Hausärztliche Versorgung im Landkreis Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Ärztliche Versorgung Landkreis Neunkirchen : Den Arzt im Dorf lassen – welches Rezept hilft?

Kassenärztliche Vereinigung ruft auch die Kommunen auf, aktiv zu werden. SZ-Umfrage in den Rathäusern unserer Region.

Im Saarland droht Hausärztemangel, vor allem in ländlichen Gebieten. Land und Kassenärztliche Vereinigung (KV) versuchen mit finanziellen Anreizen und innovativen Konzepten gegenzusteuern (die SZ berichtete, siehe „Info“). Wie sich Städte und Gemeinden im Kreis Neunkirchen versorgt fühlen, was sie leisten können und was nicht, das fragten wir in den Rathäusern nach.

Eppelborn (16 800 Einwohner): Bürgermeister Andreas Feld spricht von einer noch gesicherten ärztlichen Grundversorgung, jedoch fehlten weitere Fachärzte. Probleme gebe es beim Finden von Nachfolgern. Er sei derzeit mit einem Saarbrücker Facharzt im Gespräch, in Eppelborn eine Praxis zu eröffnen. „Die Gemeinde kann interessierten Ärzten bei der Suche nach Räumlichkeiten helfen, wobei die Gemeinde selbst keine Räume anbieten kann“, sagt Feld und verweist an einen Wirtschaftsförderer bei der Gemeinde, „der bei der Ansiedlung von Gewerbe oder Selbstständigen durch Beratung, Werbung und der Vernetzung mit anderen Stellen unterstützen kann“.

Illingen (16 700 Einwohner): „Illingen hat eine sehr gute Hausarzt-Versorgung, gleiches gilt für andere Fachärzte“, stellt Bürgermeister Armin König fest und schließt die Ortsteile ein. „Wir unterstützen Initiativen der KV und der Landesregierung gern, sehen aber keine Notwendigkeit, angestellte Ärzte zu beschäftigen. Das ist nicht unser Job. Wir unterstützen Ärzte bei Raumfragen. Neue Ärzte würden wir mit Kusshand nehmen, Urologie zum Beispiel.“ Entscheidend seien Standortfaktoren wie Schulen, Kita- und Krippenplätze, Kultur- und Kunstangebote, Naherholung oder funktionierender Einzelhandel. Und da stehe Illingen gut da. Illingen sei auch Rehastandort: „Wir haben es immer wieder geschafft, diesen Standort zu sichern.“ Illingen sei eine „gesunde Gemeinde“: „Das muss man aber immer wieder neu erarbeiten.“

Merchweiler (9900 Einwohner): „Mit Hausärzten ist die Gemeinde Merchweiler gut versorgt. Drei Hausarztpraxen in der Gemeinde leisten seit Jahren hervorragende Arbeit“, sagt Bürgermeister Patrick Weydmann. „Nachholbedarf haben wir bei Fachärzten. Wir haben schon zahlreiche erfolglose Versuche zur Ansiedlung unternommen.“

Neunkirchen (47 500 Einwohner): „Die Bündelung medizinischer Versorgung in einem Gebäudekomplex wurde mit dem ‚Zentrum am Boxberg‘ in Neunkirchen bereits vor Jahren realisiert“, sagt Oberbürgermeister Jörg Aumann. Zudem gebe es weitere Ärztezentren in Neunkirchen, etwa an den Bliesterrassen. Die drei Neunkircher Krankenhäuser ergänzten die Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus verfüge Neunkirchen auch über ein Angebot in der Breite an Hausärzten in den Stadtteilen. „Punktuell gab es in der Vergangenheit Praxen, die nicht unmittelbar wiederbesetzt wurden.“ Als Mittelzentrum beherberge Neunkirchen ein Angebot an Gütern und Dienstleistungen, die auch von Umlandgemeinden genutzt würden. Hierzu zählten auch medizinische Angebote, etwa Spezialpraxen wie radiologische Praxen.

Ottweiler (14 300 Einwohner): „Ein akuter Hausärzte- oder Ärztemangel ist keinesfalls gegeben“, sagt Bürgermeister Holger Schäfer „Auf Anfrage kann die Stadtverwaltung im Rahmen der Wirtschaftsförderung Hinweise auf mögliche freie Räumlichkeiten geben, ohne allerdings eine Maklerfunktion auszuüben.“

Schiffweiler (15 700 Einwohner): Laut KV hat die Gemeinde einen sehr guten Versorgungsgrad an Hausärzten, sagt Bürgermeister Markus Fuchs. Damit das so bleibe, „könnte man zum Beispiel über Praxisgemeinschaften statt Einzelpraxen nachdenken. Eine Bündelung der medizinischen Versorgung halte ich für sinnvoll. Hier sehe ich die Kommune in der Rolle des Moderators und Unterstützers.“ So könnte die Gemeinde bei der Suche nach geeigneten Immobilien behilflich sein. „In letzter Zeit werden auch immer wieder Stimmen laut, dass Städte und Gemeinden selbst Ärzte anstellen sollen. Hier denke ich, stoßen wir an unsere Grenzen, das ist kaum zu leisten.“ Und es gehe auch um Attraktivität der Gemeinde: „Ein Ort, an dem man gerne lebt und arbeitet.“ Dazu gehörten auch gute Infrastruktur, Kinderbetreuungsplätze und Freizeitmöglichkeiten.

Spiesen-Elversberg (13 000 Einwohner): „Akuter Handlungsbedarf ist derzeit nicht gegeben“, berichtet Bürgermeister Bernd Huf von einem Gespräch Anfang des Jahres mit der KV-Spitze. Spiesen-Elversberg sei demnach „noch sehr gut“ versorgt. „Trotzdem möchten wir bereits jetzt Schritte in Richtung Zukunftsmodell ,Gesundheitsdorf‘ einleiten.“ KV und Bürgermeister hätten sich darauf verständigt, „die Ärzte zu einer Kickoff-Veranstaltung einzuladen“: Thema: Wie kann eine bessere Vernetzung zwischen den Ärzten und zwischen den Ärzten und anderen Gesundheitsberufen in der Gemeinde gelingen? Können sich die Gesundheitsberufe vorstellen, innerhalb der Gemeinde ein Medizinisches Versorgungszentrum zu gründen? Gesundheitliche Versorgung vernetzter managen: „Unsere Aufgabe liegt in der Moderation.“