 Euro in den Jahren 2012 bis 2014. Das Projekt kommunale Höll-Planung mit Bürgerbeteiligung überzeugte das Bundesbauministerium. Die Beteiligung der Bürger lag den Akteuren in Illingen immer am Herzen, so auch in Form einer Ideen-Werkstatt mit rund 1300 Anregungen.Am Mittwoch, 26. November, 19.30 Uhr, werden die Bürger in der Illinger Illipse ausführlich von Verwaltung und Investoren über die aktuellen Pläne informiert. sl