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Bunte Flieger am Himmel Das Geheimnis: Schaschlikspieße

Kohlhof. Was so ein verregneter Urlaub in Belgien nicht alles mit sich bringen kann. Um der damaligen Tristesse mit einem bunten Pendant zu begegnen, kam Alexandra Petry 1998 auf die Idee, sich einen Drachen zu kaufen und den starken Wind für ein wenig Vergnügen zu nutzen Von SZ-Mitarbeiter Marc Prams

Kohlhof. Was so ein verregneter Urlaub in Belgien nicht alles mit sich bringen kann. Um der damaligen Tristesse mit einem bunten Pendant zu begegnen, kam Alexandra Petry 1998 auf die Idee, sich einen Drachen zu kaufen und den starken Wind für ein wenig Vergnügen zu nutzen. Vergeblich allerdings, denn irgendwie wollte der Drache nicht so wie seine Besitzerin und bevorzugte eher den Aufenthalt in Kniehöhe. "Eine Dame hat mir dann am Strand ihren Lenkdrachen ausgeliehen und ich war so begeistert, dass ich mir auch einen besorgte", erzählt Alexandra Petry. Zwölf Jahre später stapeln sich die Kisten im Haus der Drachenfliegerin, alle gefüllt mit ganz unterschiedlichen Sorten. Ein-, Zwei- und Vier-Leiner, Triple- und Cross-Decker, Hexagon- und Fledermausdrachen und natürlich ganz große, so genannte Centipeden-Drachen. Gut 40 Stück besitzt die Sammlerin mittlerweile. Der größte misst etwa 60 Meter, die kleinsten werden in einer Schatulle aufbewahrt und kommen gerade mal auf sieben Zentimeter. "Die hat mir ein Freund auf einem Drachenfest im italienischen Cervia geschenkt. Das sind so genannte Schwalben aus Papier und Bambus", sagt Petry, die bereits in ganz Europa an Drachenfesten und Wettbewerben teilgenommen hat. "Bei den Wettbewerben geht es darum, welcher Drache am Schluss noch in der Luft steht. Wenn dann alle aufeinander losfliegen, entsteht manchmal nur ein einziger Knoten und alle stürzen ab. Aber es macht jede Menge Spaß." Zweimal konnte sie den Saarland-Cup gewinnen, und auch wenn sie heute nicht mehr so regelmäßig an Wettbewerben teilnimmt, gehört Drachenfliegen immer noch zu ihren Hobbys. "Bei gutem Wetter gehen wir ab und an aufs Feld zwischen Kohlhof und Limbach. Natürlich nicht nur im Herbst, sondern immer, wenn der Wind günstig ist", sagt Alexandra Petry, die an alle Drachenflieger den Appell richtet, nicht unachtsam Schnurreste zurückzulassen. "Wenn eine Kuh oder ein anderes Tier so etwas frisst, kann das schlimme Folgen haben." Illingen. "Der fliegt ja toll. Wo kann man den denn kaufen?", wurde Franz Kuhn gefragt, als er im Urlaub auf der französischen Insel Oléron seinen Drachen steigen ließ. Dabei handelt es sich bei dem Flugobjekt der Marke Eigenbau um ein Konstrukt, dessen Flugeigenschaften mit dem Verzehr einer bestimmten Grillspezialität in direktem Zusammenhang stehen. Zwei Schaschlikspieße bilden nämlich das Gerüst des etwa 15 Zentimeter großen Drachens. "Ich habe ihn am Strand fliegen lassen. Weil er so klein war und wie eine Eins am Himmel stand, dachten die Leute, der wäre kilometerweit entfernt", erzählt der Erbauer. Ganz spontan sei ihm die Idee gekommen, aus den Resten des Grillguts, Papier und Nähfaden einen Drachen zu bauen. Als Kind waren die bunten Segler ein Hobby von Franz Kuhn, der daher genau weiß, was zu beachten ist. "Gerade die kleinen Drachen fliegen üblicherweise nur im Kreis, weil sie nicht so stabil sind. Deshalb sollte man sie ein wenig biegen, bis sie eine halbrunde Form besitzen und genügend Auftrieb bekommen." pra