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Leichtathletik
Ganz nah an der „magischen“ Grenze

Ottweiler. Zehnkämpfer Marvin Bollinger aus Ottweiler will in diesem Jahr die Marke von 8000 Punkten angreifen. Von Manuel Keil

Marvin Bollinger aus Ottweiler kann auf sein bisher bestes Jahr im Zehnkampf zurückblicken. Zweimal konnte der 21-Jährige von LAZ Saar 05 die U23-EM-Norm von 7600 Punkten übertreffen. Das reichte zwar nicht für einen der drei deutschen Startplätze, dennoch zieht er ein positives Saisonfazit. „Ich bin super zufrieden mit 2017, weil ich zweimal eine Bestleistung mit so hoher Punktzahl geschafft habe“, sagt er. Ziel sei genau die Norm gewesen. Seine alte Bestmarke vom 7208 Punkten steigerte er in Püttlingen zunächst auf 7715 und einen Monat später in Bernhausen auf 7735 Punkte.



„Die verpasste EM hat es mir ermöglicht, die Universiade als Event zu erleben, auch wenn es da nicht so gut lief“, schwärmt er noch heute von seinem Start bei den Weltspielen der Studenten in Taipeh (Taiwan). „Alleine die Begrüßung am Flughafen war schon Wahnsinn. Dann die riesige Eröffnungsfeier mit dem Team Deutschland im vollen Stadion.“ Seinen Zehnkampf musste er dort in aussichtsreicher Position liegend nach 2,04 Metern im Hochsprung abbrechen, weil eine alte Verletzung wieder aufgebrochen ist. Dennoch hat dieses Erlebnis seinen Traum neu aufleben lassen, irgendwann einmal bei den Olympischen Spielen zu starten.

Mit der Leichtathletik hat Marvin Bollinger schon im Alter von sechs Jahren beim TV Ottweiler in der LG Saar 70 begonnen. „So mit 13 Jahren ging es dann richtig los. Seitdem begeistert mich die Leichtathletik“, erinnert er sich. Mit 15 Jahren wechselte er an die Eliteschule des Sports nach Saarbrücken, zog ein Jahr danach dort aufs Internat und wechselte später auch den Verein. Zum Mehrkampf ist er über den ehemaligen Zehnkämpfer Roland Schwarzl gekommen. „Roland war damals im Verband für Weit- und Hochsprung zuständig, wo ich ganz gut war.“ Unter ihm schaffte er es 2015 erstmals in die Nationalmannschaft und wurde Zehnter bei der U20-EM, bevor Lars Albert das Training übernahm.

Mit ihm startete auch die Vorbereitung auf die neue Saison, vor kurzem kam es nach Differenzen aber zur Trennung. Seitdem unterstützt Uli Knapp ihn bei der Planung, das Training übernehmen aber hauptsächlich die Disziplintrainer vor Ort, zum Beispiel Lothar Altmeyer den Wurfbereich und Tanja Horbach die Hürden. Da es 2018 keine internationalen U23-Meisterschaften gibt, hat er sich eine Medaille bei der Mehrkampf-DM als Ziel gesetzt und will die magische Marke von 8000 Punkten angreifen. „Die beiden Hallenwettkämpfe haben mir gezeigt, dass ich auf einem guten Weg bin“, findet er. In seiner Lieblingsdisziplin, dem Stabhochsprung, hat er sogar fast eine neue Bestleistung aufgestellt. Defizite sieht er noch im Schnelligkeitsbereich, wo er sich verbessern will, genau wie auf seiner Hassliebe, den 400 Metern. Nimmt man seine Einzelbestleistungen, die er bis auf die 100 Meter und den Diskuswurf alle in Mehrkämpfen aufgestellt hat, käme er bereits jetzt auf einen potentiellen 7921 Punkte Zehnkampf. Um seine Ziele zu erreichen, ist sein duales Studium der Sportökonomie als LSVS-Stipendiat ganz auf den Leistungssport ausgerichtet. Den Praxisteil kann er als Nachwuchstrainer in seinem Verein absolvieren, so dass er ausreichend Zeit für seine bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche hat. An freien Wochenenden freut er sich besonders etwas mit seiner Freundin oder mit seiner französischen Bulldogge Ted zu unternehmen.