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Anka Zink in der Illipse: Eine Frau macht mobil

Anka Zink in der Illipse : Eine Frau macht mobil

Für ein „Leben in vollen Zügen“ statt auf der Datenautobahn plädierte Kabarettistin Anka Zink in der Illipse.

„Man muss am Anfang erst mal loben“, startete Anka Zink warmherzig-mütterlich in den Abend. „Schön, dass sie hier sind und nicht woanders.“ Sofort fühlten sich die in Zweiergrüppchen lose in den unendlichen Weiten des großen Saals der Illipse verteilten Zuhörer prima. Dabei ist Zink gar keine liebe Kindergarten „Tante“, sondern diplomierte Soziologin. Schadet nichts, im Gegenteil: So hat die gebürtige Bonnerin das nötige pädagogische, philosophische und psychologische Handgepäck immer dabei, wenn sie – und das seit mehr als 30 Jahren höchst erfolgreich – diverse Kabarettbühnen und Fernsehkanäle dieses Landes bespielt.

Ihr aktuelles Programm widmet Zink der Mobilität. Ein ergiebiges Thema und so schön paradox: „Deutschland steht angeblich am Abgrund, aber kaum gibt es einen Brückentag, sind alle fort.“ Am mobilsten ist man natürlich im World Wide Web – und an dieser Stelle schaltete die Komikerin unvermittelt in den Konfrontations-Gang: „Was war das früher – und was ist das heute“, fragt sie in die Runde, die linke Hand verkrampft vor sich her tragend. Noch zögerten die Einheimischen und zierten sich, auf das Mitmach-Angebot zu reagieren. „Hallo, aufwachen“, kam Zink da natürlich in Fahrt. „Sie sind jetzt dran“, forderte sie das Publikum deutlich auf, sich am Programm zu beteiligen. Des Rätsels Lösung: Vormals eine völlig normale menschliche Gliedmaße, dient die Linke heute vorrangig als Handyhalterung. Wobei die rechte Hand ja auch nur noch wischen und reiben darf.

Richtig schön wird es allerdings, wenn die Kabarettistin ihre Reiseerlebnisse in Ein-Personen-Sketchen vorspielt. „In 37 Schritten zum Fahrschein“ etwa schilderte sie, wie das maulfaule garstige Weiblein am Schalter des Servicecenter der Deutschen Bahn zu einem goldenen Drachen der Weisheit mutiert, wenn man ihm nur ein kleines „Wartemärkchen“ präsentiert. Denn generell stört er eigentlich nur die Transportprozesse, der Reisende. Auch im Flughafen. Dort verausgabt man sich zunächst im kilometerlangen „Fletschgummi-Labyrinth“ („Alles für die Sicherheit. Terroristen sind nur auf 200 Meter trainiert, dann geht ihnen die Puste aus.“). Um dann am „Fummel-Check“ an der hohen Kunst des möglichst schnell und ohne größere Peinlichkeiten durch den Zoll-Kommens zu scheitern. Toppen kann das nur noch die Mücken-Vernichtungs-Performance im Hotelzimmer in „All-Inclusive“.

Zwischendrin schweift Anka Zink chronisch ab. Sie demaskiert die „größte Lüge unsere Tage“, die da heißt: „Ja, ich habe die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen.“. Sie kreiert mal eben eine neue Gewichtseinheit „Top-Model“ alternativ zu Kilogramm. Und sie kennt den alles entscheidenden Unterschied zwischen den Geschlechtern: „Männer suchen immer was für öfter und Frauen suchen öfter was für immer.“ Den finalen Kulturschock beschert die kleine fidele Person ihren dankbar applaudierenden Gästen mit der Schilderung einer exotischen Reise, zu der sie ihr Neffe in den Regenwald entführte. Dort darf man sich nicht waschen und tanzt morgens als erstes die Bakterien aus dem Kaffeewasser tot. Dass man schließlich hochvergnügt den Nachhauseweg antrat, lag nicht zuletzt an Anka Zinks Zugabe: Mascha, die von Telefonsex auf Navi-Stimme umgeschult hat. „Oohh, iiest das aufregend.“