Hier sind die Hühner mobil

Zusätzlich zum Kartoffel- und Getreideanbau hält der Wustweiler Landwirt Matthias Spreitzer Hühner – im Freiland, mit einem mobilen Stall. Interessierte können sich jederzeit gerne ansehen, wie die Hühner dort leben.

Gemächlich staksen die Hühner durch die Wiese, picken und gackern ein bisschen. Eines hat einen Schmetterling entdeckt und jagt ihm übermütig, mit flatternden Schwingen, hinterher. Erfolglos, aber es ging offenbar sowieso mehr um den Spaß. Als Matthias Spreitzer mit einer Gruppe Menschen näher kommt, flüchten manche Hühner auf eine Anhöhe, andere kommen ihm entgegen. "Das sind die Vorwitzigen, oben die sind eher ängstlich", erklärt Spreitzer, Landwirt und Landschaftsgärtner. Bei ihm dürften die Hühner Hühner sein, Persönlichkeit haben und ausleben.

Bilder leidender Tiere in den Medien haben den 26-Jährigen veranlasst, seine eigene, anders geartete Eierproduktion aufzubauen, zusätzlich zum Kartoffel- und Getreideanbau der Wustweiler Landwirtfamilie: "Ich dachte, das würde gut hierher passen. Nach den ganzen Skandalen können sich die Verbraucher jederzeit selbst ansehen, wie die Hühner leben." Möglich ist dies dank Hühnermobilen, fahrbaren Ställen. Denn nach etwa 14 Tagen haben Hühner eine Fläche zertrampelt. Dann hängt Spreitzer die Ställe an den Traktor und zieht sie zu einer frischen Grünfläche von einem halben bis einem Hektar. Zwei solcher Mobile hat er und an diesem Freitagmorgen stellt er sie der Öffentlichkeit vor.

Die Mobile, jeweils von 245 Lohmann-Braun-Legehennen bewohnt, haben ein Obergeschoss mit Sitzstangen zum Schlafen und ein Erdgeschoss mit Stroh. Morgens gehen per Zeitschaltuhr die Klappen auf, abends wieder zu. Manchmal muss Spreitzer noch die ein oder andere Nachtschwärmerin einfangen. "Vertreter der Bodenhaltung sagen, Hühner hätten kein Bedürfnis, ins Freie zu laufen. Ich erlebe das anders. Sobald die Sonne in den Stall scheint, wollen sie raus."

Alle ethischen Probleme lassen sich auch mit Hühnermobilen nicht lösen. So werden wie in der konventionellen Eier-Produktion auch die männlichen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Auch für Spreitzer ein Problem, denn er hätte gerne Hähne. "Wegen des Habichts." Eine Hühnermobilbesatzung hat vier Hähne, zu der zweiten Besatzung konnte Spreitzer gar keine Hähne dazu erwerben. Die Wustweiler Hennen leben 12 bis 15 Monate, dann werden sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft. Da Spreitzer bemüht ist, aus allem das Beste zu machen, gibt es keine Gentechnik im Futter und nicht die sonst üblichen Farbstoffe zur Dotterfärbung. Ende 2015 will er es erreicht haben, 40 Prozent des Futters selbst zu erzeugen.

Wer die Wustweiler Eier kaufen will, kann dies täglich zwischen 8 und 19 Uhr in der "Eierbox" beim Wohnhaus der Familie (Zum Storckelborn). Hier gibt es auch Eiernudeln, Kartoffeln und andere Waren.