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Bostalsee
Tierische Strandbadgäste werden verscheucht

Wer bist denn du? Zu einer Tagesrandzeit watscheln Kanadagänse ungeniert ins Gonnesweiler Strandbad. Kontaktscheu sind sie nicht.
Wer bist denn du? Zu einer Tagesrandzeit watscheln Kanadagänse ungeniert ins Gonnesweiler Strandbad. Kontaktscheu sind sie nicht. FOTO: Nicole Blatt
Gonnesweiler/Uchtelfangen. Kanadagänse sind nicht schüchtern, fühlen sich wohl am Bostalsee. Doch ebenso wie den Nilgänsen mangelt es ihnen am Sauberkeitsempfinden. Von Evelyn Schneider

Ihre Stimme klingt begeistert, wenn die SZ-Leser-Reporterin aus Uchtelfangen von ihren Ausflügen an den Bostalsee berichtet. Sie habe einen Stammplatz im Gonnesweiler Strandbad im Schatten eines Baumes. Dort ist es immer schön. Eigentlich. Der Klang ihrer Stimme ändert sich, denn zuletzt habe sie ihre Auszeit am See nicht genießen können. Der Grund: die Hinterlassenschaften von Gänsen.


Genauer gesagt von Nil- und Kanadagänsen. Denn die lieben den Bostalsee ebenso sehr wie unsere Leser-Reporterin. Doch halten sie nichts von Sauberkeit im Strandbad. Wo sie gerade gehen und stehen, entleeren sie ihren Darm. „Wenn sie fressen, ist das etwa alle fünf Minuten der Fall“, weiß Hubertus Kuhn, der als Jagdaufseher für den Natur- und Wildschutz am Bostalsee zuständig ist. Zuletzt sind zwei, drei Beschwerden von Badegästen beim Freizeitzentrum Bostalsee eingegangen. „Wir haben sofort reagiert“, sagt Friedbert Becker, Erster Beigeordneter des Landkreises St. Wendel. Vermehrt seien jetzt Arbeiter der Wiaf, des Freizeitzentrum-Bauhofs und von idee.on eingesetzt, die alles sauber machen. Schon früh am Morgen sind sie in den Strandbädern im Einsatz. So ist an diesem Vormittag auch nichts zu sehen außer grüner Wiese. Die Nilgänse baden derweil im See.

Damit sie sich von den eingezäunten Liegewiesen fernhalten, setzen die Verantwortlichen am See auf „Vergrämen“. „Wir haben in der Vergangenheit schon einige Maßnahmen getestet“, so Becker. Rat gibt es dazu vom zuständigen Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA). Aktuell helfen beim Vergrämen auch Vierbeiner. So geht Uwe Balzer, Chef der Rettungswache am Bostalsee, mit seinem Hund ganz früh morgens die Strandbäder ab. „Durch das Vorbeilaufen des Hundes fühlen sich die Gänse gestört und ziehen sich zurück“, erklärt Balzer. Sein Engagement habe ihm schon Vorwürfe eingebracht. Passanten hätten ihn darauf hingewiesen, dass Hunde im Strandbad nichts zu suchen hätten.



Ebenfalls außerhalb des Badebetriebs wird Technik eingesetzt, um die Gänse zu vertreiben: Dann fliegt eine Drohne (ohne Kamera) über das Gelände. „Diese Idee haben wir aus Koblenz übernommen“, sagt Christian Kaster, Chef des Kreisrechtsausschusses. Der Drohnen-Flug habe ihnen schon Kritik eingebracht. Es gibt am See viele Interessen, auf die die Verantwortlichen Rücksicht nehmen müssen.

Gibt es weitere Ideen, um den Gänsen den Aufenthalt in den Bädern zu vermiesen? „Eine Möglichkeit sind aufblasbare Vogelscheuchen“, sagt Jagdaufseher Kuhn. Diese würden sich alle zehn Minuten automatisch aufblasen. Auf akustische Wirkung setzten Vorrichtungen, die alle zehn bis 15 Minuten einen Knall absetzen. Dieser sei richtig laut. „Am Bostalsee ist das schwierig. Wir müssen Rücksicht auf die Gäste nehmen“, sagt Michael Wagner, stellvertretender Leiter des Freizeitzentrums Bostalsee.

Damit den Besuchern der Badespaß nicht durch die Hinterlassenschaften der Gänse vermiest wird, werden die Tiere jetzt verstärkt verscheucht. Um die Erfolgsaussichten der Aktionen zu steigern, können die Gäste selbst auch etwas tun. „Die Gänse dürfen auf keinen Fall gefüttert werden“, betont Jurist Kaster. Denn die Aussicht auf Futter lässt die Tiere immer wieder in die Bäder watscheln. Dass sie dort für Extra-Arbeiten sorgen, ist übrigens nichts Neues.

„2010 hatten wir erstmals Probleme mit der Kanadagans“, erinnert sich Michael Wagner zurück. Aus Nordamerika eingewandert, fühlt sich die Vogelart hier richtig wohl. „Sie haben hier am See keine natürlichen Feinde. Es ist wie im Paradies“, nennt Kuhn einen Grund. In der Regel brüten die Tiere im April/Mai fernab der Gewässer. Wenn die Küken geschlüpft sind, kommen die erwachsenen Tiere in die Mauser. „Für 60 bis 70 Tage sind sie dann flugunfähig“, erläutert Kuhn. Danach fliegen sie mit den Jungen zu den Gewässern. „Im August/September sind sie dann wieder massiv am Bostalsee vertreten“, weiß der Jagdaufseher. Etwa zeitgleich mit der Kanadagans entdeckte ein weiterer Fremdling den Bostalsee für sich. Damals brütete ein Nilgans-Paar hier. Aktuell plantschen mehr als 40 Tiere im Wasser. Der Einwanderer aus Afrika weiß dieses Revier zu schätzen und zu verteidigen. „Die Nilgans ist aggressiv und verdrängt die heimische Stockente“, sagt Kuhn. Wenn sie allerdings scheinbar übers Wasser läuft, ist sie auch hübsch anzusehen. Und auf dem See darf sie ja auch gerne bleiben.

Zwei Nilgänse auf dem Bostalsee. Eine paddelt wild mit den Füßen im Wasser, die andere setzt zum Flug an.
Zwei Nilgänse auf dem Bostalsee. Eine paddelt wild mit den Füßen im Wasser, die andere setzt zum Flug an. FOTO: Evelyn Schneider
In Ufernähe auf Gonnesweiler See-Seite lassen sich die Nilgänse auf dem Wasser treiben.
In Ufernähe auf Gonnesweiler See-Seite lassen sich die Nilgänse auf dem Wasser treiben. FOTO: Evelyn Schneider