| 19:09 Uhr

Jetzt darf Papa taufen, trauen, beerdigen Franziskus – den würde er gern zweifach treffen

Zum Gespräch traf sich die SZ mit Michael Stephan an der Kirche St. Josef Uchtelfangen (großes Foto). Hier wurde der heute 44-Jährige getauft, ging zur Erstkommunion und zur Firmung. Begleitet hat ihn beim Termin Tochter Sarah (9). Inzwischen lebt Stephan mit seiner Familie in Scheuern. Dort hat er auch in der Kirche St. Katharina (kleines Foto) geheiratet. Hier wurde die Tochter getauft, die in diesem Jahr zur Erstkommunion ging. In seiner Heimatpfarrei und der Pfarreiengemeinschaft am Schaumberg hat Stephan sich auch in den Gremien engagiert. Fotos: Engel (1)/mgs (1)
Zum Gespräch traf sich die SZ mit Michael Stephan an der Kirche St. Josef Uchtelfangen (großes Foto). Hier wurde der heute 44-Jährige getauft, ging zur Erstkommunion und zur Firmung. Begleitet hat ihn beim Termin Tochter Sarah (9). Inzwischen lebt Stephan mit seiner Familie in Scheuern. Dort hat er auch in der Kirche St. Katharina (kleines Foto) geheiratet. Hier wurde die Tochter getauft, die in diesem Jahr zur Erstkommunion ging. In seiner Heimatpfarrei und der Pfarreiengemeinschaft am Schaumberg hat Stephan sich auch in den Gremien engagiert. Fotos: Engel (1)/mgs (1)
Uchtelfangen. Am Pfingstsamstag wird Michael Stephan aus Uchtelfangen in Trier zum Diakon geweiht. Sein Biologiestudium beantwortete ihm nicht die „ewigen Fragen“. Claudia Emmerich

Sarah (9) wird ihren Papa erst am Samstag wiedersehen. Im Trierer Dom. Dann wird Michael Stephan vom Bischof zum Diakon geweiht. Und deshalb hat sich der 44-Jährige aus Scheuern, der in Uchtelfangen aufwuchs, seit Sonntag ins Kloster zurückgezogen. Mit Peter Kurtscheid (Rheinbrol) und Sebastian Zinken (Sinzig), die mit ihm geweiht werden, sowie einem Spiritual (geistlicher Begleiter) sucht Michael Stephan nochmal innere Einkehr. Na ja, ein bisschen üben für die Abläufe im Dom werden sie auch noch.


Es war kein gerader Weg zum Diakonat, eher einer auf Umwegen, wie Michael Stephan im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt. Zunächst schloss er ein Biologie-Studium mit Diplom ab, arbeitete auch wissenschaftlich. Dazu war er journalistisch unterwegs (ist heute noch freier Mitarbeiter unserer Zeitung). Als Familienvater entschied sich Stephan dann für geregeltere Arbeit und ist seit 2009 Sonder-Berufsschullehrer an der Christophorusschule im CJD Berufsbildungswerk Homburg mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung, inzwischen stellvertretender Schulleiter.

"Religion hat mich nie losgelassen. Die ewigen Fragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich?", sagt Stephan. Im Biologiestudium habe er keine für ihn zufrieden stellenden Antworten gefunden. Seine Bindung zur Institution Kirche sei lange nicht sehr eng gewesen, so Stephan, die Bindung zu Gott hätte er nie verloren.



Der diakonische Gedanke reifte über die Jahre. 2012 entschied Michael Stephan: Ich will mich zum Diakon im Zivilberuf ausbilden lassen (siehe "Info"), vier arbeitsintensive Jahre neben Familie und Vollzeitjob an der Schule. Ein so genanntes Interessenjahr diente der Klärung der eigenen Berufung. Es folgten drei Jahre mit unterschiedlichen praktischen Schwerpunkten - Gefängnisseelsorge, Predigtübungen oder Gesprächsführungskurse. Dazu absolvierte Stephan ein Studium Theologie im Fernkurs an der Domschule Würzburg. Stephan erinnert sich: "Die Praxiselemente unseres Liturgiekurses sind mir noch sehr gut in Erinnerung. Zum Üben haben wir die gleiche Puppe mindestens zehnmal hintereinander getauft und uns untereinander geheiratet."

Jetzt nach seiner Weihe übernimmt Michael Stephan als Ständiger Diakon mit Zivilberuf pastorale Dienste in der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg - heimatnah. Sechs Wochenstunden sind ungefähr vorgesehen für seine neue Aufgabe. Neben seiner Lehrertätigkeit. Er wird taufen, trauen, beerdigen und predigen. Engagement in der Firmvorbereitung kann er sich gut vorstellen. Soziale Projekte wären ihm sehr wichtig. Dafür ist der Zeitrahmen eng: "Das muss sich finden", sagt Stephan. Die Arbeit in der Pfarrei werde sich hauptsächlich in den Abendstunden und an den Wochenenden abspielen. Da muss die Familie mitziehen. Und sie tut es. Ehefrau Marita (45) geht den Diakonatsweg mit ihm, sie hat - so sehen es die Regularien vor - offiziell zugestimmt.

Sein Verhältnis zur Institution Kirche habe sich durch die zurückliegenden vier Jahre verändert, sagt Stephan. "Ich habe sie von innen kennengelernt. Es steckt viel mehr Positives dahinter, als ich dachte." Was nicht heiße, dass er nicht Kritisches anzumerken habe. Etwa zur Rolle der Frau. Oder zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Oder zum Zölibat. Dennoch: "Ich fühle mich in der katholischen Kirche zu Hause. Mir gefällt die Liturgie, die Gemeinschaft und die Arbeit und die Beziehungen in unserer Pfarreiengemeinschaft."

Jetzt also am Pfingtsamstag der Weiheakt. Tochter Sarah wird als Messdienerin nah beim Papa sein. Wir haben Michael Stephan Satzanfänge vorgegeben. Er sollte die Sätze spontan zu Ende bringen.

Die ersten sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde hießen. . .

Stephan: . . .oje, Stephanus weiß ich. Aber die anderen? (sie hießen Nikanor, Stephanus, Philippus, Prochorus, Timon, Parmenas und Nikolaus)

Unter allen Gestalten der Bibel beeindruckt mich am meisten. . .

Stephan: . . .aktuell tatsächlich Stephanus, weil er für Glaube und Überzeugung einstand. Übersetzt heute: Man steht zu seiner Meinung.

Unter allen Kirchenmännern und Kirchenfrauen würde ich gerne mal kennenlernen. . .

Stephan: . . .Papst Franziskus. Und in der Geschichte seinen Namensgeber Franz von Assisi.

500 Jahre Reformation: Martin Luther würde ich sagen. . .

Stephan: . . .danke, dass du die katholische Kirche aufgeweckt hast. Auch wenn es vielleicht ein paar Jahrhunderte gedauert hat.

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war. . .

Stephan: . . .ein Brunetti-Krimi von Donna Leon.

Der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war. . .

Stephan: . . .Star Wars.

Am liebsten esse ich. . .

Stephan: . . .Hähnchenbrust mediterran.

Und dazu trinke ich gern. . .

Stephan: . . .Weißwein oder ein alkoholfreies Hefeweizen.

Mal richtig abschalten kann ich. . .

Stephan: . . .beim Lesen. Und auch bei Stille in einer Kirche.

Meine Frau sagt oft zu mir. . .

Stephan: . . ."fahr langsam". (flüstert die Tochter ein)

Meine Tochter sagt oft zu mir. . .

Stephan: . . ."Papa, du bist peinlich." Manchmal. (Tochter nickt)

Gefragt hat Claudia Emmerich

Zum Thema:

Ledige Bewerber können ab Vollendung des 25. Lebensjahres die Diakonenweihe empfangen. Sie verpflichten sich zum Zölibat. Verheiratete Männer können ab dem 35. Lebensjahr zur Weihe zugelassen werden. Die Zustimmung der Ehefrau ist erforderlich.