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Ein kleiner Kunststoff-Ball schlägt große Wellen

Ein kleiner Kunststoff-Ball schlägt große Wellen

Wustweiler. An einem warmen Sonntagmorgen im Frühling des Jahres 1958 spazierten Friedel Heinrich, Wilfried Geib, sein Onkel Edmund Meiser und ich durch den Hosterwald. Bei der Suche nach Möglichkeiten der Zerstreuung schlug ich Tischtennis vor, was allgemeine Zustimmung fand. Allerdings hatte niemand von uns bisher Tischtennis gespielt. Regeln kannte keiner

Wustweiler. An einem warmen Sonntagmorgen im Frühling des Jahres 1958 spazierten Friedel Heinrich, Wilfried Geib, sein Onkel Edmund Meiser und ich durch den Hosterwald. Bei der Suche nach Möglichkeiten der Zerstreuung schlug ich Tischtennis vor, was allgemeine Zustimmung fand. Allerdings hatte niemand von uns bisher Tischtennis gespielt. Regeln kannte keiner. Wir wussten nur, dass man mit Schlägern einen kleinen Kunststoffball auf einer Platte mit Netz hin und her spielte. Ich ging zunächst in eine Buchhandlung und kaufte ein Büchlein über den Tischtennissport. Neben den Spielregeln waren dort auch die Maße einer Tischtennisplatte zu finden. Dass man solche Platten auch fix und fertig in Sportgeschäften kaufen konnte, wusste keiner. So begab ich mich denn zu einem unserer Schreiner im Ort, zum Jenes Henner. Für 7200 alte Franken erbot er sich, eine Platte nach Maß anzufertigen. Eine Rücksprache mit meinen Kameraden ergab, dass sich alle beteiligen würden. Wenn wir zu sechst wären - das war Mannschaftsstärke - hätte also jeder 1200 Franken beizusteuern. Mit Gernot Reuter und Robert Weis waren bald zwei Interessenten gefunden, und die Platte wurde in Auftrag gegeben. Aus heutiger Sicht und auch aus der Sicht der damaligen Gegner, die Standardplatten gewohnt waren, war unsere Platte eine Originalität, die immer wieder bestaunt wurde. Neben einer Platte brauchten wir aber auch einen Raum. Ich wandte mich an den damaligen Bürgermeister, Josef Maas, genannt "Hiwwel Sepp". Ihm und seinem Rat haben wir viel Hilfe und Wohlwollen zu verdanken. So stellte er uns kostenlos in der "Hewer-School" einen Schulsaal zur Verfügung. Bis wir in die Turnhalle umziehen konnten, spielten wir im Gasthaus Bäcker, beim "Busch Rees", ein halbes Jahr im Gasthaus Pason und dann jahrelang im Kindergarten. Zunächst entstand also ein interner Club von sechs Mitgliedern. An jedem Übungsabend kamen weitere Interessierte, die auch mal spielen wollten. Also mussten sechs weitere Willige 1200 Franken bezahlen, und eine weitere Platte wurde bestellt. Doch der Andrang wuchs ständig, und so wurde 1960 offiziell ein Verein gegründet mit gleich über 30 Mitgliedern, dessen Vorsitz ich übernehmen durfte. Ich habe den Verein dann bis 1967 geführt, bis Dietmar Spaniol meine Nachfolge antrat. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass es schon in den Jahren 1947/48 Ansätze gab, in Wustweiler Tischtennis zu spielen. Das Saarland stand damals unter französischer Besatzung. Jegliche Vereinstätigkeit war zwecks leichterer Überwachung durch die Obrigkeit nur unter dem Dach eines einzigen Ortsvereins möglich, dem so genannten Omnisportverein. In Wustweiler war das der SV Germania Wustweiler. Unter seinem Dach spielte man als Sparte zuerst beim "Bäcker" später beim "Croon" und auch in dem Gebäude des Anwesens Klein in der Bahnhofstraße. Nach drei, vier Jahren war aber alles wieder zu Ende. Heute leitet Franz Josef Schuhmacher den Verein, der seit vielen Jahren eine Spielgemeinschaft mit dem Uchtelfanger Tischtennisverein gebildet hat. Die erste Mannschaft spielt in der Saarlandliga, der höchsten saarländischen Spielklasse.