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Football
Die einzigartigen „White Terrier“

Illingen. Flag-Football ist nur wenigen Menschen hier im Saarland ein Begriff. Für eine Mannschaft in Illingen ist die Abart des American Football eine Leidenschaft. Von Andreas Lang

Noch keine Sekunde hat der Spielmacher das Spielgerät in der Hand. Und schon muss er blitzschnell entscheiden. Wirft er das an beiden Enden spitz zulaufende Leder-Ei zu einem Mitspieler, der den Football fangen kann? Oder drückt er das Ei dem hinter ihm postierten Sportskameraden in die Hand, damit der ihn möglichst weit über das Spielfeld trägt? Fragen, die sich stellen, wenn die „White Terriers“ auf dem Illinger Sportplatz an der Lehnstraße trainieren. Unweigerlich denkt da so mancher an American Football – den Sport, den die Männer und Frauen der „White Terriers“ lieben. Doch das Krachen und Scheppern, mit dem jetzt bei der US-amerikanischen Volkssportart gepanzerte Körper aufeinander prallen, um den Angriff aufzuhalten, bleibt aus. Denn in Illingen spielen Football-Begeisterte aus dem ganzen Saarland eine Abart, bei der es nicht so brachial zu geht.


Aus Merzig sind Akteuere dabei, vor allem aus dem Regionalverband Saarbrücken. Sollte beim Orginal der Angreifer tatsächlich zu Fall gebracht werden, gilt es bei dieser Variante lediglich, ihm eines der beiden Bändchen zu mopsen, die der Gegner an einem Gürtel mit sich trägt. Auch Flaggen genannt, weswegen sich der Sport Flag-Football nennt. „Ansonsten funktioniert hier alles so ziemlich wie beim American Football“, erklärt André Becker, der Trainer der Hobbymannschaft ist.

Interceptions, also das Abfangen eines Balles samt Gegenangriff. Touchdowns – den Ball in die Endzone getragen, was sechs Punkte einbringt. Laufspiel, Passspiel und ziemlich viele Finten. Das typische Football-Tor fehlt – den oder die Extrapunkte müssen sich die Flag-Footballer über einen weiteren Spielzug einfahren. Auch genügt beim Flag-Football ein halbes Footballspielfeld, und so ist die Sportart auch in der Halle spielbar. Vor Jahren haben sich die ersten „White Terriers“ bei Heusweiler zusammengetan und waren lange Zeit die einzige Flag-Football-Mannschaft im Saarland. Hin und wieder formieren sich andere Teams, wie derzeit die Saarlouis-Saints. Oft handelt es sich dabei aber um Mannschaften, die sich irgendwann dem Tackle-Football, also dem Original zuwenden. Und so müssen die Terrier allerhand Reisen auf sich nehmen, um auf Gegner zu treffen. Becker: „Deswegen spielen wir dann auch Turniere.“ Der Hauptgrund der Flag-Footballer, bei der weniger körperbetonten Variante zu bleiben, liegt in der Verletzungsgefahr: „Schließlich müssen wir ja montags wieder arbeiten gehen.“ Dem US-Sport selbst huldigen die Terriers selbstverständlich auch. Spielt die US-amerikanische Nationial Football Leager (NFL) einmal in Europa, führt die Reise einiger Terriers dorthin. Und je mehr sich die US-Saison ihrem Höhepunkt, dem Superbowl, nähert, versammeln sie sich des nächtens vor einem Fernseher, um die spannenden Spiele zu verfolgen.