| 20:09 Uhr

Hilfe für Frauen in Not

Neunkirchen. "Es ist ein trauriger Hintergrund, aber auch ein freudiger Anlass, warum wir heute zusammengekommen sind, um zu feiern", erklärte Staatssekretärin Gabi Schäfer am Mittwochnachmittag in der Stummschen Reithalle in Neukirchen. Grund der Feierstunde war ein Jubiläum: 20 Jahre Frauenhaus Neunkirchen, 20 Jahre unbürokratische und schnelle Hilfe bei häuslicher Gewalt Von SZ-Mitarbeiterin Carolin Grell

Neunkirchen. "Es ist ein trauriger Hintergrund, aber auch ein freudiger Anlass, warum wir heute zusammengekommen sind, um zu feiern", erklärte Staatssekretärin Gabi Schäfer am Mittwochnachmittag in der Stummschen Reithalle in Neukirchen. Grund der Feierstunde war ein Jubiläum: 20 Jahre Frauenhaus Neunkirchen, 20 Jahre unbürokratische und schnelle Hilfe bei häuslicher Gewalt. Und mit ihrer Aussage stand Schäfer nicht allein da, denn sowohl Paul Quirin, Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo), als auch Landrat Rudolf Hinsberger betonten in ihren Grußworten zum Jubiläum, wie wichtig die Arbeit des Frauenhauses in Neunkirchen trotz ihres Hintergrundes der Gewalt an Frauen und Kinder in den vergangenen zwei Jahrzehnten war und auch noch immer ist. In den 20 Jahren, so hat Quirin nachgeschaut, konnte 1150 Frauen und 1318 Kindern Hilfe durch die Institution, die zunächst sehr umstritten war, angeboten werden. Zwar gab es bereits seit 1979 in Saarbrücken ein Frauenhaus, doch stand man in Neunkirchen der Sache anfangs sehr skeptisch gegenüber. "Ich kann mich noch gut an die Anfänge erinnern, als es damals hieß ,Wir brauchen doch kein Frauenhaus in Neunkirchen'. Doch inzwischen sind die Bürgermeister und auch der Landrat überzeugt von dieser wichtigen Einrichtung", erklärte er. "Ja, das war am Anfang nicht so einfach. Im Kreistag hatten wir größere Auseinandersetzungen und für viele war das Thema auch noch nach der Eröffnung sehr umstritten", erinnerte sich Hinsberger. Der Eröffnung waren bereits zwei Jahre eifriges Streben einiger Frauen, allen voran der verstorbenen Elvira Presser, vorausgegangen. Denn der Förderverein gründete sich bereits am 4. September 1987 unter dem Motto "Frauen helfen Frauen in Not". Nach zwei Jahren politischer Überzeugungsarbeit, aber auch nach der Suche nach einem geeigneten Haus sowie den Mitarbeitern konnte die Einrichtung schließlich eröffnet werden. Noch heute arbeitet der Verein ehrenamtlich und unterstützt die Neunkircher Einrichtung. Auch Sylvia Schmidt, in deren Händen von der ersten Stunde an die Leitung lag, weiß zu berichten, dass es gerade in den ersten Jahren nicht einfach für sie und die Mitarbeiterinnen war. "Man ist uns anfangs häufig mit Misstrauen und Vorurteilen begegnet. Viele vertraten die Meinung, dass man sich bei diesem Thema raushalten solle, es Privatsache sei." Doch sie bewies nicht zuletzt durch den engen Kontakt zu den beiden übrigen Frauenhäusern in Saarbrücken und Saarlouis einen langen Atem und kann jetzt zurückblicken auf eine gute Arbeit, aber auch eine Veränderung in Politik und Gesellschaft sowie einen Paradigmenwechsel. Vor allem die Enttabuisierung, das Gewaltschutzgesetz 2004 und die enge Zusammenarbeit mit der Polizei machen das Arbeiten ein wenig leichter. Doch entspannt zurücklehnen will und kann sich Schmidt mit ihren Mitarbeiterinnen nicht. "Die gerade veröffentlichte Gewaltstudie zeigt, wie viele Frauen betroffen sind. Zudem haben wir es auch oft mit Migrantinnen zu tun, müssen immer differenzierter arbeiten." Kontakt: Frauenhaus Neunkirchen (06821) 92 250. "Man ist uns anfangs häufig mit Misstrauen und Vorurteilen begegnet."Sylvia Schmidt, Leiterin des Frauenhauses