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Frauenbeauftragte machen in Neunkirchen auf ungleiche Bezahlung aufmerksam

Equal Pay Day in Neunkirchen : Frauen fehlt ein großes Stück vom Euro

Internationaler Aktionstag: Frauenbeauftragte machen in Neunkirchen auf ungleiche Bezahlung aufmerksam.

Der 17. März 2020 ist der ideale Tag, um darüber nachzudenken, warum Frauen immer noch ein Stück vom Euro fehlt. Auf dieses Datum fällt in diesem Jahr der „Equal Pay Day“, der internationale Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Umgerechnet sind es nämlich 77 Tage, die Frauen in diesem Jahr umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Diese Ungleichheit hat sich vor allem in der freien Wirtschaft nicht gebessert. Annette Pirrong, Frauenbeauftragte der Stadt Neunkirchen, und ihre Kollegin Heike Neurohr-Kleer vom Landkreis Neunkirchen beteiligen sich am Dienstag von 16 bis 18 Uhr an einem Infostand des „FrauenNetzWerks Landkreis Neunkirchen“ auf dem Stummplatz. Vorab erläuterten sie im SZ-Gespräch, warum Frauen fast ein Viertel weniger als Männer verdienen und was man dagegen tun könnte.

Das sogenannte Gender-Pay-Gap (zu Deutsch: Geschlechter-Lohnlücke) beläuft sich laut Statistischem Bundesamt seit dem Jahr 2002 unverändert auf knapp 21 Prozent – im Landkreis Neunkirchen liegt sie sogar bei ungefähr einem Viertel. Das heißt, dass bei gleicher Ausbildung und gleicher Qualifikation der männliche Arbeitnehmer einige Hundert Euro mehr auf dem Lohnzettel hat als eine Frau. Doch nicht nur die ungleiche Bezahlung ist ein Grund für die Schlechterstellung der Frauen. „Wichtig wäre es, Berufe, in den vorwiegend Frauen beschäftigt sind, aufzuwerten“, betont Pirrung. Dies gilt vor allem für Pflegeberufe. Niedrigeinkommen trotz Vollzeit betrifft Frauen weitaus häufiger als Männer: 25 Prozent der Frauen, aber nur 14 Prozent der Männer verdienen monatlich weniger als 2000 Euro. Und im Fall von Erwerbslosigkeit oder einer Beschäftigung von weniger als 15 Stunden pro Woche (etwa bei alleinerziehenden Müttern) sind Frauen deutlich häufiger auf die Unterstützung durch Angehörige angewiesen als Männer (49 zu 30 Prozent).

Die wichtigste Ursache, warum weitaus mehr Frauen von Altersarmut betroffen sind als Männer, ist der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigung. Fast jede zweite Frau in Deutschland (46 Prozent) arbeitet in Teilzeit, aber nur jeder neunte Mann (11 Prozent). Die hohe Teilzeitquote der Frauen ist seit Jahren fast konstant, während Teilzeit unter Männern leicht ansteigt. Während früher die Elternschaft der Hauptbeweggrund war, im Beruf kürzer zu treten, kommt nun die Pflege von Angehörigen mehr und mehr dazu. Heike Neurohr-Kleer appelliert an die jüngere Generation, „es besser zu machen als wir selbst“ bei der partnerschaftlichen Arbeitsteilung. „Damit Frauen eine bessere Chance haben, Vollzeit arbeiten zu gehen.“ Hier spiele natürlich auch der Ausbau der Kinderbetreuung eine große Rolle, betont Annette Pirrung. Und wenn die Frau weniger verdient, bleibt sie eher zuhause. Das Ehegattensplittung trage ebenfalls dazu bei.

Ein Thema, das beim „Equal Pay Day“ ebenfalls im Vordergrund steht: Führungspositionen. Frauen stellen 30 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder in den 160 größten deutschen börsennotierten Unternehmen. Sie sind in den Aufsichtsräten von mitbestimmten Unternehmen (33 Prozent) deutlich häufiger vertreten als in nicht-mitbestimmten Unternehmen (20 Prozent). Übrigens arbeiten bei der Stadt Neunkirchen 357 Männer und 456 Frauen (alle Beschäftigte, auch Erzieherinnen und Erzieher), etliche davon in Teilzeit. Immerhin ist die Rathausspitze nicht mehr 100prozentig männlich. Seit dem 19. November 2019 ist Lisa Kühn Bürgermeisterin von Neunkirchen und damit Stellvertreterin von Oberbürgermeister Jörg Aumann.

www.equalpayday.de