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Interview mit Elfi und Peter Kleiß zum Illinger Jazz-Programm

Illinger Jazz-Programm : Jazz mal sechs — das erste Halbjahr steht

Seit 15 Jahren gibt es Jazz in der Illipse. Elfi und Peter Kleiß zeichnen für die Jazz-Lounge verantwortlich. Und im ersten Halbjahr kommt was auf die Jazz-Freunde zu. Die künstlerischen Leiter Elfi und Peter Kleiß verraten, was.

Elfi und Peter Kleiß sind die künstlerischen Leiter des Illinger Jazz-Programms. Gemeinsam mit dem Kulturamt der Gemeinde wird bereits seit 15 Jahren die Jazz-Lounge in der Illipse veranstaltet. Das Programm fürs erste Halbjahr steht. Zwischen Februar und Ende Mai finden sechs Konzerte statt. Viel für die Gemeinde. „Klar, das könnte man meinen, aber zunächst haben wir in Illingen ein ausgesprochen interessiertes Publikum“, sagt Elfi Kleiß der SZ. Nach 15 Jahren wolle man das treue Publikum belohnen. Nach jedem Konzert kommen einige Besucher und wollen wissen, was denn als nächstes so kommt, weiß Elfi Kleiß. Dabei kommen die längst nicht mehr nur aus Illingen. „Unsere Besucher kommen mittlerweile auch aus Trier, Mainz, Mannheim, Luxemburg, Frankfurt, Wittenberg.“ Gut für die Jazzfans: Es gab für dieses Frühjahr ein paar Angebote, die das Ehepaar nicht ablehnen konnte. Beispielsweise von Ida Sand. „Die ich für die beste Soulsängerin Europas halte“, sagt Elfi Kleiß. Sie sei vor zwei Jahren in kleiner Besetzung bereits hier gewesen. Nun habe sie angefragt, ob sie im Mai mit größerer Band und der neuen CD „My Soul Kitchen“ kommen könne. In dieser Band ist ein Saxofonist und Flötist, mit dem die künstlerische Leiterin schon länger um einen Termin feilscht: Magnus Lindgren. Magnus war viele Jahre in der Funk Unit von Nils Landgren, er war vor einigen Jahren schon einmal in der Illipse mit Torsten Goods und er ist regelmäßig mit Till Brönner auf Tour. Auf dieser Tour von Ida Sand ist Lars Danielsson am Bass, und Lars ist ein sehr gern gesehener Gast in der Illipse.

Das gleiche gilt für das Konzert des Artists in Residence 2016, Nils Landgren. Der „Artist“ hat die Möglichkeit, mit einer Formation seiner Wahl noch einmal für ein großes Konzert in die Illipse zu kommen. Nils fragte, ob die Kleiß’ mit der Sängerin Viktoria Tolstoy einverstanden wären. „Keine Frage, wir freuen uns“, heißt es von deren Seite. Viktoria Tolstoy und Rasmus Kihlberg waren schon sehr lange nicht mehr im Saarland. Am Bass wird Mattias Svensson sein, auch er war schon zweimal in der Illipse mit Jan Lundgren und Jacob Karlzon. Martin Terens am Piano, Martin war 2018 mit Lisa Wulff im Rathaussaal.

Die „Arbeit“ hat sich das Ehepaar aufgeteilt. Elfi ist eher für die Konzerte in der Illipse zuständig und Peter für die Rathauskonzerte mit Jazz & Talk. Dazu Peter Kleiß: „Generell ist das so, aber vor etwa einem Jahr kam Illingens Bürgermeister Armin König auf mich zu mit dem Wunsch, zwei Konzerte zu organisieren, in denen Jazz und Klassik eine Verbindung eingehen und schöne Melodien im Vordergrund stehen. Der Termin stand als erstes fest: Mitte März 2019. Und weil wir im letzten Jahr eine unglaublich lange Periode mit tristem Matschwetter hatten, mit im Grunde der selben Stimmungslage von November bis Ende März, wollte Armin König vor allem Musik, die die Seele streichelt, die einfach gut tut.“

Rainer Böhm und Lutz Häfner waren vor einigen Jahren im Duo im Rathaussaal. Sie hatten, so Kleiß, definitiv schöne Melodien im Gepäck. Böhm sagte zu und konnte sich vorstellen, mit vier Celisten dazu „eine ideale Verbindung zwischen Jazz und Klassik“ zu finden. Wenig später erzählt Svenja Hinzmann Kleiß von ihrem Projekt, Melodien aus Gershwins Oper „Porgy & Bess“ auf die Bühne zu bringen. Sie hat eine Ausbildung als klassische Sängerin und als Jazzmusikerin. Sie verkörpert in ihrer Person die gesuchte Verbindung von Klassik und Jazz. Außerdem bringt sie den klassisch ausgebildeten Bassbariton Andreas Becker mit, und in der Band hat sie studierte Jazzmusiker und Tänzer*innen. „Es wird ganz sicher eine spannende Mischung werden“, glaubt Peter Kleiß.

Er erinnert an die Geschichte von „Porgy & Bess“. „ Wir vergessen dabei oft, dass George Gershwin damit 1935 eine ernste American Folk Opera komponiert hatte und zwar über Schwarze und mit Schwarzen. Zu dieser Zeit waren Afro-Amerikaner noch Menschen dritter Klasse. Mit seinem Meisterwerk holte Gershwin schwarze Sänger auf die Theaterbühne. Damit wurden erstmalig in amerikanischen Theatern die Rassenschranken vor und hinter der Bühne aufgehoben.“ Um die Handlung auf der Bühne darzustellen, hat man sich für Illingen etwas ganz Besonderes ausgedacht. Es wird zwei Tänzer geben, die mimisch die Handlung darstellen und es wird auch einen Erzähler geben. Diese Rolle übernimmt Peter Kleiß selbst. Und der ist sich sicher: „Das wird aber sehr unterhaltend werden. Ganz großes Kino, beziehungsweise ganz große Oper.“

Etwas Besonderes gibt es auch im Februar im Rathausfestsaal. Dann kommt die Schlagzeugerin Eva Klesse mit ihrem Quartett in den Rathaussaal. Dass es da keine akustischen Probleme geben wird, da ist sich die Professorin für Schlagzeug laut Kleiß sicher.

Nach einem Auftritt in der Reihe „Mann am Klavier“ ist Chris Gall nochmal zu Gast. Er stellt seine neue CD vor. Peter Kleiß ist begeistert. „Als ich „Room Of Silence“ zum ersten Mal gehört habe — dieses Gefühl will ich mit unseren Jazzfreunden teilen.“