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Erpresser hinter Gitter Polizei Neunkirchen meldet Fahndungserfolge

Erpresser hinter Gitter gebracht : Polizei gehen ein paar dicke Fische ins Netz

Erfolge für Neunkircher Ermittler. Die registrierten Straftaten im Kreis sind im Vergleich zum Vorjahr von 7798 auf 8055 gestiegen.

2019 war in vielerlei Hinsicht ein „normales Jahr“, auch in Sachen polizeiliche Kriminalitätsstatistik. Ganz im Gegensatz zu 2020, das wohl als „Corona-Jahr“ Eingang in die Geschichtsbücher finden wird. Eine Prognose für das laufende Jahr sei schwer zu wagen, meint Polizeihauptkommissar Jörg Hiry. „Erschreckend“ findet es der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion (PI) Neunkirchen jedenfalls, dass es immer wieder Menschen gebe, die aus Krisen ihre persönlichen Vorteile ziehen, Stichwort Betrugsdelikte.

Doch zurück zum Jahr 2019. Über die erfassten Straftaten und die Ermittlungsarbeit der Polizei im Landkreis Neunkirchen berichteten Hiry und die Leiterin des Kriminaldienstes, Anja Leinenbach unserer Zeitung. Wie üblich im Frühsommer des darauffolgenden Jahres. Für den Laien mag dies ein später Zeitpunkt sein, aber hinter den umfangreichen Statistiken steckt zeitaufwendige Arbeit. Die prägnantesten Zahlen zuerst: Die registrierten Straftaten im Kreis Neunkirchen haben im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent von 7798 auf 8055 zugenommen. Dieser „kleine Anstieg“ sei im Zehnjahresschnitt normal, erklärt Anja Leinenbach. Saarlandweit sind die registrierten Straftaten um 5,43 Prozent auf 74 720 (von 70 860) gestiegen. Die Aufklärungsquote, die im Jahr 2018 noch bei 59,1 Prozent lag, ist auf 57,32 Prozent gesunken, liegt aber immer noch über dem Landesdurchschnitt von 54 Prozent. Etwas höher war im Kreis Neunkirchen das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. Lag diese „Häufigkeitszahl“ (Straftaten pro 100 000 Einwohner) im Jahr 2018 bei unterdurchschnittlichen 5850, so stieg sie im vergangenen Jahr auf 6093.

Schaut man auf die sieben Städte und Gemeinden des Landkreises, fallen mehrere Ausreißer nach oben und unten auf. Erfreulich ist die Entwicklung in Spiesen-Elversberg, wo gut sechs Prozent weniger Straftaten gemeldet wurden, nämlich 543 statt 578. Sogar 8,2 Prozent weniger Straftaten gab es in Eppelborn, wo die Zahl von 538 auf 494 gesunken ist. Eine Serie von Wohnungseinbrüchen hatte im Jahr 2018 für den auffälligen Anstieg gesorgt. Relativ gering ist der Anstieg in Ottweiler (von 511 auf 529), in Illingen (um 559 auf 605) und in der Stadt Neunkirchen (von 4597 auf 4636). Hier liegt die Aufklärungsquote übrigens bei fast 60 Prozent. In Schiffweiler gab es Ende 2019/Anfang 2020 eine Einbruchserie, unter anderem in einen Tabakladen, den Polizeiposten und das Rathaus. Ein 38-jähriger Täter ist im Januar festgenommen und inzwischen rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Insgesamt stiegen die Fallzahlen in Schiffweiler von 714 auf 765 (plus 7,14 Prozent). In die Höhe geschossen sind die Fallzahlen in Merchweiler mit einer Zunahme um fast 24 Prozent von 391 auf 483 Fälle. „Querbeet“ sind hier nach Angaben von Anja Leinenbach die Delikte gemeldet worden: Von Körperverletzungen über Wohnungseinbrüche (23) bis zu einer Diebstahlserie an und aus dem Kraftfahrzeug. Zudem gab es über 20 Widerstandshandlungen gegen die Polizei.

Ein Überblick über ausgewählte Deliktsgruppen zeigt, dass im Landkreis Neunkirchen Raubdelikte mit zehn Prozent, Betrug mit neun Prozent und Cypercrime mit fast 14 Prozent die höchste Zunahme verzeichnen. Insgesamt wurden 113 Taschendiebstähle gemeldet und damit 7,62 Prozent mehr als im Vorjahr. Ladendiebstähle wiederum sind auf 456 von 531 gesunken. Gegen das Aufenthalts- und Asylrecht haben 26 Menschen verstoßen, das sind 16,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Offensichtlich älter sind die Tatverdächtigen geworden. 2018 waren noch 101 Kinder und 311 Jugendliche in Straftaten verwickelt. Im vergangenen Jahren es 95 Kinder und 185 Jugendliche. Dafür ist die Zahl der jungen Leute zwischen 18 und 21 Jahren, also der Heranwachsenden, die tatverdächtig waren, von 250 auf 458 gestiegen. Erwachsene Täter wurden 1813 ermittelt (2593). Insgesamt war die Polizei 2571 Tatverdächtigen auf der Spur, davon 768 nicht deutsche.

Gesunken ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Kreis Neunkirchen, vor allem in Eppelborn um mehr als die Hälfte. Gestiegen sind wiederum die Fälle häuslicher Gewalt auf 350 (siehe Infografik). Hier gab es insgesamt 297 Tatverdächtige (224 männlich, 73 weiblich). Bei 69 aufgeklärten Fällen waren Zuwanderer Tatverdächtige. In 33,3 Prozent der aufgeklärten Fälle ist entweder das Opfer oder Tatverdächtige Zuwanderer. Am häufigsten wurde wegen Körperverletzung, Stalking/Bedrohung oder bei Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung/Vergewaltigung Anzeige erstattet.

„Dicke Fische“ sind der Neunkircher Polizei im August 2019 ins Netz gegangen. Drei Tatverdächtige wurden kürzlich zu Freiheitsstrafen von fünf beziehungsweise sechs Jahren verurteilt. Sie hatten einen 35-jährigen Syrer über ein Jahr lang erpresst und massiv bedroht. Einer der insgesamt vier Tatverdächtigen konnte sich nach Mazedonien absetzen, wird per EU-Haftbefehl gesucht. Umfangreiche Ermittlungen nach einem Raubüberfall auf ein Casino im Juli 2019 führten zu einem 31-jährigen Tatverdächtigen aus Schiffweiler. Und eine überregionale Serie von Tankbetrügereien mit Schwerpunkt im Bereich Illingen konnte ebenfalls nach einer aufwändigen Ermittlung aufgeklärt werden. Ein 32-Jähriger wurde im Januar 2020 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt wegen 20-maligem Tankbetrug, 14-maligem Kennzeichendiebstahl und weil er sieben Mal Urkunden gefälscht hatte. „Hier wurde die Mühe des Illinger Kollegen, der umfangreich ermittelte, belohnt“, freut sich Jörg Hiry.

Zu einer Messerstecherei war die Neunkircher Polizei am 14. September 2019 gerufen worden. Vor der Gaststätte „Piccadilly“ in der Hüttenbergstraße hatten sich drei Männer gezofft. Dabei verletzte ein 19-jähriger Tatverdächtiger einen Mann mit zwei Messerstichen in den Oberkörper schwer.

 Häusliche Gewalt im Kreis Neunkirchen
Häusliche Gewalt im Kreis Neunkirchen Foto: SZ/Steffen, Michael

Fälle, die auch überregional Schlagzeilen machten, aber nur einen kleinen Teil der Ermittlungsarbeit der Neunkircher Polizei ausmachten. „Es war ein sehr arbeitsreiches Jahr“, resümieren Anja Leinenbach und Jörg Hiry. Das 172-köpfige Team der Polizeiinspektion, zu der das Polizeirevier Illingen und die Posten gehören, habe unter enormer Belastung wieder gute Arbeit leistet. Für die Zukunft wünschen sie sich – gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Monate – eine bessere technische Ausstattung mit Diensthandys und Tablets.