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Erste Lockerungen und die Reaktionen im Kreis Neunkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Erste Lockerungen im Einzelhandel : Neustart mit gebremstem Schaum

Ein Hauch von Normalität, und doch ist alles anders: Wie der Einzelhandel und die Kunden im Landkreis Neunkirchen auf die Öffnung reagieren.

„Das do is mir zu viel Dreiwes“, sagt die junge Frau. Sie komme lieber die Woche wieder, wenn weniger los sei in dem Geschäft in der Neunkircher Bahnhof-

straße, meint Mariana. Es ist Montagnachmittag, eine Mitarbeiterin des Nonfood-Preiswert-Ladens sagt zum xten Mal ihr Sprüchlein auf, dass nämlich jeder Kunde, auch die Kinder, einen Korb für seinen Einkauf nehmen muss. Wenn alle Körbe, die nach Gebrauch desinfiziert werden, unterwegs sind, darf niemand mehr in das Geschäft. Denn es gilt: Überall müssen Abstandsregeln eingehalten sowie Hygienemaßnahmen umgesetzt werden.

In kleineren Geschäften dürfen nur ein bis zwei Kunden gleichzeitig in den Auslagen stöbern. Bei Bremerich Jeans in Illingen dürfen sieben Menschen gleichzeitig im Laden sein, inklusive der zwei Mitarbeiter. Das war am Montag kein Problem, berichtet Inhaber Oliver Bremerich. Er war froh, dass er sein Modegeschäft wieder öffnen durfte, allerdings: „Kein Mensch wusste, was passieren wird.“ Stürmen die Menschen die Geschäfte oder bleiben sie lieber noch zu Hause? Die ersten eineinhalb Stunden sei es ruhig zugegangen, berichtet Bremerich. „Dann sind tatsächlich drei Männer gekommen, die kurze Hosen kaufen wollten.“ Ansonsten seien die Hygienevorschriften gut zu händeln. Eine Mitarbeiterin habe sogar Mundschutz für das Team selbst genäht. Im Übrigen habe er in den vergangenen vier Wochen beileibe nicht zu Hause gechillt, sondern „dermaßen geackert, dass ich jetzt richtig kaputt bin“, gesteht Bremerich. Päckchen wurden gepackt und der Online-Verkauf via Instagram oder Facebook vorangetrieben. Jetzt dürfen die ausgeruhten Mitarbeiter wieder im Laden ran. Mitleid hat er mit Warenhäusern, die wegen der Größe über 800 Quadratmetern weiter geschlossen haben: „Das wird richtig schwierig.“

Mit gemischten Gefühlen hat Erika Thiel am Montagmorgen ihr Modegeschäft in der Illinger Hauptstraße aufgeschlossen. Die Geschäftsfrau, die seit 46 Jahren selbstständig ist, rechnet nicht mit großem Umsatz. „Viele unserer Kunden kaufen für bestimmte Anlässe wie Hochzeit, Urlaub oder einen Trauerfall.“ Diese Anlässe fallen jetzt weg. Mundschutz und Desinfektionsmittel hat Erika Thiehl für alle Fälle bereit. Und mit ihrem handwerklich begabten Ehemann hat sie am Samstag einen dekorativen Glasschutz für die Kasse gezaubert.

Wieder Ware vor der Tür in der Neunkircher Bahnhofstraße: Sonnenbrillen und Flipflops gaukeln ein Stück Normalität vor. Foto: Heike Jungmann
"Wir freuen uns auf Euch" hat ein Laden in der Neunkircher Bahnhofstraße, der seit Montag wieder öffnen darf, auf ein Schild geschrieben. Foto: Heike Jungmann
Von der Quadratmeterzahl hängt die gleichzeitig erlaubte Kundenzahl ab. Foto: Heike Jungmann

Mit einem strahlenden Lächeln werden die Kunden im Schuhhaus Itt in der Neunkircher Bahnhofstraße empfangen. „Die Leute haben richtig Lust auf neue Schuhmode“, hat eine Mitarbeiterin festgestellt. Die Fläche sei groß genug, um die Kunden mit Abstand zu bedienen. Für Mundschutz und Desinfektion sei natürlich gesorgt. Auch bei Bücher König gegenüber ist das Team mit dekorativem Masken ausgestattet. Ein Mitarbeiter, ein gelernter Schreiner, hat den Nießschutz vor der Kasse gebaut. „Und unser Team hat das Mobiliar so aufgestellt, dass man in einer Einbahnstraße mit genügend Abstand durch die Buchhandlung geleitet wird“, erklärt Inhaberin Anke Birk. Stammkunde Zimmer testet dies gerade. Er holt ein paar Bücher ab, die er telefonisch bestellt hat. „Ich bin froh, dass wieder auf ist. Ich wollte Euch doch mal sehen.“