Ein neues Gesicht für Illingen

Jetzt kann Jörg Michael Fries mit der Investoren-Gesellschaft Brauturm Galerie GmbH & Co.KG (BTG) auf der Höll-Brache richtig loslegen: Der Illinger Gemeinderat segnete den entsprechenden städtebaulichen Vertrag einstimmig ab und sorgte für die planungsrechtlichen Voraussetzungen (die SZ berichtete bereits kurz).

. Völlig unspektakulär verlief die jüngste Sitzung des Illinger Gemeinderates, in der es um nicht weniger als die Weichenstellung für die Zukunft des Kernortes ging (siehe Info). Nur wenige Bürger, vor allem Geschäftsleute aus der Hauptstraße, verfolgten die kurze Debatte.

Die Sitzung wurde vom Ersten Beigeordneten Christian Petry (SPD ) in Vertretung des urlaubenden Bürgermeisters Dr. Armin König (CDU ) geleitet. Petry betonte, wie wichtig der aktuelle Beschluss (die Schaffung von Baurecht) für die Gemeinde ist. Mehr als 30 Millionen Euro sollen in die Neugestaltung der Ortsmitte fließen. Der Löwenanteil kommt von den privaten Investoren; die Gemeinde wird für die begleitenden Maßnahmen (Gestaltung von Zufahrten und öffentlichen Flächen, Kanälen, Treppen etc.) mit circa neun Millionen Euro in die Pflicht genommen. Wobei letztlich nur rund 700 000 Euro direkt aus der Gemeindekasse aufgebracht werden müssten. Der Löwenanteil werde, so Petry, aus Förder-Töpfen von Europäischer Union, Bund und Land fließen. Die Finanzierung ist gestreckt bis in Jahr 2019.

"Wir können jetzt ganz schnell mit dem Abriss weitermachen und mit dem Bau beginnen", sagte Haupt-Investor Jörg Michael Fries (er führt die Unternehmen Bahnlog und Spedition Jonen) der SZ im Anschluss an die Sitzung.

Bald wird der alte Eingangs-Bau fallen. Für die Wohnungen, die nach den Wünschen der Käufer zugeschnitten werden (für die Detail-Verhandlungen hat die BTG Spezialisten aus Kaiserslautern ins Boot genommen), gebe es bereits viele Interessenten. Vor allem Illinger Bürger, die im neuen Zentrum wohnen wollten.

Die Fertigstellung des Komplexes wird sich danach richten, welche "Überraschungen" das problematische Baufeld noch zu bieten hat. Ende 2016 wurde bei der ersten Präsentation der Pläne im November vergangenen Jahres genannt.

Im Gemeinderat waren sich die Fraktionen einmal mehr einig, dass nach einigen Fehlversuchen nun mit der BTG der richtige Investor gefunden sei. Für die Fraktionsgemeinschaft aus SPD , Linken und Grünen dankte Guido Jost den übrigen Illinger Ortsteilen, die jetzt solidarisch hinter dem Großprojekt stünden und eigene Wünsche dem unterordneten. Als ASB-Landesvorsitzender stellte er darüber hinaus auch klar, dass der ASB weiter an seinen Plänen für das Höll-Gelände festhalte (siehe Info), aber erst in einer zweiten Bau-Phase loslegen wolle.

Stefan Maas bezeichnete das BTG-Vorhaben als Jahrhundert-Projekt für Illingen . Auch die CDU baut damit auf die Zukunftsfähigkeit dieser Pläne.

Horst Bremerich, unternehmerisches Illinger Urgestein, machte sich unterdessen seine ganz persönlichen Gedanken über das Jahr der Fertigstellung: "2019 werde ich 90. Ich hoffe, dass ich die neue Illinger Mitte noch erleben werde."

Zum Thema:

Auf einen BlickZentrum der Planungen des von der BTG beauftragten Architekten Michael Frielinghaus vom Friedberger Büro BLFP Frielinghaus Architekten ist der markante ehemalige Brauturm. Um ihn herum gruppiert sich, recht kleinteilig strukturiert, der neue Baukörper parallel zur Braugasse. Mit dem Vollsortimenter Rewe soll die Nahversorgung in der Illinger Ortsmitte abgedeckt werden, Praxis-, Büro- und Gewerberäume, Gastronomie, eine Parkgarage, eine Art Markthalle und 30 bis 35 hochwertige Lofts und Penthouse-Wohnungen ergänzen den Komplex. In den bereits bestehenden "Katakomben" will Fries Produkte seiner Käserei Hirztaler lagern. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wird sein Projekt auf dem Areal mit Senioren-, Pflege und Behinderten-Wohnungen erst beginnen, wenn sich die BTG-Bauphase dem Ende nähert. So soll Baustellen- und Verkehrschaos in der Illinger City verhindert werden. sl