| 18:29 Uhr

Vergiftetes Klima
Am Grillplatz entzündet sich Streit

So ruhig und sauber wie am Dienstagmorgen ist es rund um den Grillplatz am Gutsweiher nur noch selten.
So ruhig und sauber wie am Dienstagmorgen ist es rund um den Grillplatz am Gutsweiher nur noch selten. FOTO: Willi Hiegel
Furpach. Zerwürfnis im Ortsrat. Sind die Tage der Grillstelle am Gutsweiher gezählt? Von Heinz Bier

. Im Ortsrat Furpach-Ludwigsthal-Kohlhof ist das Tischtuch zwischen SPD und CDU zerschnitten. Grund für das Zerwürfnis ist eine gemeinsame Presseerklärung des CDU-Ortsverbandes und der CDU-Ortsratsfraktion zur Situation am Gutsweiher (SZ vom 12./13. Mai), in der die CDU unter anderem Ortsvorsteher Klaus Becker (SPD) unterstellt, er wolle dort einen separaten Grillplatz anlegen und eine Toilettenanlage bauen lassen, um das wilde Grillen in den Griff zu bekommen.


Lügen-Vorwurf

In der Ortsratssitzung am Montag bezichtigte Becker die CDU daraufhin der Lüge, denn das habe er so nie gesagt. Das sei in der letzten Sitzung vielleicht eine Überlegung von ihm gewesen, sagte der Ortsvorsteher, aber davon sei er sofort abgekommen, weil es überhaupt nicht machbar sei und keinen Sinn mache.



Persönlicher Affront

CDU-Sprecher Peter Pirrung beharrte auf der Formulierung, denn das habe Becker in der letzten Ortsratssitzung genauso geäußert. Auch CDU-Ortsrätin Birgit Pirrung bekräftigte die Behauptung der Fraktion in der Presseerklärung, „denn das hast du wörtlich gesagt“, hielt sie Becker vor. „Ihr dreht mir das Wort im Mund herum“, hielt daraufhin der Ortsvorsteher entgegen. Aber Becker wehrte sich nicht nur gegen die aus seiner Sicht falsche Darstellung. Die CDU-Ortsratsfraktion hatte das Ganze in dem Artikel als „absoluten Blödsinn“ bezeichnet, „und das hat mich nicht nur geärgert, sondern total enttäuscht“, gab er zu. Diese Äußerung von Ortsratsmitgliedern in der Öffentlichkeit sei ein persönlicher Affront, betonte Becker, „und deshalb werde ich mich in nächster Zeit der CDU im Ortsrat gegenüber anders verhalten“.

Vertrauensverhältnis gestört

Auch Walter Pauly kritisierte das Vorgehen der CDU. „Ich finde es nicht richtig, dass man Äußerungen aus Ortsratssitzungen in die Presse bringt“, erklärte der Ortsrat der Linken und kündigte an, dass er seine Anträge künftig nur noch im nicht öffentlichen Teil der Sitzung behandeln lasse. Ortsvorsteher Becker sieht das Vertrauen innerhalb des Ortsrates erheblich gestört und kündigte als Konsequenz an, dass er künftig an keinen gemeinsamen Veranstaltungen wie beispielsweise Grillfest oder Weihnachtsessen mehr teilnehmen werde. SPD-Sprecher Hartmut Ulrich ergänzte, dass die gesamte SPD-Fraktion dem üblichen Grillfest nach der letzten Ortsratssitzung vor der Sommerpause fernbleiben werde. Für Ehrenortsrat Olaf Rammo ist das Ganze nicht nachvollziehbar. „So etwas habe ich in 25 Jahren im Ortsrat noch nicht erlebt“, meinte das CDU-Urgestein zu dem vergifteten Klima.

„Gutspark ist offen für alle“

Zu Beginn der Sitzung im Sängerheim hatte sich Bürgermeister Jörg Aumann (SPD) gegen die Darstellung in dem CDU-Presseartikel verwahrt, dass die Stadt nichts tue und den Ortsrat seit Jahren vertröste. „Es ist einiges passiert“, betonte Aumann, „aber der Furpacher Weiher ist ein offener Weiher und für jeden zugänglich.“ Einig war man sich, dass sowohl das unberechtigte Befahren wie auch das unerlaubte Grillen unterbunden werden müssen. Das soll mit persönlichen Ansprachen, aber auch mit baulichen Maßnahmen und auch mit restriktiven Eingriffen durch den Kommunalen Ordnungsdienst und die Polizei erreicht werden. Aber Aumann machte auch deutlich: „Der Gutspark ist ein schöner Ort, der zur Naherholung dient und offen ist für alle.“ Missbrauch dürfe aber nicht geduldet, sondern müsse verfolgt werden, forderte er.

Vorschlag wird geprüft

Um das Ganze einzudämmen, hat der Ortsrat vorgeschlagen, die Grillstelle an der Schutzhütte des Heimatvereins vollends zu beseitigen. Das soll nun geprüft werden.

Holger Janes, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, führte die verstärkte Nutzung der Freizeitanlage auch auf den hohen Anteil von Ausländernl in der Stadt zurück, „bei denen es zum Kulturkreis gehört, sich lieber im Freien aufzuhalten“. Was aber in den sozialen Medien zu lesen ist, sei oftmals erschreckend, spielte Aumann auf einige fremdenfeindlich anmutende Anmerkungen an.

„Nicht auf dem Rücken von Ausländern“

Für Zeljko Cudina ist das nicht haltbar. „Tragen Sie Ihren Wahlkampf nicht auf dem Rücken von Ausländern aus“, mahnte der Integrationsbeauftragte der Stadt Neunkirchen und er fügte an: „Der öffentliche Raum ist für alle da, aber man darf nicht trennen.“ (Bericht zur Sitzung folgt)