| 20:41 Uhr

Fairtrade ist im Kommen
Fair gehandelt ist den Leuten etwas wert

Kreis Neunkirchen. Bewusstes Einkaufen liegt im Trend – gerade auch bei Lebensmitteln. Viele Verbraucher sind bereit, für fair gehandelte Produkte etwas mehr zu zahlen.

„Gerechter Handel“, Fairtrade, rückt zunehmend ins Bewusstsein der Menschen. Im Supermarkt ist das dazugehörige Logo auf dem ein oder anderen Produkt, die öffentliche Hand versucht verstärkt, selbst Vorbild zu sein. Im Kreis hat sich Eppelborn schon vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, das Siegel einer „Fairtrade-Kommune“ zu bekommen. Dazu müssen Kriterien erfüllt werden. Unter anderem muss es eine Mindestanzahl an gerecht gehandelten Produkten vor Ort geben. Drei Einzelhändler und ein Gastronomiebetrieb sind schon dabei, erläutert das Rathaus auf SZ-Nachfrage. Die eigens eingerichtete Steuerungsgruppe hat verschiedene Aktionen rund um das Thema ausgerichtet. Ein Stand auf dem Adventsmarkt, Neujahrsempfang der Gemeinde, Tag der Jugend, Frauenmesse und ein faires Frühstück zählen dazu, so das Rathaus. Den Titel Fairtrade-Town möchte Eppelborn kommendes Jahr erhalten. Es fehlen noch eine Gastronomie und ein Einzelhändler, um genügend Mitstreiter vorzuweisen. Auch der Kreis Neunkirchen als Verwaltungseinheit ist im Fairtrade-Prozess, Schulen wie die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen auch. Dort gibt es etwa Nikoläuse aus gerechtem Handel, wenn sich Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Schule kommende Woche beschenken. Die Grundschule Elversberg hat angekündigt, am Dienstag, 19. Dezember, beim Pausenverkauf das Thema aufzugreifen.


Die Saarbrücker Zeitung hat in einem Umfrage-Center bei den Lesern nachgefragt, wie gut sie sich in Sachen Fairtrade auskennen, und ob sie bereit sind, den fairen Handel durch etwas höhere Verbraucherpreise zu unterstützen. Im Kreis Neunkirchen haben 134 Personen an der Umfrage teilgenommen. Das Ergebnis ist damit natürlich nicht repräsentativ, ergibt allerdings ein deutliches Stimmungsbild.

Fairtrade ist den meisten der Befragten demnach durchaus ein Begriff. 90 Prozent (121 Personen) gaben an, den Begriff Fairtrade zu kennen, lediglich zehn Prozent (13 Personen) antworteten mit „Nein“. Etwas kniffliger wurde es bei der zweiten Frage. In ihr ging es darum, was das Ziel von Fairtrade ist. 29 Prozent (39 Befragte) wählten die erste Antwort-Option. Damit waren sie der Meinung, es gehe darum, dass im weltweiten Handel alle Beteiligten gleich viel verdienen sollten. Drei Prozent (fünf Personen) meinten, die Produkte sollten möglichst lokal und regional verkauft werden. Richtig lagen 68 Prozent (91 Personen) mit ihrer Antwort: „Es geht um Minderung der Armut im Süden und einen gerechten Welthandel.“



Um das Ziel eines gerechteren Handels zu finanzieren, wären 43 Prozent (58 Personen) bereit, für garantiert fair gehandelte Produkte etwas mehr Geld auszugeben, 47 Prozent (62 Befragte) antworteten „Es kommt darauf an“. Vier Prozent (sechs Personen) wären eher nicht bereit, höhere Preise zu zahlen, und sechs Prozent (acht Personen) gaben an, sich das nicht leisten zu können.

Die Vielfalt der fair gehandelten Produkte wächst. Während 97 Prozent (130 Personen) Kaffee, 86 Prozent (115 Personen) Bananen und 81 Prozent (108 Personen) Schokolade und immerhin noch 74 Prozent (99 Befragte) Reis als Fairtrade-Produkte kennen, sind andere Waren deutlich weniger bekannt: 57 Prozent (77 Personen) kennen Pullover, etwas niedriger liegt der Wert bei Blumen und Wein. Faires Müsli kennen hingegen nur 25 Prozent (34 Personen). Dass es auch Fairtrade-Eiscreme gibt, konnten sich nur noch zehn Prozent (14 Befragte) vorstellen.

In einer offenen Frage wollten wir zum Schluss wissen, wie die Fairtrade-Idee weiter verbreitet werden könnte. „Mehr Werbung“ wurde mehrfach genannt. Außerdem schlugen die Teilnehmer vor, zum Beispiel Landwirte vorzustellen, die von dem System profitieren und bei der Erziehung von Kindern in Kindergarten und Schule auf die Produkte und die damit verbundenen Ziele hinzuweisen.

Manche Teilnehmer wünschten sich auch, mehr Fairtrade-Produkte in Supermärkten zu bekommen oder in jeder größeren Stadt einen entsprechenden Laden ansteuern zu können. Etwas radikaler war da schon der Vorschlag, Produkte ohne ein Siegel für fairen Handel bei der Einfuhr in die Europäische Union mit Strafzöllen zu belegen oder den Handel komplett zu verbieten. Mit entscheidend für den Erfolg sei aber, dass der Kunde die Gelegenheit erhält, den tatsächlich fairen Handel dokumentiert zu bekommen. Insgesamt sollten die Medien mehr darüber berichten, sagten gleich mehrere Befragte.

Wer beim SZ-Umfrage-Center mitmachen will, muss sich nur einmalig registrieren. Die Teilnehmer werden mit Punkten belohnt, die in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können.

Fairtrade-Kaffe kennt fast jeder. Dabei wissen viele nicht, dass es im deutschen Handel mittlerweile noch jede Menge andere fair gehandelte Produkte gibt.
Fairtrade-Kaffe kennt fast jeder. Dabei wissen viele nicht, dass es im deutschen Handel mittlerweile noch jede Menge andere fair gehandelte Produkte gibt. FOTO: dpa / Miriam Ersch