Borkenkäfer unterbricht die Schonzeit

Borkenkäfer unterbricht die Schonzeit

Kiefernholz-Waldfläche in Hüttigweiler wurde trotz Fällverbot und ohne das Wissen des Naturschutzbeauftragten gerodet.

Hans-Joachim Zimmer, Naturschutzbeauftragter von Hüttigweiler, ist verärgert. Ohne sein Wissen wurde ein Waldstück in Hüttigweiler, etwa 3125 Quadratmeter, gerodet. Ein Bekannter habe ihn auf die Rodung einer Waldfläche aufmerksam gemacht. Zimmer: "Als Naturschutzbeauftragter sollte ich von solchen Aktion eigentlich wissen. Aber ich wurde nicht informiert." Das Waldstück befindet sich am Ortsausgang Hüttigweiler in Richtung Welschbach. Auf Anfrage der SZ bei der Stadt Illingen, sagt Pressesprecher Thomas Keller: "Das besagte Waldstück ist in Privatbesitz. Bei einer Besichtigung durch die Ortspolizeibehörde und das Umweltamt war die Fläche etwa zur Hälfte gerodet." Die Bäume seien von Borkenkäfern befallen, erklärt Keller weiter: "Laut Angaben der tätigen Firma wird in dem besagten Waldstück Käferholz beseitigt." Naturschutzbeauftragter Zimmer sieht darin jedoch einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. "In diesen Bäumen nisteten Vögel mit ihren Jungen und andere Waldbewohner nutzten die Ruhe des Waldes, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Gemäß des Naturschutzgesetzes gibt es im Frühling und Sommer ein Fällverbot, um diese Tiere nicht zu stören." In Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist ein Fällverbot von öffentlichen und privaten Bäumen vom 1. März bis 30. September zum Schutz der Tiere festgehalten. Ausnahmen müssen von der Naturschutzbehörde genehmigt werden. Vögel und Wildtiere sollen in dieser Schonzeit nicht gestört werden. "Allein schon das Geräusch eines Moppeds, das am Wald vorbei fährt, beunruhigt das Wild. Sie bekommen Angst und könnten beispielsweise eine Fehlgeburt haben", sagt Zimmer.

Pressesprecher Thomas Keller geht davon aus, dass die Vorgaben zum Fällen von Bäumen aus dem Landeswaldgesetz eingehalten wurden. Um die Rechtmäßigkeit der Rodung genauer zu überprüfen, hat die Gemeinde Illingen den Fall an das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in Saarbrücken übergeben.

Das Ministerium erklärt auf SZ-Anfrage: "Das Holz liegt noch in der Nähe des Kahlschlags. Dort lässt sich auch nachvollziehen, dass ein Teil der Fichten von Käfern befallen waren." Ab 0,3 Hektar müsse ein Kahlschlag gemeldet werden - die Fläche sei unwesentlich größer. Aufgrund des Befalls hätte die Forstbehörde das Abholzen nicht untersagen können.

Das Ministerium erläutert weiter: "Wir werden den Eigentümer anschreiben und auf seine Pflicht hinweisen, dort wieder aufzuforsten." Der Naturschutzbeauftragte Zimmer ist trotzdem aufgebracht: "Auch wenn die Bäume von Käfern befallen waren, was in einem solchen Waldstück immer mal vorkommen kann, hätten die Beteiligten trotzdem warten können, bis die Schonzeit vorbei ist. Danach wären keine Jungtiere zu Schaden gekommen."