Der Verband der Gartenbauvereine veranstaltet in Stennweiler einen Workshop zum Erhalt von Streuobstwiesen ein.

Baumschnitt : Einsatz für die Rettung von Streuobstwiesen

Der Verband der Gartenbauvereine veranstaltet in Stennweiler einen Workshop zum Erhalt von Streuobstwiesen.

Obstwiesen sind aus unserer Landschaft nicht wegzudenken. Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sie sind auch wichtig für unsere Tier- und Pflanzenwelt, aber auch für leckere Marmeladen fürs Frühstück. Und auf Säfte und Obstbrände möchte man auch nicht verzichten. Leider werden jahrzehntelang gut gepflegte Streuobstwiesen mehr und mehr sich selbst überlassen und nicht mehr ordentlich bewirtschaftet. Aus diesem Grund organisiert der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz Workshops, um interessierten Teilnehmern die richtige Pflege der Baumbestände zu vermitteln.

Zur Veranstaltung am vergangenen Samstag in Stennweiler konnten Michael König, Kreisverband der Garten- und Landschaftspflege, und Felix Ackermann, Streuobst-Koordinator beim Landesverband Saarland/Rheinland-Pfalz, zahlreiche Obstbaumbesitzer aus der ganzen Region begrüßen. Der mit 87 Jahren älteste Teilnehmer, Kurt Horn aus Schiffweiler hatte einen guten Grund, dabei zu sein: „Ich nehme an dem Workshop teil, damit ich meinen Mirabellenbaum im heimischen Garten fit für die kommende Saison machen kann.“ Teilnehmerin Sybille Raufeld aus Ottweiler meinte: „Ich möchte meine Kenntnisse zur richtigen Pflege unserer  Gemeinschafts-Streuobstwiesen im Bliesgau erweitern und auf den neuesten Stand bringen.“ Gernot Scherer, Neunkirchen, wollte sich auch mehr Wissen aneignen: „Da ich einige Streuobstwiesen besitze, interessiere ich mich für den richtigen Schnitt an den  Hochstämmen.“

Die Experten König und Ackermann erklärten zu Beginn der Veranstaltung, worauf es beim Beschnitt der Bäume im Wesentlichen ankommt. Die Exemplare auf der Streuobstwiese am Stennweiler Friedhof hatten diese Kosmetik dringend nötig. Seit Jahren kümmert sich niemand um den Baumbestand, was den Bäumen anzusehen ist. Herunterhängende, alte und vergreiste Äste sowie Wildwuchs durch Wasserschosse verhindern ein gesundes Wachstum und einen zufriedenstellenden Ertrag der Gehölze. Auch Misteln stellen eine Gefahr für die Bäume dar. Werden sie nur oberflächlich entfernt, wachsen

die Baumschmarotzer nach innen und zerstören so den Obstbaum. Der Rückschnitt muss behutsam, in Etappen und über mehrere Jahre hinweg erfolgen. Das heißt: Beim ersten Rückschnitt entfernt man nur einige große, überbauende oder statisch gefährdete Äste, während der Fruchtholzschnitt aufs Folgejahr verlegt wird.

Wird zum Beispiel im Frühjahr eines Jahres zu viel zurückgeschnitten, bilden sich im Laufe des Jahres die erwähnten Wasserschosse. Wasserschosse entstehen aus dem Überdruck an Baumsäften, die sich besonders in älteren Bäumen nach starkem Rückschnitt bilden. Apfelbäume werden am besten geschnitten, solange der Baum ruht, November bis März, also vor der neuen Wachstumsphase im Frühjahr. Sind Obstbäume längere Zeit nicht mehr geschnitten worden, neigen sie oft zur vorzeitigen Alterung oder Vergreisung des Holzes, sie weisen eine ungenügende Neutriebbildung auf. Gute Fruchterträge in dieser Phase täuschen leicht darüber hinweg, dass die Früchte auf Dauer meist immer kleiner werden und gute Früchte sich nur noch in den oberen, kaum beerntbaren Bereichen der Baumkrone befinden. 

Auch einzelne Leitäste selbst oder die Stammverlängerung können im Sinne einer ausgewogenen Kronenentwicklung zurückgesetzt werden, insbesondere wenn die Statik unausgewogen ist oder Astbruch droht. Zum anderen wird beim Verjüngungsschnitt das alte, herabhängende Fruchtholz entfernt, der sogenannte Fruchtholzschnitt. Ziel der Initiative des Verbandes ist neben der richtigen Beschneidung der Obstbäume auch auf das generelle Problem vernachlässigter und schlecht gepflegter Streuobstwiesen aufmerksam zu machen.

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