Die Mundartbühne des Theatervereins Illingen probt final für ihre neue Komödie „Kreuzfahrt im Schweinestall“

Mundartbühne Illingen : Hier haben die Lügen Pantoffeln an

Die Mundartbühne des Theatervereins Illingen probt final für ihre neue Komödie „Kreuzfahrt im Schweinestall“.

Wenn einer eine Reise macht, kann er bekanntlich was erzählen. Kniffliger wird’s, wenn einer keine Reise macht, sondern nur so tut als ob - und dann genötigt wird, was zu „verzählen“. Wie Jupp. Hochgradig nervös, rutscht der Bauer auf den zwei Stühlen, die man sich als Bank in landwirtschaftlicher Idylle denken muss, hin und her. Gleich bricht sein ganzes schönes Kartenhaus zusammen: „Wie bin ich gleich noch mal an Land gekommen“, wendet er sich hilfesuchend an seinen Knecht Jan. Der stutzt, überlegt fieberhaft und fängt schließlich leise an zu singen „Flipper, Flipper, Freund aller Kinder“. Nach schier endlosen Sekunden fällt bei Jupp der Groschen: „Ah, ja, genau, da ist mir nix, dir nix ein Delphin vorbei geschwommen.“

Wenn man mittendrin in eine Theaterprobe platzt, versteht man unter Umständen nur Bahnhof. Macht aber nichts, lustig ist es allemal, wie Jens Lenhoff den notorischen Lügenbaron mimt, der gerade von seiner gewonnenen Kreuzfahrt heimkehrt – angeblich. „Der dritte Akt hapert noch bisschen“, kommentiert Margret Detemple das muntere, Platt-lastige Geschehen im Hortraum der Grundschule Auf der Lehn.

Alle haben Hüttenschuhe, Pantoffeln oder dicke Socken an. Nein, kein Geniestreich der Regie, sondern dem neuwertigen Fußbodenbelag zu liebe. Immerhin genießt die Mundartbühne des Theatervereins Illingen hier regelmäßig Gastrecht. Das will man sich natürlich nicht verscherzen. Für Margret Detemple ist es das vierte Mal, dass Sie den Hut auf hat. Im Verein ist das schön aufgeteilt: „Ich führe im Frühjahr Regie, Sabine Engel im Herbst.“ Die schwerste Arbeit liegt schon hinter ihr, verrät Margret Detemple: Die Auswahl des Stücks nämlich. „Männer sind bei uns immer ein Problem“, prinzipiell stehen mehr Frauen zur Verfügung. Hilfreich sei es überdies, verrät die Regisseurin, wenn die Sprechrollen nicht übermäßig lang sind für die Männer. Doch solch Stücke gibt’s halt nicht wie Sand am Meer oder Wassertropfen unterm Bug, um mal im Bild zu bleiben.

Bei „Kreuzfahrt im Schweinestall“ aus der Feder von Carsten Lögering hat jedenfalls alles gepasst. Die neun Akteure, durch die Bank weg Stamm-Mimen, geben ihrem Affen so richtig Zucker. Da wird geflirtet, gestritten, sich lustvoll das Maul zerrissen. Die textlastige Hauptrolle wuppt Lenhoff, von Beruf Polizist. Gerade noch als König und Herrscher bei „Aschenputtel“ im Einsatz, degradiert ihn diese Komödie zum Bauern, einen stinkefaulen noch dazu. Eine Besonderheit seiner aktuellen Rolle sind die vielen Kostümwechsel: „So oft musste sich Jens noch nie umziehen“, glaubt Margret Detemple. Die Probe läuft weiter: Jupps Tochter Anna turtelt mit Jan, was beiden besonders viel Spaß zu machen scheint. Klar, immerhin sind Manuela Bick und Martin Büdenbender auch im realen Leben liiert.

Stimmig ist nicht zuletzt die Länge. Was dem Ensemble unter anderem den Vorteil verschafft, nicht so durchhechten zu müssen. „Da können wir auch mal eine Szene ausschmücken“, erklärt die Regisseurin. Brigitte Hoffmann als mobiles Tratsch- und Klatschorgan Lina Hoppe wird beispielsweise mit einem echten Fahrrad über die Bühne fahren. Freuen kann sich das Stammpublikum auch auf ein etwas anderes Bühnenbild als sonst. Diesmal geht es nämlich raus in die Natur. „Erstmals seit langer Zeit spielen wir nicht in einer Wohnung, sondern auf dem Außengelände vom Bauernhof.“ Bäume, ein Stall, ein Weg, eine Holzbank – so in etwa ist es geplant. Die Umsetzung liegt in den bewährten Händen von Michael Schröder und seinem Team. Hinzu denken muss man sich dann eigentlich nur noch die „gute Landluft“. Und den Delphin.

Gezeigt wird „Kreuzfahrt im Schweinestall“ am 13. April um 20 Uhr sowie am 14. April um 19 Uhr in der Illipse. Der Vorverkauf startet am Freitag, 29. März, bei Augenoptik Kessler in der Hauptstraße 38. Erwachsene zahlen acht Euro, Kinder fünf Euro.

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