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Bagger eröffnet die Illinger Abrissparty

Bagger eröffnet die Illinger Abrissparty

Nach 14 Jahren Ringen um eine Zukunft für das alte Illinger Höll-Gelände fällt morgen, Donnerstag, der Startschuss: Der erste Bagger startet am Abend symbolisch die Abrissarbeiten. Auf die Gäste wartet Freibier.

Ein paar Details werden nicht verraten. Die Besucher der Abrissparty auf dem Illinger Höll-Gelände sollen sich morgen, am Donnerstagabend, denn doch überraschen lassen, was auf sie zukommt, findet Bürgermeister Armin König . Gegen 19.30 Uhr geht es am Haupttor los. Freibier hat der Verwaltungschef angekündigt und ein bisschen Spektakel, wenn es dunkel wird. Unter anderem wird der erste Bagger auf der Fläche aktiv. Er gibt damit symbolisch den Startschuss für die Abrissarbeiten. Geladen sind die Investoren und weitere Offizielle, also Vertreter der Brauturm-Galerie-Gesellschaft (BTG), der Saarland Bau- und Boden-Projektgesellschaft (SBB), des Innen- und Wirtschaftsministeriums, der Gemeinde, Vertreter von Ingenieurbüros und Abbruchunternehmen, aber auch die Illinger Bürger . Großer Bahnhof also in der Illinger Mitte.

"Mindestens sieben bis acht Fußballfelder werden frei", erläutert Bürgermeister König die Dimensionen des Unternehmens. Mit dem Abriss entsteht Platz für die Brauturmgalerie und für Gebäudekomplexe, in denen Senioren, Menschen mit Behinderung und jüngere Pflegebedürftige einen Platz finden sollen. Das Illinger Zentrum bekommt somit in diesem zentralen Bereich ein neues Gesicht. Das Gesamtprojekt ist mit etwa 30 Millionen Euro veranschlagt. Der Gemeinderat hat im Sommer eine vorläufige Projektbezeichnung festgelegt: "Erweiterte Mitte" hat er das Gesamtprojekt auf dem ehemaligen Höll-Gelände getauft und "Neuen Markt" den dabei neu entstehenden öffentlichen Raum. Wie das Ganze schließlich nach Fertigstellung heißen soll, daran möchte der Rat die Öffentlichkeit beteiligen. Die Überlegungen, auf dem großen Areal etwas Neues zu machen, reichen weit zurück. Man habe 14 Jahre gekämpft, zum Teil gegen massivste Widerstände, sagte der Bürgermeister in der jüngsten Gemeinderatssitzung (die SZ berichtete). Dort war fraktionsübergreifend die Erleichterung groß, dass nun endlich Taten folgen sollen. Das Gelände ist im Besitz der SBB. Unter die Abrissbirne kommen Verwaltungs- und Sozialgebäude am alten Markt und in der Braugasse, erläutert das Illinger Rathaus. Auch um das alte Brauereigebäude wird das ein oder andere im Auftrag der BTG fallen, wobei der Fabrikationskomplex und das Brauereigebäude zu großen Teilen erhalten bleiben. Die Abrissarbeiten auf dem Areal der SBB, so sieht es der Zeitplan vor, könnten Anfang Dezember erledigt sein. Die Kosten dafür betragen rund 350 000 Euro, Land und Bund geben einen Zuschuss. Zu den Arbeiten im Bereich der BTG, so die Verwaltung, könne man keine Angaben machen, da nicht Auftraggeber.

Mit dem Auftakt der Arbeiten soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden in der Illinger Ortskernentwicklung. 2001 hatte die Fleischwarenfirma Höll, damals größter Arbeitgeber in der Gemeinde, den Standort verlassen. Das Unternehmen ging nach Saarbrücken. Zurück blieb eine rund vier Hektar große Brache, deren neue Nutzung lange durch die hohen Forderungen der Firma beim Grundstücksverkauf blockiert wurde. Im Zuge der Insolvenz von Höll hat das Land über seine Tochter SBB die Illinger Höll-Brache und auch das Saarbrücker Firmengelände von Höll erworben.

An dem Projekt, das ehemalige Höll-Gelände zu revitalisieren, hatten sich mehrere Investoren erfolglos versucht. Erst 2011 gab es einen Hoffnungsschimmer. Die Gemeinde Illingen wurde eine von acht Siegerkommunen, die ins Projekt "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" (ExWost), Forschungsfeld "Innovationen für Innenstädte", des Bundes aufgenommen wurden. Illingen erhielt eine finanzielle Förderung von insgesamt 300 000 Euro in den Jahren 2012 bis 2014. Das Projekt kommunale Höll-Planung mit Bürgerbeteiligung überzeugte das Bundesbauministerium. Die Beteiligung der Bürger lag den Akteuren in Illingen am Herzen. Im Rahmen einer Ideen-Werkstatt kamen stattliche 1300 Anregungen zusammen.

Foto: Anika Meyer