Kultur in Illingen : Illinger Kultur nimmt Fahrt auf

Burg Open-Air, Sommerabend-Märkte und ab Herbst etliche Gastspiele in der Illipse

Das klingt nach einem Kraftakt: Am ersten Augustwochenende wird die Burg Kerpen zum Mekka all derer, die Live-Kultur schmerzlich vermisst haben während der letzten Monate. Geplant sind nicht ein oder zwei Konzerte, sondern sage und schreibe fünf Open-Air-Veranstaltungen, davon allein drei am Sonntag.

Zum Auftakt gibt es schon am 31. Juli charismatischen Beat und Rock á la Pete Miller Band. Samstags verbreitet Udos Lindenwerk dreieinhalb Stunden „panisch geprüften Wahnsinn“. Und dann kommt es ganz dicke: Mit Dreierpasch LIVE laden die Gemeinde und die Firmen Prowin und Montum als Mit-Veranstalter des Burg-Open Airs zunächst zum Frühschoppenkonzert im Schatten der Burganlage ein. Hier ist der Eintritt frei wie auch um 15 Uhr, wenn Martin Mathias unter dem Motto „Die Schatzinsel“ Klein und Groß verzaubert. Zum Abschluss bringt Donovan Jason die größten Hits von Elton John auf die Bühne.

„Wir müssen zwei Mal umbauen“, erklärt Kulturamtsleiter Thomas Keller. Mit fünf bis zehn Leuten dürfte das aber relativ zügig zu bewerkstelligen sein. Mehr Sorge bereitet Verwaltungschef Armin König und seinen Mitarbeitern da schon die Disziplin der Besucher. „Wir können uns keine Nachlässigkeiten leisten.“ Deshalb werde man strikt auf die Einhaltung aller Abstandsregeln achten. Knapp 300 Leute passen in die Burg unter „absoluter Einhaltung des Hygieneplans“, erläutert Gabi Steuer, Vize-Kulturamtsleiterin. Beim Programm habe man darauf geachtet, keine Party-Bands zu engagieren: „Mitsingen und -grölen ist derzeit nicht drin.“

Die ersten Tickets sind schon weg. Für sämtliche Veranstaltungen müssen Karten gebucht werden, „damit wir die Nachverfolgung gewährleisten können“. Apropos: „Ohne Ordnungsamt könnten wir das alles nicht machen“, betont König. Gleiches gilt für die Sommerabend-Märkte. Exotische Käsesorten, frisches Brot aus der Umgebung, Antipasti, Kunsthandwerk – all dies und noch vieles mehr finden die Illinger und ihre Gäste noch bis 11. August jeden Dienstag im Burgpark. „Wir haben uns wirklich schwer getan mit der Entscheidung – sollen wir dieses Jahr oder sollen wir lieber nicht“. Es zeichnet sich ab, dass die pro-Entscheidung die richtige war. Per Einlasskontrolle stellt man sicher, dass sich nicht zu viele Personen im Areal aufhalten. Um die 16 Stände beteiligen sich, „beim zweiten Mal kamen über 500 Besucher“ - wobei sich das über die drei Stunden gut verteilt.

Gern bespielen möchte die Gemeindeverwaltung natürlich auch die Illipse endlich wieder. Unter Beachtung der aktuellen Richtwerte können 200 Besucher platziert werden, wobei die Empore da schon mit eingerechnet ist. Die Ouvertüre obliegt Rainer Calmund, der allerdings ist längst ausverkauft, so Keller. Weiter geht’s am 10. September mit Musiker-Familie Adam, genau genommen Marcel, Loup und Alicia. Zwei Wochen später üben sich Die Tollkirschen in ihrem neuen Programm „SCHÖNER wOHNEn“ im Verzicht – auf Luxus, Harmonie und Männer, am 10. Oktober ist das gefeierte Tingvall Trio im Haus. Damit möglichst viele Fans den verspielt-intelligenten Jazz der schwedisch-deutsch-kubanischen Combo erleben können, gibt es gleich zwei Mini-Konzerte um 19 und um 21 Uhr. Nach dem ersten Konzert werden die Besucher zügig hinaus komplementiert, benötigt man doch die 60 Minuten Pause um das Haus komplett zu desinfizieren „Vom WC bis zu jedem einzelnen Stuhl, das hatten wir so auch noch nicht“ , sagt Keller.

Für den Bildervortrag zum Jakobsweg am 27. Oktober rechnet man mit maximal 150 Besuchern, weshalb eine andere Bestuhlung mit Bistrotischen zum Einsatz kommen kann. Dem Beethovenjahr Tribut zollt am 21. November Anny Hwang, dann folgen am 24. November noch eine Jazz Lounge mit dem Pablo Held Trio und am 12. Dezember in schöner Tradition A Cappella ONAIR mit „So this is Christmas“.

Ganz klar, „Unsicherheitsfaktoren bleiben“, will Gabi Steuer das gar nicht schön reden. Aber wer wagt, gewinnt. „Wir sind sehr flexibel.“ Wobei generell „keine Risiken“ eingegangen werden.

Im September üben sich die Tollkirschen im Verzicht - auf Luxus, Harmonie und Männer. In der Illipse. Foto: Tollkirschen/Reiner Albrecht
Das Virklar Tingvall Trio jazzt am 10. Oktober in der Illipse. Foto: Steven Haberland

Ein dickes Dankeschön wollen König, Keller und Steuer noch an ihr „treues Publikum“ loswerden. „Bei den verkauften Tickets hatten wir eine Rückgabequote von nicht mal zehn Prozent“, der Rest nimmt lieber die Ersatztermine im nächsten Jahr wahr. „Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken.“