Illinger pfeift in der 2. Liga

Mit dem Illinger Patrick Alt gibt es seit Langem wieder einen saarländischen Schiedsrichter in der 2. Bundesliga. Die Aufgabe nimmt viel Zeit in Anspruch, auch medial steht er mehr im Fokus. Den entscheidenden Anruf wird Alt dabei nie vergessen.

Erstmals seit 16 Jahren ist der Saarländische Fußball-Verband wieder mit einem Schiedsrichter in der 2. Bundesliga vertreten. Patrick Alt vom SV Illingen hat nach fünf Jahren und 51 Partien in der 3. Liga den Aufstieg geschafft und wird in der neuen Saison als Schiedsrichter in der 2. Liga eingesetzt. Letzter SFV-Unparteiischer in der 2. Liga war Christian Wack aus Gersheim in der Spielzeit 1998/99.

In seinem ersten und bisher einzigen Spiel leitete Alt am 21. August das 0:0 zwischen dem SV Sandhausen und dem 1. FC Heidenheim. Die Roten Karten blieben dabei stecken, Elfmeter gab es ebenfalls keine zu verhängen. Alt verteilte lediglich vier Gelbe Karten. Und dem Illinger war schon vorher klar: "Das erste Spiel wird mit Sicherheit ein besonderes Gefühl hervorrufen."

3. Liga als Sichtungsliga

Der 30-Jährige freut sich riesig auf die neue Aufgabe und sagt: "Es ist schon ein tolles Gefühl, dass das mit dem Aufstieg geklappt hat." Damit rechnen konnte er nicht, versichert der Illinger, aber es sei für ihn so etwas wie die letzte Chance gewesen. Alt erklärt, warum: "Die 3. Liga ist eine Art Sichtungsliga. Und deshalb sind fünf bis sechs Jahre dort schon sehr viel." Lutz-Michael Fröhlich, ehemaliger Bundesliga-Schiri und heute als Abteilungsleiter zuständig für das Schiedsrichterwesen beim Deutschen Fußball-Bund, hatte ihn Anfang Juni angerufen. "Er hat gesagt, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht für mich hat", erinnert sich Alt und erzählt: "Er hat mit der schlechten Nachricht begonnen und mir gesagt, dass ich meine Klasse nicht gehalten habe. Dann hat Fröhlich mir mitgeteilt, dass ich aber nicht abgestiegen bin. Da war mir klar, dass ich den Aufstieg geschafft habe."

Alt gesteht: "Diesen Anruf werde ich meinen Lebtag nicht vergessen." Völliges Neuland ist die 2. Bundesliga für Patrick Alt nicht, da er dort schon seit sieben Jahren als Assistent eingesetzt wird. Dennoch sieht er einen gewaltigen Unterschied und erklärt: "Es ist schon eine Umstellung, wenn man von außen nach innen rutscht."

Auch die mediale Aufmerksamkeit ist in der 2. Liga wesentlich größer als in der 3. Liga. Ein Bundesligaspiel ist für das Gespann nicht mit dem Schlusspfiff beendet. Alt weiß: "Die Nachbereitung eines Spiels ist ganz wichtig und kann oftmals länger dauern, als die Partie selbst." Ohnehin ist der Zeitaufwand in der 2. Liga beträchtlich. Alt erklärt: "Bei Zweitligaspielen ist die Anreise am Vortag Pflicht. Je nachdem, wo man eingesetzt wird, muss man mit anderthalb bis zwei Tagen Abwesenheit von zuhause rechnen."

Zudem erfolgt die Ansetzung zu einem Spiel recht kurzfristig und manchmal innerhalb von 48 Stunden. "Da kann man natürlich für ein Wochenende nicht viel planen", sagt Alt. Umso wichtiger ist ihm, dass Freundin Julia und seine Familie mitziehen, "denn ohne die geht gar nichts". Auch sein Arbeitgeber Villeroy & Boch, wo Alt in der IT-Abteilung beschäftigt ist, bringt Verständnis auf.

Mit Patrick Alt ist auch sein Assistent Timo Klein vom TuS Wiebelskirchen in die 2. Liga aufgestiegen, der in der neuen Spielzeit allerdings zu einem anderen Gespann gehört. Zum Trio des Illingers gehört stattdessen mit Katrin Rafalski eine von drei Schiedsrichterinnen auf der DFB-Liste. Die aus Hessen stammende Rafalski ist 33 Jahre alt, pfeift selbst bis zur Regionalliga und war schon Linienrichterin beim Olympia-Finale 2012 und bei der WM in diesem Juni in Kanada.

Von Labbadia beschimpft

Alt ist auch in der Bundesliga tätig. Als Vierter Offizieller muss er dabei auch mal wütende Trainer beruhigen und mit ihnen diskutieren. Wie am Samstag in Köln. Bei der Partie des 1. FC Köln gegen den Hamburger SV . Beim 1:2 des HSV war der Strafstoß zum Kölner Siegtreffer durch Anthony Modeste und die dazugehörige Rote Karte wegen Notbremse für Hamburgs Emir Spahic umstritten und heiß diskutiert. "Das war eine krasse Fehlentscheidung", meckerte Labbadia und protestierte heftig. Alt bekam die schlechte Laune ab, er wurde ständig von den HSV-Ersatzspielern und Mitgliedern aus Labbadias Trainerstab beschimpft. "Er tat das einzig Richtige: Er schimpfte zurück", notierte anerkennend die "Süddeutsche Zeitung".