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Große Nachtmusik
Jahresausklang mit faszinierender Vielfalt

 Thomas Peter und Christian Both bilden das Duo Thrill of Boy. Die in Illingen längst bestens bekannten Musiker traten bei der 28. Auflage der Großen Nachtmusik in der Illipse auf.
Thomas Peter und Christian Both bilden das Duo Thrill of Boy. Die in Illingen längst bestens bekannten Musiker traten bei der 28. Auflage der Großen Nachtmusik in der Illipse auf. FOTO: Andreas Engel
Illingen. Die Arbeitsgemeinschaft Nachtmusik sorgte in Illingen mit ihrer traditionellen „Großen Nachtmusik“ einmal mehr für einen gelungenen Ausklang des musikalischen Jahres. Von Andreas Engel

„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“, sang einst der Barde Wolf Biermann. Dieser ach so wahre Satz trifft auf die 28. Auflage der Großen Nachtmusik der Arbeitsgemeinschaft Große Nachtmusik und der Gemeinde Illingen in schöner Weise zu. Zwar bleibt der Rahmen immer gleich, der Termin, die animierenden Getränke, die leckeren Würstchen, auch vegetarischer Brotaufstrich war im Programm, und vor allem das ehrenamtlich wirkende Team der AG Nachtmusik. Zudem bildet die Große Nachtmusik den Ausklang des musikalischen Jahres in Ilingen.


Der Inhalt aber wechselt von Jahr zu Jahr, hält immer Überraschungen für das Publikum parat. So auch in diesem Jahr. Es fehlten nämlich früher stets die Veranstaltung tragender Programmteile – die Chormusik und der klassische Teil. „Das muss man sich erst mal trauen“, so ein Besucher, der die Nachtmusik sehr gut kennt. „Nichts gegen klassische Musik und Chorgesang.“

Das Programm 2018 war so ausgesucht gut mit einer Mischung aus Avantgarde, Jazz, Klassik und Pop, dass es an nichts fehlte, noch nicht einmal an der Klassik, und das will was heißen. „Es hat sich halt so ergeben“, meinte Andreas Goldbach, selber Chorleiter und aktives Mitglied in der AG Nachtmusik. Von Hardblues über Jazz mit zwei Saxophonen, deutsche Singer-Songwriter Stücke, Post-Punk-Indie-Punk-Rock , über Chanson und Comedy Burlesque, der Spitzenformation Deep Schrott bis zu dem rockigen Ausflug in die 80er und ihren großen Hits als Abschluss bot die Große Nachtmusik ihren weit mehr als 300 Gästen einen Querschnitt durch die Welt der Musik.



Der Beginn war bluesig mit BadNutz, das ist die Band um den charismatischen Frontmann Jack Martinek, unterstützt durch die Gitarristen Sebastian Klein und Jörg Zeiger, Jörg Schmitt am Schlagzeug und Lothar Schmidt am Bass. Melancholisch, groovig, hart und leidenschaftlich interpretierten sie Songs von John Lee Hooker über Van Morrison, Johny Cash bis hin zu den Doors.

Im großen Saal wurde es dann zunehmend jazzig mit dem „Duo in Klausur“. Die gebürtige Illingerin Katrin Scherer und ihr Partner Sven Decker, die beide in Köln leben, widmen sich der Kunst des Augenblicks. Straff durch getüfftelte Kompositionen in rauem Soundgewand wurden lebendig, frisch und durchaus risikobereit.

In Illingen nicht unbekannt sind Thrill Of Joy durch ihre Auftritte beim Impression musicale und der Reihe „Haste Töne“. Thomas Peter gründete vor acht Jahren Thrill Of Joy, und vor einem Jahr stieß Christian Both dazu und aus Thrill Of Joy entwickelte sich ein Live-Akustik-Duo vom Feinsten. Die beiden spielten deutsche Singer-Songwriter Stücke über die Irrungen und Wirrungen des Lebens.

Zesura sind vier Typen, die seit Ende 2014 zusammen Musik machen. Das Quartett arbeitet sich an den 90er Jahren ab. Sie mögen es, sich ihren eigenen Mix von Indie-Rock, Post-Rock und Punk-Rock auszudenken, und bewiesen es ihrem Illinger Publikum. Coco Clownesse zeigte im Anschluss eine Werkprobe aus Ihrem Programm „La Revolution en Chanson“. Ist es nötig zu revoltieren? Wenn ja, mit welcher Haltung und vor allem: mit welchem Sound? Um sich dieser Frage zu stellen, zieht die Künstlerin Genreklassiker zurate, teils Punkrock teils Chansons. Stefan Jenal, „der coolste Pianist des äußersten Südwestens“, begleitete sie.

Und dann „Deep Schrott“. Was soll man sagen, wenn sich Ausnahmesaxophonisten wie Wollie Kaiser, Andreas Kaling, Conn Bruno, Jan Klare und Dirk Raulf zusammentun. Andreas Goldbach formulierte es so: „Das stehen gefühlte 250 Jahre Saxophon-Koyphäen auf der Bühne.“ Kalle Seeliger von der AG Nachmusik beschrieb Deep Schrott als das „erste und einzige Bass-Saxophon-Quartett der Welt, der Geschichte, nein: des Universums.“

Zum Abschluss des Abends – im Foyer der Illipse – reanimierte die Illinger Band „That 80s Show“ die vielfach verklärten 80 Jahre mit den unmöglichen Frisuren und bunten Leggins. Die Musik aus der Zeit war eindeutig besser, die „Thats 80s Show“ bewiesen es.

Das Publikum war begeistert, „mal wieder“, meinte Anette Klein. „Von mir aus könnte Silvester ausfallen, die Große Nachtmusik reicht mir zum Jahresabschluss“. Norbert und Elisabeth Zewe gehören, wie so viele, zu den Stammgästen seit sehr vielen Jahren. In diesem Jahr sind sie hauptsächlich wegen Deep Schrott gekommen. „Ich bin aber allen interessanten Musikgenres zugeneigt“, stellte Zewe klar. Der Reinerlös der Veranstaltung wird auch jetzt wieder einer gemeinnützigen Institution gespendet.