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Hans-Joachim Fuchs aus Neunkirchen repariert Haushaltsgeräte ehrenamtlich

Hans-Joachim Fuchs aus Neunkirchen eine Stütze im Reparaturcafé : Nicht nur ein Fuchs mit dem Werkzeug

Wo das Ehrenamt funktioniert, geht es der Gesellschaft gut. In Deutschland engagieren sich rund 31 Millionen Menschen in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl. Warum ehrenamtliches Engagement nicht nur sinnvoll ist, sondern Spaß macht, zeigen wir in einer Serie. Heute: Hans-Joachim Fuchs.

Still sitzen und nichts tun oder neudeutsch „chillen“, das ist nichts für Hans-Joachim Fuchs. „Ich wollte immer was erreichen und bewegen“, sagt der agile Rentner, der im modernen Trainingsanzug die Tür öffnet. Ob als Fußballtrainer unter anderem bei der pfälzischen Spielgemeinschaft, in der sich Miroslav Klose seine ersten Sporen verdiente oder im Beruf: Der Neunkircher wagte öfter etwas Neues.

Als gelernter Kfz-Elektriker wechselte Hans-Joachim Fuchs als junger Mann zu einer Gleisbaufirma und bildete sich an der Abendschule zum Schachtmeister (Polier) im Gleisbau weiter. Im Mai 1982 folgte der Vater zweier Söhne dem Ruf der Firma nach Ägypten, wo er für zweieinhalb Jahre als gefragter Spezialist für alle Maschinen rund um den Gleisbau arbeitete und die Menschen vor Ort auf den neuesten Stand der Technik brachte. Die Familie sah sich nur im Urlaub, die Ehefrau musste das Zuhause alleine managen. Eine stressreiche Zeit in einem völlig fremden Kulturkreis, aber missen möchte Hans-Joachim Fuchs sie auf keinen Fall. Pharaonenbilder an der Wohnzimmerwand erinnern daran. Mit einem ägyptischen Kollegen hält er bis heute Kontakt, und wäre die Corona-Pandemie nicht dazwischen gekommen, hätte das Ehepaar Fuchs den Urlaub in diesem Jahr in der „zweiten Heimat Ägypten“ verbracht. Jetzt bleibt die Hoffnung, dass es nächstes Jahr klappt.

Keine Zeit blieb in der Auslandszeit für das ehrenamtliche Engagement im Vereinssport. „Mein Hobby war und ist der Fußball“, sagt Fuchs, der selbst bis zum Jahr 1969 bei Borussia Neunkirchen gekickt hat und danach als Spielertrainer aktiv war. Trainiert hat er unter anderem von 1980 bis 1982 die SG Blaubach-Diedelkopf bei Kusel. Erwähnenswert deshalb, weil dies der Heimatverein von Miro Klose war, der 2014 mit der Nationalmannschaft Weltmeister wurde. „Ein Typ, den ich bewundere, weil er immer ein bisschen mehr gemacht hat als andere“, sagt Fuchs. Trainerstationen waren unter anderem Hierstein, Freisen und Oberkirchen. Hier trainierte er die sehr erfolgreiche Damenmannschaft bis zur Meisterschaft und zum Pokalsieg gegen den 1. FC Saarbrücken. „Das war mein schwierigstes Projekt“, erinnert sich Fuchs mit einem Lächeln. Auch im fortgeschrittenen Alter – Fuchs wird am 6. Dezember 78 Jahre alt – nimmt er an den Trainerfortbildungen teil, um seine Lizenz nicht zu verlieren. Stresserprobt übernahm der Fußballfan auch noch vor 36 Jahren den verantwortungsvollen Posten eines Schiedsrichters. „Sämtliche Ehrungen, die man als Schiedsrichter bekommen kann“, hat der Neunkircher erhalten. Sein Lieblingsverein in der Bundesliga ist übrigens der 1. FC Köln. Vor allem wegen Wolfgang Overath, der sich zunächst als Spieler und später als Präsident in den Dienst des Vereins stellte. Ein „Wasserträger“, wie Fuchs findet. „Ein Typ, der mir imponiert hat.“ Aber auch die alte Dame Borussia Neunkirchen liegt ihm am Herzen. Wenn möglich, ist Fuchs bei Heimspielen im Stadion.

Vor etwa zwei Jahren hat Hans-Joachim Fuchs eine neue Aufgabe entdeckt. Oder vielmehr wurde er entdeckt, denn Klaus Thielen von der Bürgerinitiative Neunkirchen Stadtmitte (BINS) sprach ihn auf der Neunkircher Messe an, ob er seine Fähigkeiten nicht im Reparaturcafé einbringen möchte. Was er denn so alles reparieren könne, wurde er von seinen späteren Kollegen im Kommzentrum gefragt. Da musste der Schachtmeister im Gleisbau herzlich lachen: „Fragt mich lieber, was ich nicht kann, die Liste ist kürzer.“ Seither hat Hans-Joachim Fuchs ehrenamtlich Lampen, Wasch- und Kaffeemaschinen, Uhren, die alte Vorkriegslampe, etcetera pepe repariert. Sogar eine Standuhr aus dem Jahr 1848 mit einem mechanischen Werk hat er wieder zum Schlagen gebracht. Die Standuhr hat er daheim auf dem Balkon repariert, da war genügend Platz. Jedes Pendel wog allein 6,3 Kilogramm. „Die läuft widder“, sagt Fuchs zufrieden. „Sonst hätt’ ich kä Ruh gebb.“ Der Wegwerfgesellschaft etwas entgegen setzen, das ist seine Motivation, im Reparaturcafé mit dem „tollen Team“ ehrenamtlich zu arbeiten. Und vor allem, den Menschen zu helfen, die selbst nicht in der Lage sind, irgendwelche Arbeiten zu machen. Wenn es nötig ist, fährt er auch zu Leuten, die nicht mehr mobil sind, und repariert den Lichtschalter, der flackert. Dann leuchtet nicht nur die Lampe wieder, sondern auch ein dankbares Lächeln.