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Haselmaus-Monitoring-Projekt im Illtal findet seinen Abschluss

Kostenpflichtiger Inhalt: Haselmaus Illtal : Der kleine Schläfer bleibt ein Phantom

Das Haselmaus-Monitoring-Projekt im Illtal findet nach sechs Jahren seinen Abschluss. Das Ergebnis lautet, dass bisher kein Nachweis für den Nager im Illtal gefunden wurde.

„Ist das eine Haselmaus?“ Schön wär’s. Doch bei dem kleinen, regelmäßig in ihrem Vogelhäuschen zuhause vorbeischauenden Nager, dessen Foto die Besucherin Helmut Jochum unter die Nase hält, handelt es sich eindeutig um eine Waldmaus. „Die hat keinen buschigen Schwanz“, meint der Landschaftsökologe nach kurzem Blick drauf. Überrascht wirkt er nicht. Ein Haselmaus-Nachweis wäre einer kleinen Sensation gleich gekommen – und irgendwie auch ein bisschen fies. Immerhin versucht Jochem seit sechs Jahren, den possierlichen Bilch-Zwerg hier in Illingen zu überführen. Wofür er in Zusammenarbeit mit dem BUND-Landesverband Saarland und verschiedenen Nabu-Gruppen eigens ein Monitoring-Projekt initiierte und dafür viel Rückhalt und Unterstützung in der Bürgerschaft fand (wir berichteten). Doch die Haselmaus bleibt ein Phantom. „Nur weil wir sie nicht nachweisen können, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt“, übt sich der Vertreter des BUND, Diplomgeograph Steffen Potel, in vorsichtigem Optimismus.

Am Samstagvormittag traf man sich bei Jochum, um den ersten Schwung Nistkästen einzusammeln. 40 Stück hatte man 2013 im Aubereich des Illgrunds an Bäume gehängt, 60 im Ailsbachtal und noch einmal fünf am Krankenhaus. Zwölf „Untersuchungen“ sind seitdem gelaufen. „Jeweils im Herbst und im Frühling wurden sämtliche Kästen überprüft und gesäubert.“ Dabei stießen die Ehrenamtler immer mal wieder auf Mäuse, der größte Fund waren zwölf Gelbhalsmäuse auf einen Schlag – aber nie auf nur eine Haselmaus. Die im Moment, so Potel, ohnehin lieber in ihren Kugelnestern am Boden den Winter verschläft. Die Ruheperiode währt volle sieben Monate, von Oktober bis April, weshalb man die Bilche auch Schläfer nennt.

Dass man jetzt einen Schlussstrich zieht, hat mehrere Ursachen. Zum einen sind sechs Jahre „in Ordnung für eine Langzeitstudie“. Zum anderen gehen dem 64-jährigen Projektleiter langsam die Helfer aus. Vielen ist die Arbeit im Gelände alters- und gesundheitsmäßig nicht mehr zuzumuten. Eine Ausnahme stellt da Richard Salzer da. Der Elektriker und EDV-Fachmann war schon immer an heimischer Flora und Fauna interessiert, doch es fehlte immer an der Zeit. Vor zwei Jahren ließ er sich von Jochums Begeisterung für die Haselmaus anstecken. Auch wenn die wohl verborgen bleibt, lohne sich der Einsatz: „Man lernt immer noch was dazu.“

Bleibt die Frage, wieso man überhaupt hier solch ein Projekt ansiedelte? „Vor zehn Jahren wurde die Haselmaus im Illgrund gesichtet“, dafür gibt es eine zuverlässige, belastbare Quelle, erzählt Jochum. Und da sie in den EU-Mitgliedsstaaten per Richtlinie als streng geschützte Art gilt und als possierlicher Sympathie- und Werbeträger dem Naturschutz in die Hände spielt, wollte er es genau wissen. Zu schaffen machen dem Haselbilch verschiedene Faktoren. Denn er findet immer weniger Nahrung – also Pollen, Früchte, Blüten und Knospen. Das liegt am Stickstoffeintrag, vom Laien an den sich ausbreitenden Brombeer- und Brennnesselbeständen zu erkennen. Doch auch eingewanderte Exoten wie Riesenbärenklau oder Japanischer Knöterich führen zu einem Verlust heimischer Blühpflanzen.Dazu kommt, dass sich die Haselmaus nicht gegen ihre Feinde wehren kann, zu denen Fuchs und Wiesel ebenso gehören wie Greifvögel und Eulen. Gern sucht der kleinste der Schläfer Schutz in gestutzten dornigen Hecken wie Krüppelschlehen. Doch auch die verschwinden so langsam aus der Landschaft. „In der Natur ist so einiges aus dem Gleichgewicht“, bestätigt Potel.

Nach getaner Arbeit informierte Helmut Jochum, dass man in den 40 eingesammelten Kästen zwei Mäuse entdeckt habe – keine Bilche, sondern zwei Exemplare der Allerweltsart Gelbhalsmaus. Die restlichen 65 Kästen folgen in Kürze. Mit der Haselmaus rechnet wohl niemand mehr so richtig.

Bislang wurde kein Nachweis für Haselmäuse im Illtal gefunden. Foto: dpa/A9999 Nabu Björn Schulz

Jochum selbst ist bislang nur ein einziges Mal einem lebenden Exemplar begegnet: „Da war ich zehn oder zwölf Jahre alt.“