| 20:06 Uhr

Mundarttheater
Wenn der Schweinebauer auf Kreuzfahrt geht

 Beste Unterhaltung gab’s von den Akteuren der Mundartbühne wegen zahlreicher Verwicklungen bei der Aufführung des Klassikers „Kreuzfahrt im Schweinestall.“
Beste Unterhaltung gab’s von den Akteuren der Mundartbühne wegen zahlreicher Verwicklungen bei der Aufführung des Klassikers „Kreuzfahrt im Schweinestall.“ FOTO: Maria Boewen-Dörr
Illingen. Die Mundartbühne Illingen bekam tosenden Applaus für ihre Aufführung mit viel Lokalkolorit. Von Maria Boewen-Dörr

Kreuzfahrt im Schweinestall – was könnte das wohl sein? Keiner der Zuschauer der Mundartbühne konnte sich das so richtig vorstellen, bis die Akteure so peu à peu in die Thematik einführten und das mit einer Starbesetzung.


In dem Dreiakter geht es darum, dass Anna, die Tochter vom Schweinebauer Jupp Speckmann, beim Feuerwehrfest eine Kreuzfahrt gewinnt, die der Ortsrat spendierte. Weil ihr Vater etwas gegen die Beziehung mit Jan hat, der auf dem väterlichen Hof eine Lehre absolviert, beschließen die Liebenden die Kreuzfahrt dem Bauern unterzujubeln. Der Trick gelingt, weil der Schweinebauer sich beim Feuerwehrfest so die Kanne gibt, dass er sich an nichts mehr erinnern kann. Die anfängliche Freude über den Hauptgewinn wird aber schnell getrübt, weil der Bauer Angst vor Wasser hat. Da kommt ihm sein Freund Walter „grad“ gelegen. Er schenkt ihm die Kreuzfahrt und will sich für die Zeit der Reise im Schweinestall verstecken. Lange hält es Jupp dort nicht aus, außerdem vermuten seine Frau Gerda, Jan und seine Tochter im Schweinestall einen Einbrecher. Da taucht der Bauer mit Frauenkleidern und Frauenperücke als Judith auf und gibt sich als die Schwester des Schweinebauern aus. Als der Dorfpolizist Bernd Becker, der hinter jedem Rock her ist und eigentlich nur noch Augen für Judith hat, die traurige Nachricht überbringt, dass das Kreuzfahrtschiff gesunken ist, wird’s richtig turbulent auf der Illipse-Bühne. Der ehrwürdige Beamte kann keine klaren Gedanken mehr fassen, der gestrandete Kreuzfahrer Walter taucht wieder auf und Lehrling Jan entdeckt den Betrug.

Das jedenfalls war einer der Höhepunkte der Komödie. Ein anderer Höhepunkt war die vorwitzige Lisa Hoppe, die auf ihrem Fahrrad mit 50 durch die 30iger-Zone donnerte, um die Neuigkeiten brandaktuell zu erfahren und natürlich unter die Leute zu bringen. Wegen ihrer zahlreichen Bußgeldbescheide legte sie sich sogar mit dem Dorfpolizisten an und stellte eines klar: „Alle Rechnungen kommen bei mir in eine Lostrommel. Und wenn die Bußgeldbescheide beim Ziehen nicht dabei sind, haben sie eben Pech gehabt, Herr Wachtmeister.“



Immer auf der Suche nach ihrem Mann war Marie Maier. Sie konnte ihn natürlich nicht finden, weil er sich anstatt des Schweinebauern auf Kreuzfahrt begab. Karin Hansen vom Ortsrat interessierte sich brennend für alles, was auf dem Kreuzfahrtschiff „Costa del Drama“ passierte. Gerda Speckmann, die sich anfänglich freute, sich mal eine Woche von ihrem Jupp zu erholen, war natürlich sehr geschockt, als es hieß, er sei vermisst und hätte das Kreuzfahrtunglück nicht überlebt.

Das Stück war gespickt mit humorvollen, witzigen Beiträgen, mit Ortsgeschehen und einer Definition von Politikern, die den Vergleich mit den Darstellern der Mundartbühne eigentlich nicht aufnehmen können: „Beide sind Schauspieler, nur mir krien keine Gage“, witzelte Lisa Hoppe. Tosenden Applaus bekamen die Akteure zwischen den Zeilen und natürlich am Ende der Vorstellung für eine wirklich gelungene Aufführung, bei der Margret Detemple Regie führte. In der Rollenbesetzung hat sie ein glückliches Händchen bewiesen, denn alle Beteiligten wussten ihrer Figur eine eigene Note zu geben. Jeder spielte authentisch und der Schweinebauer wechselte sogar von Männlein in Weiblein und begeisterte. Die Bühnenkulisse, hergestellt von Michael Schröder und seinem Team, zeigte das Außengelände des Bauernhofes mit Zugang zum Stall und zum Haus. Auch das war stimmig und passte zur Komödie.