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Große Sause
Geburtstag feiern in Badehose und Bikini

Ein „Köpper“ durfte nicht fehlen beim Fest anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Freibads Heinitz.. Das Wetter war perfekt für die Party.
Ein „Köpper“ durfte nicht fehlen beim Fest anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Freibads Heinitz.. Das Wetter war perfekt für die Party. FOTO: Jörg Jacobi
Heinitz. Heinitz beging den 70. Geburtstag seines Freibads mit einer familiären Poolparty in großem Stil. Von Anja Kernig

Man weiß es nicht – ob den ersten tatsächlich weitere 70 Jahre Badefreuden folgen werden, wie es sich Michaela Frommelt, Vorsitzende der Bürgerinitiative, in ihrer Willkommensrede anlässlich der Open Air-Geburtstagsparty wünschte. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gar nicht so übel. Liegt es doch vielen Zeitgenossen am Herzen, dieses winzige, schnuckelige Freibad, das dem drohenden Schließungstod 2013 dank immensen Bürgerengagements in letzter Minute von der Schippe gesprungen ist. Ein Grund mehr, es zum 70. so richtig krachen zu lassen. Und das war am Samstag der Fall - mit großer Tombola und Grillwürstchen, Tanzkursen des DJK Tanzkreises Sulzbachtal und Cocktails, und, passgenau zum Jubiläum, dem 5000. Besucher in diesem Jahr.


Für große Augen und etwas Nervenkitzel sorgte der Neu-Heinitzer Alan Redzepovic von der Falknerei im Zoo. Sein Helfer- und Fotografen-Team bot Fotoshootings mit einem permanent um Futter bettelnden Bunt- und einem Lannerfalken sowie Zuri, einer possierlichen Weißgesichtseule, an. Eigens zum Tag hatte Günter Reinecke zudem einen Film produziert. So konnte man in der Männerumkleide die Entwicklung des denkmalgeschützten Freibads bis zur Wiedereröffnung in Endlosschleife verfolgen. Nach der Übernahme des ehemals nur Bergwerksangehörigen vorbehaltenen Bades 1964 durch die Stadt war Reinecke der erste Schwimmmeister.

Nicht herum kam man um die obligatorischen Ansprachen, denen jedoch allen ein hohes emotionales Level gemein war. Untermalt von Kinder-Jauchzern (zeitgleich wurde munter ins kühle Nass gesprungen), outete sich etwa Jörg Aumann als Fan der Bürgerinitiative Freibad Heinitz. Dabei sah es noch vor sechs Jahren alles andere als rosig aus, erinnerte sich der Bürgermeister gut an einen Besuch vor Ort. Damals sei die Verwaltung drauf und dran gewesen, das Bad wegen aufgelaufener Sanierungskosten zu opfern. Verfüge man doch mit dem Wiebelskircher und der Lakai über zwei ausreichend große, top moderne Freibäder. „Aber da haben wir die Heinitzer falsch eingeschätzt“, dachte Aumann an lebhafte Diskussionen zurück, die hart, aber „nie beleidigend“ gewesen waren. „Ein Ruck“ sei nach der erkämpften Zusage des Erhalts durch den Stadtteil gegangen, der nicht nur in Sachen Bad viele positive Energien freigesetzt habe.



Etliche Tränen verdrückt wurden bei der Verabschiedung des „Eismännje“ Ignazio Recca. Nach fast 50 Jahren Eis auf Rädern drückte der am Wochenende die letzten Bällchen in die Waffel. Große Fußstapfen sind es, die der schmächtige Italiener mit seinem freundlichen, hilfsbereiten und so herzlichem Wesen hinterlässt. Die „Stelle“ sei noch vakant, verlautbarte es aus dem Kreis der Badfreunde. Ansonsten geht jedoch alles seinen Gang, versicherte Michaela Frommelt. Soll heißen: Die Arbeit höret nimmer auf. „Das Becken muss jedes Jahr neu gestrichen werden und auch der Zaun ist noch nicht komplett fertig“, nannte die Vorsitzende nur zwei Baustellen. Ohne dass freiwillige Helfer ihre Freizeit zur Verfügung stellen, wird es auch in Zukunft nicht gehen. Zum Glück gibt es jemanden, „der jedes Jahr die Pumpe ausbaut, wartet und wieder einbaut“. Für 2019 habe sich auch schon jemand gemeldet, „der das Kinderplanschbecken renovieren möchte. Und ein neuer Sandkasten ist in Planung“. Wobei das alles Kosten verursacht, die der Erlös der Geburtstagsparty allein nicht decken kann. So hoffe man auch weiterhin auf zahlreiche Sponsoren, die sich, so Michaela Frommelt, gern ein Beispiel an der immer wieder zur Stelle gewesenen Sparkasse nehmen können.