Bundes-Prominenz im Pferdestall

Umweltministerin Barbara Hendricks traf sich mit der saarländischen Landjugend zum „Dialog Landwirtschaft“ auf der Uchtelfanger Reitanlage Penth. Wie steht es mit der Vereinbarkeit von Umwelt- und Tierschutz?

Stute Lucera nimmt den plötzlichen Rummel mit Gelassenheit. An der Hand von Pferdepfleger Timi Barthos dient sie als Fotomodell, um der Nachwelt einen Eindruck vom Besuch von Barbara Hendricks, ihres Zeichens Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Rektorsicherheit, am Montag auf der Uchtelfanger Reitanlage Penth zu hinterlassen. Die Ministerin, schlichtest gekleidet in dunkelgrauem Wollpulli und schwarzer Hose, kommt natürlich nicht alleine. Aus der Wagenkolonne, angeführt von einer schwarzen Limousine mit Berliner Kennzeichen und Blaulichtlampe auf dem Dach, entsteigt eine umfängliche Entourage, angeführt vom Saar-Umweltminister Reinhold Jost. Und alle drängt es vor der Diskussion mit der saarländischen Landjugend zum Foto mit Lucera. Deren Vertreter haben sich derweil schon im rustikalen Sälchen der Reitanlage versammelt, um mit den Ministern über die Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Umweltschutz zu diskutieren (lesen Sie auch im Wirtschaftsteil dieser Ausgabe). Trotz eng getaktetem Zeitplan (die Ministerin kommt gegen 14 Uhr, muss um 15.30 Uhr schon wieder weg, weil eine SPD-Veranstaltung in Erkrath gegen 18.30 Uhr auf sie wartet) zeigt sich die 64-jährige Sozialdemokratin aus Kleve am Niederrhein völlig ungestresst.

Ebenso entspannt trotz des für einen ländlichen Reiterhof eher ungewöhnlichen Polit-Besuches erlebt auch Familie Both als Hof-Besitzer den Nachmittag. Über Sohn Timo, der zur Landjugend gehört, ist der Minister-Termin zu Stande gekommen. Die Security-Leute halten sich dezent im Hintergrund, der Fuhrpark von Bund und Land verteilt sich über die weitläufige Anlage. "Für die Einsteller läuft heute alles ganz normal", sagen Uschi und Hans-Albert Both beim Blick vom Reiterstübchen nach draußen, wo, wie in den meisten Reitställen, vor allem Mädchen und Frauen mit ihren Pferden und Ponys beschäftigt sind. Keine Kontrollen, keine Absperrungen, jeder kann nach oben kommen in den Raum, in dem das durchaus spannungsgeladene Thema der Vereinbarkeit von Umwelt- und Tierschutz mit den nachvollziehbaren wirtschaftlichen Interessen der Landwirte behandelt wird.

Der Reiterhof Penth, sehr verkehrsgünstig gelegen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn, mag als Musterbeispiel für einen geglückten Wandel vom Agrar-Betrieb mit landwirtschaftlicher Tierhaltung zu einer Freizeitanlage für Pferdefreunde der verschiedensten Sparten gelten.

Vor rund 25 Jahren begann die Umstellung in Richtung Pensionspferde-Haltung, seit zwei Jahrzehnten bilden die anspruchsvollen Huftiere den Kern des Familienbetriebs. Fotos vom verstorbenen "Penth-Jupp", Josef Penth als Motor der Reitanlagen-Idee, künden noch von den Anfangsjahren. Seither haben die Penth-Boths immer wieder erweitert und modernisiert, sich den Wünschen der Kunden angepasst.

Eine Diskussion mit Blick auf einen Stall voller Heu oder Silage kauender Pferde, dann und wann aufgelockert durch Wiehern und Hufgetrappel, wird auch Barbara Hendricks, deren Herz für eine soziale und ökologische Landwirtschaft schlägt, nicht allzu oft erleben. Für so was muss man eben in den Kreis Neunkirchen kommen. Dass es bis zur Auffahrt auf die Autobahn in Richtung Köln nur wenige Minuten vom Hofgut Penth aus sind, wird die Fahrer der Wagenflotte gefreut haben, denen sich die Ministerin anvertraut.

So unspektakulär wie die Anreise gestaltet sich dann auch die Abfahrt des Trosses. Die geduldige Lucera steht da schon längst wieder bei den Kumpels im Stall.

Zum Thema:

Agrar-Themen im Blick Der Landesjugendbund im Bauernverband hat rund 140 Mitglieder zwischen 16 und 35 Jahren. Nicht alle sind in der Landwirtschaft tätig. www.bv-saar.de