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Streit um Pavianhaltung im Neunkircher Zoo
Staatsanwälte schauen sich Paviane an

Colin Goldner vom Primatenschutzverein Great Ape Project vor dem Pavianfelsen im Neunkircher Zoo.
Colin Goldner vom Primatenschutzverein Great Ape Project vor dem Pavianfelsen im Neunkircher Zoo. FOTO: Dietmar Klostermann
Neunkirchen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Neunkircher Zoodirektor Fritsch wegen möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Der Streit um die artgerechte Haltung von etwa 100 Mantelpavianen im Neunkircher Zoo beschäftigt jetzt auch die saarländische Justiz. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Mario Krah, der SZ auf Anfrage mitteilte, seien dort zwei Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer der Neunkircher Zoologischer Garten gGmbH, Norbert Fritsch, wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tiierschutzgesetz in Bearbeitung. Dem Verfahren (AZ 31 Js 983/18) liege die Anzeige der Diplompädagogin und Tierschutzlehrerin Claudia Goldner aus Train-St. Johann in Niederbayern zugrunde, sagte Krah. Im zweiten Verfahren (AZ 31 Js 982/18) sei die Anzeige von einer Tierschutzorganisation gestellt worden. Krah bestätigte, dass es sich zumindest in einem der Ermittlungsverfahren um die Haltung von Pavianen im Neunkircher Zoo drehe. Die Akten seien dem Landesamt für Verbraucherschutz zu weiteren Ermittlungen zugeleitet worden. In die Zuständigkeit dieses Amtes falle auch das Veterinärwesen, erklärte Krah.


Die Haltung der etwa 100 Paviane beschäftigt Tierfreunde im Saarland bereits seit geraumer Zeit. Der Landestierschutzbeauftragte Hans-Friedrich Willimzik hatte die „Überbevölkerung“ bei den Pavianen im Neunkircher Zoo mehrfach öffentlich kritisiert. Willimzik sprach auch von qualvollen Bedingungen für die Paviane in Neunkirchen. Zudem seien die Vorgaben der Bundesregierung zu einer artgerechten Haltung der Primaten, niedergelegt in deren Säugetierverordnung von 2014, nicht erfüllt. Demnach dürften im Neunkircher Zoo nur acht Paviane leben, da das Innengehege nur 50 Quadratmeter groß sei.

Dieses Nichteinhalten der Vorgaben des Säugetiergutachtens hatte jüngst auch Umweltminister Reinhold Jost (SPD) in der Antwort auf eine Anfrage von Ralf Georgi (Linksfraktion im Saar-Landtag) festgestellt. Jost hatte im Frühjahr ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Streit um die Pavianhaltung im Neunkircher Zoo klären zu lassen. Denn sowohl Zoodirektor Norbert Fritsch als auch der Sprecher der saarländischen Tierschutzstiftung Andreas Schneiderlöchner (Chef des Fischereiverbandes Saar) und die Vorsitzende des Stiftungsrates Ingrid Seidel (Katholische Kirche) sehen keine Verstöße gegen die artgerechte Haltung bei den Affen auf dem Neunkircher Pavianfelsen.



Dem widerspricht energisch Colin Goldner, Sprecher des internationalen Primatenschutzvereins „Great Ape Project“ aus Train in Niederbayern. Goldner ist der Ehemann der Anzeigestellerin. Goldner war am Donnerstag im Neunkircher Zoo und stellte eine frische blutende Gesichtswunde bei einem jüngeren Pavianweibchen fest. Zudem seien die Paviane ungewöhnlich ruhig gewesen. „Das ist fast eine Friedhofsruhe. Ich habe den Verdacht, dass den Affen Valium gegeben worden sein könnte“, sagte Goldner der SZ. Zudem fehlten nach seiner Zählung etwa ein Dutzend der Paviane im Außengehege. „Ob die am wenigsten präsentablen Tiere woanders hin gebracht worden sind?“

Der Primaten-Experte Goldner, der Psychologe, Sachbuchautor und Wissenschaftsjournalist ist, setzt sich für „Menschenrechte für die Menschenaffen“ ein. Er sagte, dass das Paviangehege im Neunkircher Zoo dringend an anderer Stelle neu errichtet werden müsse. Dafür biete sich eine größere Freifläche, die bisher ein Grillplatz sei, an. „Das jetzige Außengehege ist auch deshalb unpassend, weil die Besucher von oben auf die Paviane herabblicken“, sagte Goldner. Das verursache den Tieren zusätzlichen Stress. Zoodirektor Norbert Fritsch war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Neunkirchens Zoodirektor Norbert Fritsch
Neunkirchens Zoodirektor Norbert Fritsch FOTO: BeckerBredel