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Aktionen der Illinger Kunstschule zu Gunsten von Plant for the Planet

Plant for the planet : Alle wollen Waldis basteln

Die Illinger Kunstschule von Marliese Jung-Dörr engagiert sich für Plant-for-the-Planet. Hier wird kreativ gesammelt.

Sie sind der absolute Renner geworden, die Waldis. Das hätte selbst Marliese Jung-Dörr in dieser Form kaum erwartet. Umso mehr freut’s die Inhaberin der Illinger Kunstschule Kunst und Kultur an der Kirche, die selbst im Gespräch mit der SZ kommentiert: „Das ist der Knaller geworden.“ Dabei entstand die Idee mehr oder weniger zufällig und ohne großen Plan. Ein anderes Projekt war Corona-bedingt gestorben, Jung-Dörr spielte so ein bisschen mit dem Material und „peng“ war sie da, die zündende Idee. Zum einen sind die Waldi-Tüten für den guten Zweck und zum anderen – und das ist Jung-Dörr mindestens genauso wichtig – bringen sie etwas Freude und ein Lächeln in diese schweren Zeiten.

Doch was sind diese Walditüten? In den Walditüten sind Baumscheiben, kleine Baumscheiben: zwei zu je fünf/sechs Zentimeter und eine große. Dazu gibt es einen Info-Flyer. Aus den kleinen Scheiben werden Kopf und Bauch von nach Belieben zu bemalenden Figuren, aus den großen Baumkronen. Die fertigen Waldis kann man behalten oder aber wieder bei Jung-Dörr abgeben. Die montiert sie dann auf großen Baumscheiben zu Waldi-Landschaften.   Und mit den großen Scheiben, da fing eigentlich alles an. 60 dieser großen Scheiben hatte Jung-Dörr gespendet bekommen, die sollten eigentlich Kunstschülern Grundlage für Installationen sein. Da die gemeinsame Gestaltung aber zurzeit aus bekannten Gründen nicht möglich ist, kam Jung-Dörr die Waldi-Idee. 1000 Waldis sind bereits vorbestellt. Tamara Gotzmann vom Jugendbüro Illingen fand die Idee so toll, dass sie gebeten hat, dass sich das Jugendbüro dranhängen kann. Schulen und Kitas sind begeisterte Waldi-Fans. 260 Kinder der Illinger Grundschule basteln schon, 60 der Montessori-Schule Habach, Kindergarten und Grundschule Hüttigweiler sowie die Grundschule Wemmetsweiler sind dabei. Die Kosten, so erzählt Jung-Dörr, übernehmen in der Regel die Fördervereine der Einrichtungen. So können die Einkünfte aus dem Verkauf zu 100 Prozent ins Plant-for-the-Planet-Projekt fließen. Jung-Dörr ist begeistert vom Interesse und auch von dem, was da an gebastelten Waldis zurückkommt. „Das ist einfach traumhaft schön“, freut sie sich, „so was Liebevolles“. Für die Waldis hat Jung-Dörr ihre Garage, die eigentlich eher Ausstellungsraum ist, zur Waldi-Abholstation gemacht. Hier können die Leute die Tüten abholen, das Geld in bereitgestellte Spendenboxen werfen.   Zwei Euro kostet eine kleine Tüte, fünf eine große („meist werfen die Leute mehr in die Boxen“, freut sich die Künstlerin), dafür gibt es dann jeweils einen beziehungsweise drei Bäume fürs Projekt. 3000 Euro sind schon über die Waldis hereingekommen. Insgesamt 3762 Bäume haben die Illinger schon fürs Projekt gepflanzt.

Den Anfang machten gebastelte Spendenboxen. Nach dem selben Prinzip wie damals für die Brunnenbau-Aktion (wir berichteten). Nur dieses Mal der Aktion angepasst in viel Grün und mit Bäumen. 100 an der Zahl wurden dorthin verteilt, wo es sich bereits bei der letzten Aktion bewährt hatte: in Haushalte, Geschäfte, Schulen, Kindergärten. Die ersten sind auch bereits einmal geleert worden. Den ersten richtigen Kassensturz soll es noch vor Weihnachten geben. Bislang sind bereits 3700 Euro durch die Spendenbehälter eingegangen. Nach dem Kassensturz wird man dann sehen, ob die Behälter am Standort bleiben oder einen neuen suchen.

Zweite Aktion: 60 Acrylbilder zum Thema „Baum“ haben die Kinder und Jugendlichen der Kunstschule gemalt. Die werden meistbietend versteigert werden. Mit der Managerin des Saarpark-Centers Neunkirchen, Nicole Keller, hat Jung-Dörr schon klar gemacht: Sobald wie möglich nach dem Ende des Lockdowns werden die Bilder dort gezeigt werden. Müßiggang ist für Jung-Dörr ein Fremdwort. Die Solidarität ihrer Schüler und deren Eltern ist ihr ein besonderer Anreiz und die Erwähnung lässt sie im Telefonat mit der SZ kurz innehalten. „Man kann aus allem was machen“, so lautet ihr Credo. Im Lockdown im März/April hat sie übrigens Kunstunterricht per Facetime gehalten: Immer einzeln, pro Kind 20 Minuten. Nun soll die Gruppe aber jeweils wieder zusammenbleiben, deshalb hat sie es am Wochenende erstmals über die Zoom-Plattform probiert. „Da gab es noch ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber es wird.“ Über diese Online-Treffen werden die Schüler dann in diesem Monat die von Jung-Dörr verteilten Weihnachtskisten gemeinsam basteln.

Als ursprüngliches Jahresziel hatte Jung-Dörr das Pflanzen von 20 000 Bäumen ins Auge gefasst.  Ein hoch gestecktes Ziel, „aber wir sind auf einem guten Wege“, sagt Jung-Dörr. Zurzeit sind es 3762 Bäume – wer mitverfolgen will, wie es mehr und mehr werden, der kann dies auf der Facebook-Seite der Kunstschule tun. Bei Plant-for-the-Planet jedenfalls ist die Kunstschule im Schulranking bereits weltweit auf Platz eins.

Dass das auch so bleibt, dafür werden sicher nicht zuletzt die Waldis sorgen und ihr reißender Absatz. Und damit es keinen allzu großen Arbeitsstau gibt, muss Marliese Jung-Dörr dann auch zurück an die Arbeit: 300 Waldis wollen noch auf große Baumscheiben geklebt werden.

www.kunstkuki.de

Kunstschülerin Ida mit Spendenboxen, an denen jeweils der Ausweis der Kunstschüler angebracht ist, als Botschafter von Plant-for-the-Planet. Foto: Marliese Jung-dörr/Marliese Jung-Dörr
Marliese Jung-Dörr. Foto: Marliese Jung-dörr/Marliese Jung-Dörr
Die Abholstation in der Garage beziehungsweise dem Ausstellungsraum mit den Waldis und den Walditüten. Foto: Marliese Jung-Dörr

www.plant-for-the-planet.org