Blauer Himmel beim Umzug in Illingen

Umzug : Schlechtes Wetter, das gibt’s hier nicht

Bei blauem Himmel setzte sich der kunterbunte Illinger Rosenmontagszug um 10 Uhr in Bewegung.

Montagmorgen kurz vor 9 Uhr: es stürmt. Die Autorin dieser Zeilen, von diversen Erkältungswehwehchen geplagt, bemüht das Internet. Ob der Illinger Rosenmontagszug abgesagt wird? In Neunkirchen denkt man über die Kapitulation nach. In Illingen denkt niemand ans Aufgeben. Der schwarze Pirat im Rathaus (im richtigen Leben bekannt als Bürgermeister Armin König) und die Illinger AG Rosenmontag um Gabi Steuer haben zu viel an Vorbereitungsarbeit in das Projekt gesteckt, um jetzt noch die Waffen zu strecken. De Zuch kütt, wie die Kölner sagen, der Zug kommt!

9.55 Uhr: Es hagelt und windet. Die Berichterstatterin verschanzt sich unter einem Geschäftsvordach, wo sie nicht alleine bleibt. Hinzu gesellen sich ein etwas ins Kraut geschossener Zwerg mit grüner Zipfelmütze, diverse Kleintiere, die bei näherer Betrachtung als Kinder im Vorschulalter zu erkennen sind, und die dazugehörigen Eltern: ein Einhorn und ein Riesen-Salamander mit nicht artentypischer Bauchtasche. Eben dort werden Tüten zu Tage gefördert, die dem Sammeln von Wurfmaterial am Straßenrand dienen sollen.

10 Uhr: blauer Himmel über der Hauptstraße in Illingen. Die Schaulustigen drängen sich an den Straßenrändern. Der Umzug startet. Ein bisschen hat den zuganführenden schwarzen Piraten dann doch der Heldenmut verlassen: Über dem Kostüm bauscht sich eine durchsichtige Plastikhülle, die der drahtigen Eleganz des Trägers etwas abträglich ist. Königs Mitbewerber um das Bürgermeisteramt bei der Wahl am 26. Mai, Michael Christ, ist in Sachen Wetterfestigkeit da etwas besser aufgestellt. Er ist als weißer Schneemann ziemlich weit hinten in dem megalangen Zug unterwegs.

Es wurde in den Ankündigungen nicht zu viel versprochen. Gut 30 Wagen, mehr als 40 Fußgruppen und eine Handvoll Musikformationen bilden den kunterbunten, auch musikalisch farbigen Tross. Dazu die 75 Helferinnen und Helfer von Feuerwehr und THW, das DRK mit 35 und der Gemeindebauhof mit 25 Leuten. Die Zufahrten in den Zugbereich sind zwar abgesperrt, doch müssen sich die Illinger und ihre Gäste nicht wie bei einer Hochsicherheits-Veranstaltung fühlen. Unter dem gesamten Sicherheits-Arrangement hat die fastnachtsgerechte Leichtigkeit des Seins nicht zu leiden.

Alleh hopp! Es staunt der Laie über die Monster-Traktoren, die einigen Wagen als Zugpferde dienen. Bei einem Reifendurchmesser von satten 180 Zentimetern weiß man, warum die Mitläufer, die es bei allen Fahrzeugen gibt, so gut aufpassen, dass nicht ein begeisterter Kamelle-Sammler unter die Räder kommt. Unterwegs auch Riesen-Laster wie bei den Ottweiler „So war noch nix“, die auf einen putzigen Oldtimer-Bus folgen, der von gut gelaunten älteren Semestern bevölkert wird. Für Stimmung sorgen vor allem auch Rhythmus-Gruppen wie Samba Total aus Marpingen oder Samba-O-Leck. Frohe Trommler taugen eben bestens als Missmut-Vertreiber. Fantasie kennt keine Grenzen. Das beweisen die Kostüme der Zug-Teilnehmer, die mit Kaufhaus-Cowboys oder Internet-Prinzessinnen so rein gar nichts am Hut haben. Die Schwulen Elfen vom Ki-Ka-Ju Merchweiler sind teilweise als Teekesselchen unterwegs, da muss man erst Mal drauf kommen!

Der Theaterverein Illingen bietet Sonnenblumen und Gießkannen auf, noch ein Lichtblick an diesem Märztag mit wettermäßigem April-Charakter. Ideen muss man haben, wie die Enten, denen gelbe Gummihandschuhe an den Füßen als Schwimmflossen auf dem nassen Asphalt dienen. Auch immer wieder wunderschön die Garden in den bunten Uniformen, die Funkenmariechen, deren ultrastramme Beinchen sich bei näherer Betrachtung als glänzend-braune Strumpfhosen-Schöpfungen herausstellen. Hoheitsvoll, wie sich das gehört, das Prinzenpaar des Jahres, Sarah und Tobias von der Heusweiler Karnevalsgesellschaft. Auch von deren stattlichem Wagen regnet es das beliebte Wurfmaterial, das von den Tier-Kindern begeistert eingesammelt wird. Die Tüten gehen zur Neige. Ein bisschen Alkoholisches für die Erwachsenen ist auch dabei, in der Beliebtheit nur getoppt von Becherchen mit grünem Wackelpudding.

Party-Mucke von Peter Wackel oder Micki Krause ist ja bekanntlich überall dort, wo gerne mitgesungen wird. Politische Aussagen springen nicht ins Auge, wohl aber verwenden die Illinger Knallerbsen mit der Brauerei Hohlweck als Prunkwagen-Motiv ein Stück Illinger Ortsgeschichte, das mit der Brauturmgalerie jetzt hochaktuell ist. Wer sich dort eine Wohnung in Richtung Marktplatz zulegt, kann den Illinger Rosenmontagszug künftig ganz gemütlich vom Sofa aus betrachten. Das Wir-sind-der-tolle-Illinger-Umzug-Gefühl setzt sich dann fort bei der Party der Fastnachter in der Illipse.

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