Friedhöfe und alternative Grabarten im Landkreis Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Bestattungskultur im Wandel : Mehr Leerstand bei der letzten Ruhe

Weg vom Sarg, hin zur Urne und alternativen Grabarten – diesen Trend spüren alle Kommunen im Kreis auf ihren Friedhöfen. Und den Kostendruck.

Der Trend beim Bestatten geht zu pflegeleicht, kostengünstig, individuell. Dadurch entstehen Freiflächen. Herausforderung für die Städte und Gemeinden, ihre Stätten der letzten Ruhe zukunftssicher zu machen. Nach der Kreisstadt Neunkirchen (wir berichteten, SZ vom 31. Oktober/1. November) hat unsere Zeitung jetzt in den Rathäusern der anderen sechs Kommunen im Landkreis Neunkirchen nachgefragt. Fazit: Alle spüren Kostendruck.

Eppelborn Die Gemeinde Eppelborn unterhält sechs Friedhöfe – Bubach (6000 m²), Calmesweiler (7500 m²), Eppelborn (24.500 m²), Dirmingen (11 000 m²), Humes (7000 m²), Wiesbach (15 000 m²). Gesamtfläche 7,1 Hektar, Gesamtzahl Gräber 5500. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 207 Verstorbenen beigesetzt: 52 Sargbestattungen (25 Prozent) und 155 Urnenbeisetzungen (75 Prozent). Im Jahr 2009 lautete das Verhältnis noch 60 Prozent Erdbestattungen und 40 Prozent Urnenbeisetzungen. „Aktuell gibt es keinen Flächenüberhang auf den Friedhöfen“, schreibt die Gemeinde. „Aufgrund der gestiegenen Zahl von Urnenbeisetzungen mussten insbesondere kleine Friedhöfe nicht erweitert werden. Auf den beiden größeren Friedhöfen wurden mehrfach belegte und abgeräumte Grabfelder mit Blumenwiesen angesät, die vom Baubetriebshof nur einmal im Jahr – vorher 12 bis 15 mal – gemäht werden müssen. Zwei größere, abgeräumte Grabfelder wurden als Baumgrabfelder ausgewiesen und mit großkronigen Bäumen bepflanzt.“

Illingen Die Gemeinde Illingen betreibt insgesamt sechs Friedhöfe (Illingen, Uchtelfangen, Wustweiler, Hüttigweiler, Hirzweiler und Welschbach) mit einer Fläche von circa 78 Hektar. Die kommunalen Friedhöfe sind aktuell mit etwa 6700 Gräbern belegt, davon 370 Kammern in Urnenwänden oder Urnenstelen. Die Wahl von sogenannten Mehrfach- oder Familiengräbern ging in den letzten Jahren fast auf null zurück, viele Familiengräber wurden auf Antrag auch vorzeitig abgeräumt. Der Trend hin zu Urnenbestattungen ist ungebrochen, der Anteil stieg von 44,6 Prozent im Jahr 2014 auf 66,4 Prozent im Jahr 2018. „Es gibt Felder für Urnenrasengräber und Baumbestattungen, weitere Gestaltungsvorschläge sind in der Diskussion“, heißt es aus dem Rathaus. Der Gemeinderat habe eine eigene Friedhofskommission gebildet, um überschüssige Flächen- und Einrichtungskapazitäten und auch die Anpassung der Friedhofssatzung zu beraten. „Die Hinwendung zu den neuen und auch günstigeren Bestattungsarten führt jedoch zu einer erheblichen Reduzierung des Gebührenaufkommens. Um die Pflege- und Unterhaltungskosten abzufedern, werden daher sogenannte Randflächen etwas extensiver gepflegt, auch bieten sich Chancen, durch geänderte Bepflanzung (Blumenwiese, Bäume) etwas für den Naturschutz zu tun.“

Merchweiler Die Gemeinde Merchweiler unterhält in jedem Ortsteil einen Friedhof. Der Friedhof Merchweiler (27 800 m2) und der Friedhof in Wemmetsweiler (19 350 m2) zählen zusammen 3042 Gräber. Im Jahr 2018 gab es 39 Erd- und 112 Urnenbestattungen. „Der Trend geht immer mehr in Richtung Urnenbestattungen Natürlich hat auch Merchweiler hierdurch einen Flächenüberhang, der im Ortsteil Merchweiler besonders gravierend ist“, heißt es aus dem Rathaus. „Wir sind bemüht, die Anlagen pflegeleicht zu gestalten, um die Kosten im Rahmen zu halten.“

Ottweiler Jeder Ottweiler Stadtteil hat einen Friedhof: Ottweiler Seminarstraße (36 808 m²), Neumünster (5880 m²), Mainzweiler (11 154 m²), Steinbach (10 248 m²), Fürth (12 014 m²) und Lautenbach (6734 m²). Derzeit sind insgesamt rund 6100 Grabstellen belegt. In 2018 gab es insgesamt 195 Beisetzungen, davon 115 Urnen- und 80 Erdbestattungen. „Der Trend zur Urne hält an“, schreibt die Stadt. „Dadurch gibt es einen Flächenüberhang und somit einen erhöhten Pflegeaufwand für die Gärtnerkolonne der Stadtverwaltung.“

Schiffweiler Die Gemeinde Schiffweiler unterhält in jedem ihrer vier Ortsteile einen Friedhof – Stennweiler (1,3 ha), Heiligenwald (2,7 ha), Schiffweiler (3,4 ha) und Landsweiler-Reden (2,9 ha). Derzeit sind insgesamt 3885 Gräber belegt. Der Trend zur Urnenbeisetzung bestätigt sich auf allen vier Friedhöfen. Im Jahr 2018 sind insgesamt 52 Erd- und 169 Urnenbestattungen dokumentiert. „Auch in Schiffweiler gibt es auf den Friedhöfen einen Flächenüberhang“, schreibt die Gemeinde. „Geplant ist, diese Flächen auslaufen zu lassen, damit keine enormen Pflegekosten auf die Gemeinde zukommen. Des Weiteren werden jetzt schon Randbereiche ausgespart. Es wird sich darauf konzentriert, soweit es geht, Flächen im Friedhofskern neu zu belegen.“

Die Bestattungskultur in Deutschland befindet sich im Wandel. Die Friedhöfe müssen darauf reagieren. Foto: picture alliance / dpa/Aleksandra Bakmaz

Spiesen-Elversberg Die Gemeinde Spiesen-Elversberg unterhält in jedem Ortsteil einen Friedhof: Friedhof Gänsberg in Spiesen (3,53 ha) und Hauptfriedhof in Elversberg (5,13 ha). Im Jahr 2018 haben 81 Prozent der Angehörigen sich für eine Urnenbestattung entschieden. In den vergangenen Jahren ist dieser Anteil gewachsen. „Durch das Aufstellen von Urnenwänden bleiben viele vorhandene Grünflächen ungenutzt, die früher für Erdbestattungen genutzt, aber mittlerweile durch Ablauf der Ruhefrist eingeebnet worden sind“, heißt es aus dem Rathaus. „Dies hat zur Folge, dass die Flächen trotzdem gepflegt werden müssen und dadurch hohe Kosten entstehen.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung