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Laufsport: Aufgeben ist keine Option

Laufsport : Aufgeben ist keine Option

Beim ersten 6-Stunden-Lauf der LLG Wustweiler ist Sieger Dirk Karl 171 Runden unterwegs.

Um 14.58 Uhr überquerte Dirk Karl am Samstag im Illinger Stadion an der Lehn die Ziellinie. Schon wieder. Nicht ein Mal, nicht zehn Mal, auch nicht hundert Mal – sondern 171 Mal hatte der Läufer der TSG Grünstadt zu diesem Zeitpunkt die Stadionrunde gedreht. Eine weitere folgte nicht. Denn zwei Minuten später war der erste 6-Stunden-Lauf der LLG Wustweiler zu Ende - und Karl war der Gewinner. Er hatte 68 Kilometer und 723 Meter zurückgelegt. Das ist, als würde man einen Marathon bestreiten - und danach über die Hälfte der Strecke wieder zurücklaufen.

„Wenn man sechs Stunden läuft, kommt irgendwann der Tiefpunkt. Meinen hatte ich nach drei Stunden. Dann darf man nicht aufgeben. Man muss positiv denken. Nach vier Stunden hab ich mir gesagt: Die anderen zwei gehen jetzt auch noch“, sagte Karl. Nach dem Sieg gegen seinen inneren Schweinehund belohnte sich der Rheinland-Pfälzer mit einem Stück saarländischen Kulturguts: „Heute Abend geht es ins Brauhaus nach Homburg. Dort wird bestimmt das eine oder andere Bier getrunken“, meinte der Sieger mit einem Lächeln im Gesicht.

Beim 6-Stunden-Lauf gab es aber noch andere – teilweise sehr persönliche Erfolge. Der von Doro Neidek zum Beispiel. Die Läuferin der LTF Theeltal trat zum ersten Mal bei einem sogenannten Ultralauf an und landete mit 138 gelaufenen Runden überraschend vor der erfahrenen Ilona Nöh (135) vom TV Goldbach auf Platz drei. „Ich bin stolz und glücklich, dass ich das praktisch aus dem Stand geschafft habe. Ich bin vor kurzem arbeitslos geworden. Den Lauf habe ich auch bestritten, um mir selbst zu beweisen, dass ich mich durchbeißen kann. Ich hab mir gesagt: Ganz egal wie - du hältst die sechs Stunden durch“, erzählte Neidek. Einen Platz vor ihr landete Teamkollegin Viola Stras. „Sechs Stunden im Kreis laufen. So gerne mache ich das gar nicht, aber ich kann es ganz gut“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Stras ergänzte: „Es gibt keinen anderen 6-Stunden-Lauf im Saarland. Wenn ein befreundeter Verein wie die LLG Wustweiler so etwas anbietet, muss man das unterstützen.“

Noch mehr Runden als Stras (156) schaffte nur Nationalmannschafts-Läuferin Natascha Bischoff (166) von der LSG Karlsruhe. Den schwersten Lauf bestritt Bettina Keilen von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal. Sie bewältigte die Strecke auf Krücken und legte dennoch 96 Runden zurück. Bemerkenswert auch die Leistung der saarländischen Urgesteine Franz Feller und Werner Mootz. Der 79-Jährige Feller von den LTF Marpingen legte über 84 Runden und damit fast 34 Kilometer zurück. Mootz, 75, von den LTF Köllertal schaffte fast 119 Runden und verfehlte eine Weltjahresbestleistung in seiner Altersklasse nur um etwas mehr als einen Kilometer. Die weiteste Anreise hatte indes Gustavo Pignataro. Der Argentinier spricht weder Deutsch noch Englisch, legte aber über 12 000 Kilometer aus Buenos Aires zurück, um in Illingen an den Start zu gehen. Der 56-Jährige wurde bei den Männern mit 152 gelaufenen Runden Fünfter. Das Fazit von LLG-Pressewart Marco Egger: „Wir hatten Teilnehmer aus ganz Deutschland, aus Frankreich, Luxemburg und sogar Argentinien. Die Leute haben teilweise hier auf der Anlage gezeltet. Dafür, dass wir mit dieser Veranstaltung Neuland betreten haben, sind wir wirklich zufrieden.“