Hilfe bei Demenz im Landkreis Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfe bei Demenz-Erkrankung : Wenn sich Eltern selbst verlieren

Der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen bietet jetzt auch individuelle Fallbegleitung an.

An Demenz (lat. dementia, „ohne Geist“) Erkrankte und ihre Familien beraten und begleiten, das ist ein Arbeitsschwerpunkt des Demenzvereins im Landkreis Neunkirchen. Jetzt können Betroffene ein zusätzliches Angebot in Anspruch nehmen. Volker Schwarz von der Beratungstelle hat es im SZ-Redaktionsgespräch vorgestellt. Und dafür gleich seine Kollegin Petra Nix mitgebracht. Denn sie bringt dieses Angebot zu den Menschen, die es brauchen können und die es annehmen wollen.

„Seit 2018 haben wir die Stelle einer gerontopsychiatrischen Pflegefachkraft im Umfang eines Minijobs“, berichtet Schwarz. „Somit ist eine spezielle Demenzberatung möglich.“ Sie gehe über die Grundberatung hinaus, wie sie der Pflegestützpunkt leiste. „Ich nenne es Fallbegleitung“, sagt Petra Nix. In Fällen, bei denen sich Mutter oder Vater schleichend selbst verlieren. Es ist ein „aufsuchender Dienst“: „Ich besuche die Familie, schaue mir das Umfeld an, erlebe den kranken Menschen in seiner vertrauten Umgebung.“ Dann setze man sich zusammen: „Wir überlegen gemeinsam, was die Familie am meisten braucht. Ich kann Kontakte vermitteln zu Ärzten, zu Einrichtungen. Ich kann bei Begutachtungen dabei sein.“ Diese Begleitung ist auf Dauer angelegt: „Sie kann auch weitergehen, wenn der demente Mensch in eine stationäre Einrichtung kommt.“

Petra Nix hat einen Arbeitsplatz in der Beratungsstelle des Demenzvereins in der Martin-Luther-Straße Ottweiler. Hier ist sie angebunden, erledigt beispielsweise Dokumentationsarbeit. Sach- und Personalkosten übernimmt der Kreis. Dritte im Bunde ist hier neben Schwarz und Nix Netzwerkerin Felicitas Zumpf. Alle drei in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis, aber darüber hinaus mit einem außerordentlichen ehrenamtlichen Engagement.

Mit Petra Nix übernimmt eine Frau mit viel Erfahrung die spezielle Beratungs-Aufgabe. Die 54-Jährige ist ausgebildete Altenpflegerin „und ich hab mich immer schon in der Demenzarbeit gesehen“. Sie hat sich in der Gerontopsychiatrie fortgebildet (die befasst sich mit psychischen Erkrankungen, die typischerweise erst in der späten Lebensphase auftreten wie etwa Demenz). Sie hat stationär und ambulant gearbeitet. Hauptberuflich leitet Nix das Café Segen in Schiffweiler, ein Betreuungsangebot für Demenzkranke.

Etwa 3000 Menschen, schätzt Schwarz, leiden im Landkreis Neunkirchen an Demenz. Definiert ist die Erkrankung durch einen Abbau geistiger Funktionen, der dazu führt, dass Alltagskompetenzen mit der Zeit verlorengehen. Etwa 80 Prozent der Betroffenen werden im häuslichen Umfeld betreut und versorgt. Eine große Belastung für die Betreuenden und Versorgenden, meist Partner und Kinder. Es brauche noch mehr Entlastungsangebote, stellen Schwarz und Nix fest. Und noch mehr geschützte Räume.

Noch immer gibt es eine Dunkelziffer bei der Anzahl der Betroffenen, glaubt Nix. Wo die Familie den Erkrankten abschirmt, die Krankheit nicht wahrhaben und schon gar nicht nach außen erkennbar machen will. Allerdings, sagen Nix und Schwarz, ist diese Dunkelziffer zunehmend rückläufig, wird mit dieser Krankheit zunehmend offener in der Gesellschaft umgegangen.

Wie gelingen Beziehungen mit den Erkrankten? Manch einer aus dem Freundes-, Bekannten oder Kollegenkreis schafft es nicht, den Kontakt weiter zu pflegen. Nix kennt diese Situationen, ahnt die Gründe. Verunsicherung, wie gehe ich mit dem Menschen um? Angst, vielleicht etwas falsch zu machen. Nix: „Ich versuche, ihnen die Scheu zu neh-

men. Sie sagen, der Mensch wird anders, redet anders, verhält sich anders. Ich sage dann, der Mensch ist immer noch der gleiche, und mache Mut, diesen Mensch zu finden.“

Petra Nix. Foto: Claudia Emmerich

Kontakt: Demenzverein im Landkreis Neunkirchen, Telefon (0 68 24) 9 06-21 54, oder E-Mail demenzverein@landkreis-neunkirchen.de

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