Aus dem Poesiealbum des Jazz

Mit großer stilistischer Bandbreite und einfallsreichen Improvisationen sorgte die „Frau am Klavier“, Olivia Trummer, für einen außergewöhnlichen Jazzabend im Rathaussaal in Illingen. Mit viel Applaus belohnte das Publikum der Illinger Jazz Lounge ihre Stücke.

Zwischendurch sprang selbst der Bürgermeister auf und jubelte der jungen Frau zu. Armin König bezeichnete die Performance als ein "Stück Genuss", Olivia Trummer als "einzigartige Künstlerin mit Starpotenzial". Zuhörer in den New Yorker Clubs hätten noch nie gesehen, dass eine Musikerin mit nur einem Ton es schafft, dass der ganze Saal direkt ruhig ist und lauscht, erzählte Organisatorin Elfi Kleiß im Vorfeld. Im mittlerweile dank der Illinger Jazz Lounge nicht minder jazzverwöhnten Illingen sah es nicht anders aus.

"Schon als ich klein war, zog mich der Flügel magisch an", erklärt die 29-jährige Berlinerin ihre Anfänge. "Damals habe ich autodidaktisch nach Gehör vor mich hin gespielt. Später erhielt sie von ihrer Mutter Musikunterricht, studierte Jazzpiano sowie klassisches Klavier an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. 2008 kam Trummer nach New York, um ihre Studien an der Manhatten School of Music fortzusetzen. Es folgten zahlreiche Auftritten in den renommierten Konzerthäusern Europas und den Vereinigten Staaten und fünf ganz unterschiedliche Alben.

"Olivia Trummer ist eine tolle Ergänzung für die Reihe. Sie bedient viele unterschiedliche Jazzrichtungen", schwärmt Kleiß und attestiert eine außergewöhnliche Gabe: "Sie kann sich in Improvisation verlieren und findet trotzdem immer wieder zurück."

Mit ihren Songs will die vielfach ausgezeichnete Jazzpianistin vor allem "Freiheit und Freude" vermitteln. "Durch Musik kann aus allem etwas Genussvolles entstehen, aus allen Gefühlszuständen kann man etwas Schönes machen." Aktuell arbeitet sie an ihrem sechsten Album mit dem Titel "Classical to Jazz ", welches im kommenden Herbst erscheinen soll. Darauf sollen Brücken zwischen der klassischen Musik von Johann Sebastian Bach oder Wolfgang Amadeus Mozart und dem Jazz der Moderne geschlagen werden.

Im Rathaussaal konnte Trummer neben dem wundervollen Klavierspiel vor allem mit ihrer erfrischend fröhlichen Ausstrahlung punkten. Mit instrumentalen, klassisch inspirierten Stücken, aber auch mit gesanglich begleiteten Titeln "Für ein Lächeln" oder "Stehaufmännchen" aus ihrem vorletzten Werk "Poesiealbum" und weiteren Songs der breit gefächerten Palette zog sie das Publikum von Anfang an in ihren Bann. Immer wieder gab es spontanen Szenenapplaus. So trugen auch die Illinger Zuhörer ihren Teil zu einem großartigen Abend bei. "Denn" , so fragte Trummer eingangs, "was wäre die Frau am Klavier ohne ihr Publikum?"