Frau Holle im 21. Jahrhundert

Illingen · Die Geschichte um die Goldmarie und die Pechmarie ist ein Klassiker, den wohl jedes Kind kennt. Der Theaterverein Illingen hat sich für eine Bearbeitung von Karl-Herbert Schäfer entschieden.

 Die Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Illingen bei der probe für ihr neues Theaterstück: Die Pechmarie (Sarah Hahn, 2. von rechts) soll die Äpfel von den Bäumen pflücken – und hat null Bock. Foto: Anika Meyer

Die Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Illingen bei der probe für ihr neues Theaterstück: Die Pechmarie (Sarah Hahn, 2. von rechts) soll die Äpfel von den Bäumen pflücken – und hat null Bock. Foto: Anika Meyer

Foto: Anika Meyer

Die Nullbock-Generation ist offenbar keine Erfindung der Moderne: Die Pechmarie alias Sarah Hahn motzte und nörgelte nach Kräften bei dieser Probe der Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Illingen und verteilte genervte Blicke. Sie hatte null Bock, zu fegen, zu kochen, zu spülen oder die Betten auszuschütteln. Und erst recht null Bock, die ganzen Äpfel von den Bäumen zu pflücken. "Dafür bin ich ja wohl nicht hier!"

Und die Pechmarie, mitsamt des gesamten Märchens "Frau Holle ", an dem man an diesem Montagabend in der Grundschule Lehn feilte, ist schließlich schon jahrhundertealt.

Der Theaterverein bringt den Klassiker jedoch mit dem Zusatz "oder tiefe Brunnen sind tief" in einer modernisierten Version von Karl-Herbert Schäfer auf die Bühne. "Schäfer ist Saarländer und hat das Stück für das Homburger Amateurtheater geschrieben", erklärte Susanne Schmidt-Jakobs, die zusammen mit Caroline Zetzsche Regie führt. So gibt es ein paar neue Figuren kennenzulernen, wie etwa die Lehrerin Frau Schnorchenstapel, in deren Klassenzimmer der ganze Märchenzauber beginnt oder auch die rappende Hähne-Gang: "Ich picke, ich krähe, bin machomäßig drauf, die Hühner, die was wollen, laufen bei uns auf."

Eine Erwachsene, Steffi Spaniol als Frau Holle , unterstützt die Gruppe, ansonsten werden alle Rollen von den insgesamt 23 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 19 Jahren übernommen - selbst die von Apfelbäumen, Croissants oder einem Regenschirm-Fahrstuhl. Zetzsche und Schmidt-Jacobs haben es nicht leicht, den energiegeladenen Haufen zu bändigen. Noch gehe es etwas chaotisch zu und säßen die Texte nicht so ganz, sagten sie, aber man habe super viel Spaß.

Spaß hat vor allem die Goldmarie (Lea Knödgen) und das gerade an den Tätigkeiten, die die Pechmarie verweigert hat. "Womit soll ich anfangen?", fragt sie voller Enthusiasmus, als Frau Holle ihr aufzählt, was alles getan werden muss. Man merkt, es waren fantasievolle Eltern, die mit Märchen ihre Nullbock-Generationen erziehen wollten. So bekommt dann natürlich auch am Ende die Goldmarie den Lohn für ihren Fleiß, die Pechmarie die Quittung für ihre Faulheit.

Die 15-jährige Sarah Hahn hat als Pechmarie großen Spaß: "Ich bin in Wirklichkeit keine, die so aufmüpfig ist. Also nicht immer. Deshalb gefällt es mir sehr, mal in diese Rolle zu schlüpfen." Und allen gefällt die Botschaft des Zweiakters, denn hinter dem Bemühen der Goldmarie steckt nicht nur Fleiß, sondern noch viele weitere Werte: Mut, Freundschaft und Treue. Aufführungen: Samstag, 12. Dezember, 17 Uhr und Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr in der Illipse in Illingen . Karten gibt es ab Freitag, 20. November, bei Augenoptik Kessler in der Hauptstraße.

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