| 00:00 Uhr

Gedichtlesung und Plauderstündchen in einem

Auf Einladung von Peter Kleiß (2.v.r.) war Bernhard Stigulinszky (r.) zur Lesung nach Uchtelfangen gekommen. Foto: Anika Meyer
Auf Einladung von Peter Kleiß (2.v.r.) war Bernhard Stigulinszky (r.) zur Lesung nach Uchtelfangen gekommen. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Uchtelfangen. Peter Kleiß und Reinhold Wawra haben die Lese-Reihe „Haste Töne“ ins Leben gerufen. Prominenter erster Gast war der frühere Rundfunkmoderator Bernhard Stigulinszky. Von „Stigus Funkgedichten“ gibt es auch eine CD. Anika Meyer

. Die Saarländer hören gerne Gedichte , das konnte Bernhard Stigulinszky schnell feststellen, als er seine "Bunten Funkminuten" mit Lesungen bereicherte. "Aber nicht alles ist geeignet fürs Radio", erklärte der jüngst pensionierte SR-3-Moderator am Freitagabend in der Alten Schule in Uchtelfangen . "Man muss schon gut überlegen." Wirtinnen-Gedichte gingen gar nicht - unanständig in den allermeisten Fällen. Ebenso der Limerick oder Bonifatius-Kiesewetter-Sprüche, die erfunden worden seien, um das Bürgertum zu schockieren. Dass sie dazu sicher in der Lage waren, demonstrierte Stigulinszky sogleich mit einer vergleichsweise "harmlosen" Kiesewetter-Geschichte über eine Notdurft. Sie war an einem Plätzchen verrichtet worden, wo sie nicht hingehört - nur so viel.

Dass man an diesem Abend mit rund 50 Zuhörern in der Alten Schule so gesellig beisammen saß und sich in lockerer Atmosphäre amüsierte, das war vor allem Peter Kleiß und Reinhold Wawra zu verdanken. Sie haben die Lese-Reihe "Haste Töne" ins Leben gerufen, die mit dieser Veranstaltung an den Start ging. Kleiß war als Jazz-Redakteur beim Saarländischen Rundfunk (SR) Kollege Stigulinszkys und befindet sich jetzt ebenfalls auf der Zielgeraden zur Rente. Er will Kultur machen, Kommunikation fördern. "Mit Bernhard Stigulinszky ist heute der Kollege hier, den ich am meisten schätze und der ganz besonders kommunikativ ist." Kommunikativ nicht im Sinne von leerem Geplapper, stellte er klar, sondern von Austausch mit Niveau. Kleiß übernahm auch die Moderation und plauderte mit dem Gast über dessen Erfahrungen beim Radio, sein Kochbuch "Kappes, Klöße, Kokosmilch" und über die Promis, die er durch seine Arbeit kennen gelernt hat: Udo Jürgens , Mary Roos, Stephan Sulke und andere.

Pfarrer Reinhold Wawra freute sich über die Kultur in der jüngst von der evangelischen Kirchengemeinde ehrenamtlich renovierten Alten Schule. "Wir wollen die Räumlichkeiten für Möglichkeiten des Zusammenkommens und des Austauschs zur Verfügung stellen."

Stigulinszky hat seine Jugendliebe zu Gedichten einst beim Sprechunterricht wieder entdeckt, wie er berichtete. Ein gewisses "Geschnuddel", hätte sich über die Jahre eingeschlichen, das er wieder hätte loswerden wollen. Beim Training habe er sich an Rilke, Fontane, Theodor Storm , Wilhelm Busch , Kurt Tucholsky , Joachim Ringelnatz und die anderen erinnert, von denen es an diesem Abend mal derbe, mal feinsinnige, meist humorvolle, aber auch mal nachdenkliche Verse zu hören gab.

Von allem etwas hatte die Klage über den Kalten Krieg der Ehe: "Sagt er ja, so sag ich nein, sauft er Bier, so trink ich Wein, will er dies, so will ich das, singt er den Alt, sing ich den Bass." Und weiter: "Will er hü, so will ich hott, das ist ein Leben, erbarm es Gott!" Eine Auswahl von "Stigus Funkgedichten" gibt es auf der gleichnamigen CD zu hören.