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„Den Wirtschaftsfeudalismus überwinden“

„Den Wirtschaftsfeudalismus überwinden“

In der vollbesetzten die evangelische Kirche in Uchtelfangen erklärte Sahra Wagenknecht ihre Sichtweise auf die moderne Gesellschaft. Die Kirche hatte zu einer Lesung mit der bekannten Linken-Politikerin eingeladen.

. "Die Kirche könnte ein Ort der Begegnung und der Anklage gegen die Macht des großen Geldes sein." Mit diesem Zitat seines Gastes, der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Deutschen Bundestag, Dr. Sahra Wagenknecht , begrüßte der Uchtelfanger Pfarrer Reinhold Wawra seine Gäste in der evangelischen Kirche in Uchtelfangen . "Eine Linke in der Kirche?", das wunderte am Freitag Abend eigentlich nicht viele. Denn Wagenknecht hält den Glauben für einen einflussreichen Faktor, auch wenn sie selbst nicht religiös ist. Die Religion nütze der Gesellschaft, wenn sie zum Widerstand ermutige und die Mächtigen in Wirtschaft und Politik nicht verschone, schreibt sie.

Die Idee, Sahra Wagenkneckt nach Uchtelfangen in die Kirche zu einer Lesung einzuladen, kam vom früheren SR-Moderator Dr. Peter Kleiss. Kleiss hat eine Vortragsreihe iniitiert mit Namen "Haste Worte", nach einem Gedichtband aus seiner Feder. Ausgerechnet der streitbare CSU-Politiker Dr. Peter Gauweiler habe Wagenknechts Buch "Reichtum ohne Gier" in einer hymnischen Rezension in der Süddeutschen Zeitung gelobt. "Das hat mich auf die Idee gebracht, in Wagenknechts Büro in Berlin anzurufen, und sie zu einer Lesung einzuladen", teilte Kleiss mit.

In die beschauliche Barockkirche passte am Freitag keiner mehr rein. Die Menschen zwängten sich auf die Kirchenbänke, hockten im Gang, auf dem Boden und pressten sich auf die Empore. Einige hatten sogar das Pech, gar nicht hineinzukommen, so wie Karl Specht, der aus Saarbrücken angereist kam und aufgrund einer Erkrankung nicht 90 Minuten stehend der Veranstaltung hätte folgen können und wieder heimfahren musste.

Wagenknechts Thesen überzeugten nicht alle Kirchenbesucher, aber ihr Charisma und ihre Redegewandtheit fesselte auch diejenigen, die ihr kritisch begegnen. Jedoch in vielen Punkten erzielte sie Konsens, so zum Beispiel wenn sie konstatiert, dass sie sehr wohl eine "reiche" Gesellschaft anstrebe, die Gier, die die globale Finanzbranche kennzeichne, aber ablehne. "Ich habe in meinem Buch ein Wirtschaftsmodell skizziert, das zu mehr Gerechtigkeit führt", sagte sie. Die renditeorientierte Wachstumslogik zerstöre Menschen, Gesellschaft und Umwelt. "Wir müssen den Wirtschaftsfeudalismus des 21. Jahrhunderts überwinden". Und: Sie wolle "die Märkte" nicht abschaffen, sie nur vor einem wilden, ungezügelten Kapitalismus schützen.

"In Zeiten, wo Menschen durch die Gewalt des herrschenden Wirtschaftssystems, durch die Zerstörung guter und sinnstiftender Arbeit vereinzeln und Gemeinschaft oftmals nur noch über Facebook simuliert wird, kann eine Sonntagsmesse aufrütteln", schloss Wagenknecht, Pfarrer Wawra hat's gerne gehört.