1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Illingen

Inos im Landkreis Neunkirchen verkaufen Snacks

Situation der Kinos : Das schmeckt nach Kino

Snacks verkaufen und illuminieren, viel mehr ist im Moment nicht drin für die Kinobetreiber im Landkreis.

Es ist ein bisschen wie heimkommen. Aber eben nur ein bisschen. Immerhin: Der Ort stimmt, die Zeit auch, es riecht verführerisch nach frisch gepopptem Mais, den man tütenweise kaufen kann, alternativ auch herzhafte Nachos – hier im Union Theater Illingen. Doch statt weiter in Saal 1 oder 2 zu gehen und sich erwartungsvoll in einen der plüschigen Sessel sinken zu lassen, gebieten es Corona und der Lockdown, diesen gastlichen Ort schnellstmöglich wieder zu verlassen.

Für Cineasten eine Qual. Trotzdem nutzen etliche Illinger diese inzwischen regelmäßigen Verkaufsstunden, um die Betreiber ein winziges bisschen zu unterstützen, um Solidarität zu zeigen und vielleicht auch ein wenig Vorfreude zu genießen. Seit zwölf Wochen sind sie nun schon wieder geschlossen, die Lichtspielhäuser. Und bleiben es wohl vorerst auch. Entsprechend gedämpft ist die Stimmung bei den Kinobetreibern. „Beschissen“, das trifft die Situation, bestätigt Senior Peter Haas. „Wir wissen nicht, wie’s weiter geht.“ Fest angestellt sind im Betrieb acht Personen, plus Geschäftsführung und um die 50 Aushilfen – vor dem Lockdown. „Alle festen Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit.“ Für alle anderen besteht rechtlich kein Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als ein Traditionsunternehmen. Angefangen hat alles vor mehr als 50 Jahren, als Kurt Haas das Lichtspielhaus in Illingen eröffnete. Sohn Peter mit Ehefrau Hanne übernahmen 1977 den Betrieb. Das Union Theater Illingen mit seiner nostalgischen Kasse, den gemalten Stars im Eingangsbereich, der Empore über dem Saal ist seit Jahrzehnten Kult in der Region. Vom Film-Virus befallen ist längst auch die dritte Generation: Sohn Robert und Tochter Claudia Ziegler teilen sich die Geschäftsführung, ihre Schwester Sabine Haas arbeitet aushilfsweise mit. Außer dem Union-Theater Illingen gehören das Capitol Saarlouis, das City-Filmstudio Lebach und das Neue Theater St. Wendel zur Haasschen Movieworld. „Vor Corona haben wir täglich zwölf Säle bespielt.“

Was in naher Zukunft kein leichtes sein wird, schon allein der nicht vorhandenen Blockbuster wegen. „Die Produktionen der Filme ruhen“, Reißer wie der aktuelle James Bond wurden auf Oktober verschoben. Mit als erstes auf die Leinwand kommen wird wohl „Peter Hase“, passend zu Ostern. So weit möglich, wurde die Zwangspause für Instandhaltungsarbeiten genutzt, wie Robert Haas mitteilt: „In Saarlouis verfügen die Säle 2 bis 4 jetzt über eine neue Lüftung, Saal fünf wird komplett renoviert. Für weitere Investitionen haben wir beim Förderprogramm der Filmförderungsanstalt Gelder beantragt.“ Was läuft sonst so? „Aller 14 Tage verkaufen wir samstags Popcorn – nur um zu zeigen: Uns gibt’s noch.“ In Illingen wird das angenommen, an den anderen Standorten – in Lebach, Saarlouis und St. Wendel – jedoch nicht. Jetzt am Wochenende war es wieder soweit, das nächste Mal öffnet das Verkaufsbüdchen im Illinger Kino-Foyer wieder am 20. März jeweils von 16 bis 19 Uhr.

Ansonsten heißt es warten. Und die Erwartungshaltung minimal halten: „Selbst wenn wir wieder aufmachen könnten“ zu den Bedingungen wie vor dem 15. Dezember, würde das nicht wirklich helfen. „Dann spielen wir mit 30 Prozent Kapazität. Das ist auf Dauer nicht durchzuhalten“, betont Peter Haas. Inzwischen fehlt wirtschaftlich ein ganzes Jahr, die wenigen Monate, in denen Kinos unter Hygieneauflagen öffnen durften, haben daran nicht wirklich etwas ändern können.

Einziger Lichtblick sind die staatlichen Hilfen, auch wenn die für November erst im Januar flossen. „Ohne die Zuwendungen wären wir schon weg vom Fenster“, lobt Junior Robert Haas. Finanzielle Unterstützung kann dankenswerterweise auch aus dem Saarland: „Hier wurde auf Initiative der Saarland-Medienanstalt ein neues Förderprogramm gestaltet.“ Aber, klar, „wir würden lieber spielen“, betonen Vater und Sohn. Im Moment zeichnet sich ein Neustart ab, „es wird so was gemunkelt in der Branche, damit rechnen wir schon“.

 Claudia Ziegler versorgt Christian und Sabine Moser mit dem Kino-Snack.
Claudia Ziegler versorgt Christian und Sabine Moser mit dem Kino-Snack. Foto: Anja Kernig
 Michael und Romina Haupenthal lassen sich ihr Popcorn schmecken.
Michael und Romina Haupenthal lassen sich ihr Popcorn schmecken. Foto: Anja Kernig

Andreas Simon, der mit seiner Firma Cinema Group den Cinetower im Wasserturm Neunkirchen und das Eden Cinehouse Homburg betreibt, war zuletzt bei der bundesweiten Aktion „Kino leuchtet. Für Dich“ aktiv. Am letzten Februarsonntag hatten bunt er- und beleuchtete Lichtspielhäuser deutschlandweit demonstriert: „Wir sind startklar und vorbereitet, unseren Zuschauern ein sicheres Kinoerlebnis zu bieten.“ Mit dieser gemeinsamen Aktion, so Simon, „möchten wir Kinos als Kulturort präsent halten“ – einen Ort, „der nach außen begeistert und von innen berührt“.