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Ganztägiger Warnstreik legt weite Teile der Neunkircher Verwaltung lahm

Verdi-Warnstreik : Öffentlicher Dienst fordert mehr als nur Lob

Mit einem ganztägigen Warnstreik machten weite Teile der Neunkircher Stadtverwaltung Druck im momentanen Tarifkonflikt.

Keine Einigung herrscht derzeit im Tarifstreit zwischen den kommunalen Arbeitgebern und den Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaft ver.di fordert 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 150 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten. Die Kommunalen Arbeitgeber lehnen die Forderungen als „völlig überzogen“ ab. Nach dem ergebnislosen Ende der zweiten Tarifsverhandlungsrunde hatte ver.di daher zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Am gestrigen Dienstag legten nun auch weite Teile der Neunkircher Stadtverwaltung ihre Arbeit nieder, um den Gewerkschaftsforderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Auch die Stadtreinigung, der Baubetriebshof, die Kommunale Energie- und Wasserversorgung KWE, die Wasserversorgung Ostsaar sowie knapp die Hälfte der kommunalen Kindertagesstätten beteiligten sich an dem ganztägigen Warnstreik. So blieben etwa die Einrichtungen in Münchwies, Heinitz, Wellesweiler, Wiebelskirchen und die Nachmittagsbetreuung in Wellesweiler geschlossen (wir berichteten).

Auf dem Lübbener Platz in der Neunkircher Innenstadt versammelten sich derweil schätzungsweise über 100 Personen zu einer von verdi Neunkirchen organisierten Kundgebung. An dieser nahmen neben Vertretern von ver.di unter anderen auch Mitglieder der Gewerkschafft Erziehung und Wissenschaft (GEW) teil. Scharf kritiserte ver.di-Landesbezirksleiter Michael Blug in seiner Rede zu Beginn der Kundgebung die jüngsten Aussagen des Präsidenten der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Ulrich Mägde. Der Lüneburger Oberbürgermeister hatte in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ erklärt, dass sich Wertschätzung nicht immer durch eine Entgeltsteigerung zeige, sondern eben auch durch einen sicheren Arbeitsplatz. „Das ist eine Unverschämtheit“, kritisiert Blug. Alleine vom Klatschen und Loben könnten die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes keine Miete oder Rechnungen bezahlen. Deswegen sei es wichtig auch in Neunkirchen ein Zeichen zu setzen und zu signalisieren, „dass wir es wert sind“, erklärte der ver.di-Landesbezirksleiter. Bernd Schumann, Personalratsvorsitzende bei ver.di, ergänzt: Die Krise durch die momentane Corona-Pandemie habe „wie durch ein Brennglas deutlich gemacht“, dass auch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst „systemrelevant“ seien, die das Leben „in der Stadt Neunkirchen am Laufen halten“.

Stefan Schorr, Tarifkoordinator öffentlicher Dienst für ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland, zeigte sich im Anschluss der Kundgebung sichtbar zufrieden. Alle Beteiligten hätten sich vorbildlich an geltenden Hygienebestimmungen und Maskenpflicht gehalten. Gerne hätte man seitens ver.di auf den Streik und geschlossene Kitas in der jetzigen Corona-Situation verzichtet, doch von Seiten der öffentlichen Arbeitgeber werde weiterhin „gemauert“, wie Schorr unserer Zeitung erklärt. Beschwerden von Eltern habe er wegen den geschlossenen Kitas bisher keine bekommen. Zudem habe man im Vorfeld die Eltern der betroffenen Kitas schriftlich „vorgewarnt“, erklärt Schorr. „Dass das natürlich nicht jedem gefällt ist mir klar. Der Druck sollte aber auf die Arbeitgeber gehen. Denn wenn wir jetzt nichts machen, wird uns das nicht gedankt werden.“ Am 22. Oktober sollen die Tarifverhandlungen in Potsdam fortgesetzt werden.