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Winterdienst
Gemeinden wappnen sich für eisige Tage

Martin Lukas, Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofes Neunkirchen, mischt Streusalz mit Splitt. Das umweltfreundliche Gemisch sollte auch privat genutzt werden, um Gehwege rutschsicher zu machen.
Martin Lukas, Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofes Neunkirchen, mischt Streusalz mit Splitt. Das umweltfreundliche Gemisch sollte auch privat genutzt werden, um Gehwege rutschsicher zu machen. FOTO: Petra Alles
Neunkirchen. Die Salzlager der Städte und Gemeinden sind gefüllt. Die Winter der vergangenen Jahre haben den Kolonnen manches Rätsel aufgegeben. Einsatzbereit müssen sie immer sein. Von Petra Alles

Schwenken an Heiligabend und Schlittenfahren im März: Manche Überraschung hatten die Winter der vergangenen Jahre auf Lager. Die Betriebshöfe der Städte und Kommunen müssen auf alles gefasst sein, wie es auch kommen mag. Sie sind dafür verantwortlich, dass der Verkehr nicht zusammenbricht und die Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. „Ganz ehrlich: Nach den Erfahrungen der letzten Jahre rechne ich mit allem“, sagt Harald Schmidt, Abteilungsleiter für Entsorgung und technischen Dienst beim Zentralen Betriebshof Neunkirchen (ZBN). Er ist für die Organisation des Winterdienstes in Neunkirchen zuständig. Trotz der milden Winter der vergangenen Jahre sind die Einsätze nicht weniger geworden. Das berichten auch die Städte im Landkreis. Jörg Gutmann, kommissarischer Leiter der ZBN, spricht von mehr Reifglätte: „Zwischen minus vier und plus zwei Grad haben wir es meist mit einer feuchten Kälte zu tun. Dann müssen wir wegen der überfrierenden Nässe fast täglich ausrücken, manchmal auch zwei Mal.“ Dann wird aber kein Salz gestreut, sondern eine 22-prozentige Salzlösung, sogenannte Natriumchlorid-Sole, gesprüht. Sie ist umweltfreundlicher und legt sich gleichmäßig auf Fahrbahnen und  Fußwege. Der ZBN rüstet alle Streufahrzeuge mittlerweile zu Kombigeräten um. Die können sowohl Salz streuen als auch Sole sprühen.


Meldet der deutsche Wetterdienst doch einmal Eis und Schnee, rücken die insgesamt acht Streufahrzeuge für die Fahrbahnen, sechs Schlepper für Geh- und Fußwege und fünf Handstreukolonnen aus. Bis zu 170 Mitarbeiter kommen insgesamt zum Einsatz, um die ganze Stadt zu bewirtschaften. Zuerst werden die Strecken geräumt, die Priorität eins haben. Das trifft auf Straßen zu, die als „gefährlich und verkehrswichtig“ gelten, so Gutmann. Also Hauptstraßen, die entweder zu Feuerwehr, Polizei oder Krankenhäusern führen und schwer einzusehen, also kurvig oder hügelig, sind. Das sind in Neunkirchen immerhin 330 Kilometer Strecke. Erst wenn diese dauerhaft frei sind, werden Straßen mit Priorität zwei und drei bedient.

Der ZBN lagert in drei Silos derzeit 300 Tonnen Streusalz. Dazu kommen noch rund 100 Tonnen loses Salz für die Streukolonnen, das mit Splitt gemischt wird. „Das Gemisch ist weniger aggressiv und macht vereiste Flächen rutschsicher“, erklärt Schmidt. Auch andere Städte im Landkreis machen sich fit für den Winter: Ottweiler wappnet sich mit etwa 300 Tonnen Salz, zwei Unimogs, einem Lkw und Kleinfahrzeugen. Merchweiler hat noch 40 Tonnen Salz aus dem vergangenen Jahr und rückt mit zwei Lkw und Streukolonnen aus. In Schiffweiler hat man zu den 25 Tonnen Salz aus dem Vorjahr nochmal 25 Tonnen drauf gepackt. Dort sind sechs Fahrzeuge im Einsatz, gegebenenfalls werden noch zusätzliche angemietet.



Die Gemeinde Illingen ist mit vier Fahrzeugen, einem Traktor und 18 Mitarbeitern unterwegs. Sie rüsten sich mit etwa 200 Tonnen Salz. In Spiesen-Elversberg reicht der Salzvorrat aus dem Vorjahr, ungefähr 40 Tonnen, noch für die kommende Zeit; im Vorjahr gab es deutlich weniger Einsätze als sonst. Zwei Räumfahrzeuge, zwei Kleinschieber und zwei Mannschaftsfahrzeuge für die Fußkolonne stehen im Fuhrpark bereit. Eppelborn sieht den kalten Monaten gelassen entgegen. Rund 220 Tonnen Streusalz sind auf dem Baubetriebshof eingelagert. 30 Mitarbeiter des Bauhofes stehen bereit, 20 von ihnen befinden sich bei entsprechender Witterung in Rufbereitschaft. Mit zwei Groß- und drei Kleinstreufahrzeugen sowie weiteren drei Kolonnenfahrzeugen sorgen sie im Gemeindegebiet für fließenden Verkehr.

Alle Städte und Gemeinden im Kreis stellen Salzkisten auf. Besonders in Straßen, die nicht von dem Winterdienst erreicht oder bewirtschaftet werden, sind sie Hilfe zur Selbsthilfe. Außerdem weisen die Betriebshöfe darauf hin, dass die Streuarbeiten häufig von Falschparkern behindert werden. Gefährlich wird es in engen, kurvigen Straßen. „Die Streufahrzeuge können in blockierten Straßen nicht wenden. Sie dürfen nicht rückwärts fahren, ohne dass der Einsatzleiter vor Ort kommt und das Fahrzeug aus der Straße lotst. Das kostet uns wertvolle Zeit, manchmal bis zu eine Stunde“, beschreibt ZBN-Abteilungsleiter Schmidt die Problematik.