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Neunkirchen
„Das Interesse am FSJ wird geringer“

Die FSJler Jana Conrad (links) und Zelal Geyik kümmern sich um die einen Tag junge Johanna Schirra.
Die FSJler Jana Conrad (links) und Zelal Geyik kümmern sich um die einen Tag junge Johanna Schirra. FOTO: Marc Prams
Neunkirchen. Immer weniger junge Leute entscheiden sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr, wobei das eine gute Wahl sein kann. Von Marc Prams

Eigentlich hatte Zelal Geyik ganz andere Pläne. Nach dem Abi am Neunkircher Steinwald-Gymnasium wollte sie ein Medizin-Studium beginnen. Aber mit ihrem Abi-Schnitt von 1,5 klappte es nicht mit dem Studienplatz. „So wird es einem in der Schule ja beigebracht: Erst Abi, dann Studium – zack, zack“, sagt die 19-Jährige. Da jedoch eh nicht immer alles nach Plan verläuft, musste Zelal eine Alternative suchen. Die lautete für sie: FSJ. Ein Freiwilliges Soziales Jahr, das sie noch bis August an der Marienhausklinik in Kohlhof absolviert. Und das hat sich für Zelal ausgezahlt. „Mir hat dieses Jahr richtig gut gefallen. Ich wurde in meinem Entschluss, Medizin zu studieren, noch einmal bestätigt. Man lernt nicht nur viel über den Umgang mit Menschen, sondern bekommt auch ein ganz anderes Selbstbewusstsein“, sagt Zelal und fügt hinzu: „Im FSJ lernt man, dass man auf diesen gesellschaftlichen Druck nicht eingehen muss, sondern das tun sollte, was einen glücklich macht.“ Sie findet außerdem, man merke es angehenden Ärzten im Umgang mit Patienten an, ob sie vorher FSJler waren oder nicht.


Die Frage „FSJ oder nicht?“ stellen sich nach Ansicht von Frank Kiehl jedoch immer weniger junge Leute. Kiehl koordiniert für die  Marienhaus GmbH alle FSJler im Saarland. Das sind 120 Stellen in der Pflege, in der Erziehung und im Beratungsdienst, die immer schwerer zu besetzen seien. „Das Interesse am Freiwilligen Sozialen Jahr wird bundesweit immer geringer“, meint Kiehl. Dabei gebe es viele Gründe, die dafür sprächen. „Wer ein FSJ macht, leistet ein Ehrenamt für die Gesellschaft. Das wiegt viel im Lebenslauf“, sagt er.

Aber ist die Bezahlung von 300 Euro im Monat plus Sozialleistungen nicht etwas gering? „Sicher, 300 Euro ist nicht die Welt. Aber es gibt die  gesetzliche Regelung, dass ein FSJler kein Arbeitsplatz ersetzen darf“, erklärt Kiehl. Er würde es begrüßen, wenn man den jungen Leuten an anderer Stelle entgegen käme. Sei es mit vergünstigten Tarifen im ÖPNV oder mit günstigeren Eintrittspreisen in öffentlichen Einrichtungen. Klar sei aber schon, dass niemand ein FSJ des Geldes wegen machen würde, sondern eher, um Erfahrungen zu sammeln, „und um zwischen Schule und Studium mal ein Jahr ohne Theorie zu haben, in dem man sich überlegen kann, was man machen möchte“.



Die Zeit zum Nachdenken hat auch Jana Conrad genutzt. Nach dem Abitur in Homburg und einer Lehre als Tiermedizinische Fachangestellte wollte sie Tiermedizin studieren. Auch sie hatte Wartesemester und entschied sich daher für ein FSJ, das sie sogar um drei Monate verlängerte. „Mir hat die Zeit hier so gut gefallen, dass ich mich entschieden habe, mich für ein Studium der Humanmedizin zu bewerben“, sagt die 21-Jährige.

Und damit ist sie kein Einzelfall. „FSJler bekommen in ihrer Zeit mit, was ein pflegerischer Beruf von einem abverlangt. Dennoch bleiben 80 Prozent von ihnen später in sozialen Berufen“, weiß Frank Kiehl. Es sei aber auch okay, wenn man in der Zeit feststellen würde, dass dieser Beruf einem nicht liegt. Das passiere mitunter schon nach wenigen Wochen. „In dem Fall bemühen wir uns natürlich, die Leute in einem anderen Bereich unterzubringen. Etwa im Beratungsdienst, in der Verwaltung oder auch im technischen Dienst.“

Für Zelal Geyik und Jana Conrad endet bald die Zeit im FSJ. Von ihren gesammelten Erfahrungen werden sie noch lange profitieren, da sind sich beide sicher. Und selbst wenn die Bezahlung gering ist: Ein süßer Blick von der gerade mal einen Tag jungen Johanna Schirra, um die sich die beiden beim SZ-Termin auf der Babystation kümmern, ist ohnehin unbezahlbar.

Wer sich für ein FSJ interessiert erhält beim Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie unter www.saarland.de alle Infos. Ansprechpartner bei der Marienhaus GmbH ist Frank Kiehl unter Tel. (01 51) 46 71 14 76, Frank.Kiehl@marienhaus.de.