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Gemeindehaus testet seinen Marktwert

Gemeindehaus testet seinen Marktwert

Im ehemaligen Gasthaus „Alte Schule“ in Uchtelfangen startet die Kirchengemeinde ein Gemeinwesen-Projekt: „Lebensraum“ gestalten, auch als Antwort auf den demografischen Wandel. Mitmacher sind da, Geld ist abrufbereit.

Es ist die Zeit wichtiger Entscheidungen in der evangelischen Kirchengemeinde Uchtelfangen : Zum 1. September beginnt die Nutzung der früheren Gaststätte "Alte Schule" in Uchtelfangen . In dieser Woche hat die Kirchengemeinde den Vertrag mit Hauseigentümer Karim Six perfekt gemacht. Die Mietdauer beträgt fünf Jahre. Am 15. September steht dann in der Sitzung des Presbyteriums ein möglicher Verkauf des Gemeindehauses Hosterhof auf der Tagesordnung. Die Veräußerungsanzeige ist seit Juli geschaltet. Am Samstag, 16. August, läuft die Angebots-Frist ab.

Im Gemeindehaus (eingeweiht 1963) haben die Höfer am Ostermontag 2010 den letzten Gottesdienst gefeiert. Und jetzt wird sich die Kirche ganz von der Immobilie trennen: "Es ist eine perspektivische Entscheidung", nennt es Pfarrer Reinhold Wawra beim Ortstermin mit unserer Zeitung. Den Gemeinden seien so genannte Substanzerhaltungsrücklagen auferlegt: "Fürs Gemeindehaus Hosterhof allein sind das um die 8000 Euro im Jahr." Unterhaltungskosten drücken immer mehr.

Derzeit sind im Gemeindehaus die Tafel (seit 2011) und das Demenz-Café (seit 2012) unterbracht. Für beides müsste es Nachfolgeregelungen bei einem Verkauf geben. Doch ein Verkauf ist nicht die einzige Option: "Es gab Vorgespräche mit etlichen Interessenten", berichtet Wawra. Das Spektrum reiche von Umnutzung über Abriss und Neubau bis Wohnung oder Gewerbe. Das zweigeschossige Gebäude mit großem Saal, Nebenräumen, Einliegerwohnung und Parkplätzen steht auf 3000 Quadratmeter Grünland. "Es hat sich gezeigt, dass diese Immobilie Anziehungskraft hat und verschiedene Möglichkeiten bietet", sagt Wawra. "Wir prüfen genau, was an Angeboten vorliegt." Vermietung statt Verkauf müsse sich rechnen.

Das Projekt "Alte Schule" nennt Wawra "Gemeinwesen orientiert". Hier soll ein "Lebensraum" entstehen: Raum für Kultur, eine Bücherecke vielleicht, Raum für kleine Feiern, Raum um miteinander Kaffee zu trinken. "Wir haben einen Kreis von Mitmachern mit Ideen", sieht Wawra das Projekt startbereit, Geld sei abrufbar.

In diesem Monat, so der Pfarrer beim Besuch mit der SZ vor Ort weiter, räumt die Brauerei ab und aus. Dann richten sie die ehemalige Gaststätte neu ein. Die Fassade bekommt zudem einen Anstrich, der auf den hellen Farbton der nahen Kirche abgestimmt ist.

Im aktuellen Gemeindebrief beschreibt Reinhold Wawra den Grundgedanken so: Kirchengemeinde als Teil eines sozialen Quartiers wolle dazu beitragen, Lebensräume zu schaffen, wo Menschen einfach nur da sein können und wo man sich gegenseitig organisiert und hilft. Und das mit Blick auf die Demografie und den damit verbundenen Auswirkungen auf Kirchengemeinde und Ort: der ständigen Zunahme von immer mehr und immer älteren Gemeindemitgliedern, den rasanten Anstieg dementiell erkrankter Menschen und der Generation 50+, die "nicht betreut werden will", sondern mitzugestalten bereit ist. Die Räume in der "Alte Schule" sollen solch ein "Lebensraum" werden.

Das frühere Uchtelfanger Gasthaus „Alte Schule“ wird ab September von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer evangelische Kirchengemeinde Uchtelfangen gehören rund 2500 Menschen an (Stand 1. August 2014). Von Uchtelfangen aus werden acht Dörfer in zwei Kommunen betreut: In Eppelborn die Ortsteile Habach, Hierscheid, Humes und Wiesbach. In Illingen die Ortsteile Hüttigweiler, Illingen, Uchtelfangen und Wustweiler-Hosterhof. Die Pfarrstelle besetzt Reinhold Wawra. cle